Anleihen: "Zinserhöhungsängste sind komplett weg"


19.07.21 12:09
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Inflation war im Juni so hoch wie zuletzt 2008, in Deutschland im Mai so hoch wie zuletzt 2011, so die Deutsche Börse AG.

Doch nach einem Gegensteuern der Notenbanken sehe es weiter nicht aus - zur Freude der Kapitalmärkte. "Die Zinserhöhungsängste sind komplett weg", bemerke Rainer Petz von Oddo BHF. "FED-Chef Powell hat die Inflation gerade wieder als vorübergehend bezeichnet." Nicht nur die Notenbanken würden den jüngsten Anstieg der Inflation als lediglich temporäres Problem sehen: "Offensichtlich teilen die Investoren mehr und mehr die Sichtweise der Zentralbanken", erkläre Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

So seien die am Markt gehandelten Inflationserwartungen sowohl in den USA als auch im Euroraum gefallen. "Der Fokus des Marktes richtet sich auf den wahrscheinlichen Rückgang der Inflationsraten im kommenden Jahr, wenn die Basiseffekte durch die Angebotsengpässe überwunden sind." Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur mit minus 0,33 Prozent rentieren, im Mai hätten sich die Renditen noch der Nulllinie genähert. In den USA liege die Rendite für zehnjährige Treasuries aktuell bei 1,33 Prozent, nach fast 1,78 Prozent im Frühling.

Mit Spannung erwartet werde das Treffen der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag. Nachdem nun auch die EZB sich auf ein "symmetrisches Inflationsziel" von 2 Prozent ausrichten wolle (anstelle des alten "unter, aber nahe 2 Prozent"), könnten nun Details bezüglich der künftigen Anleihekäufe bekannt gegeben werden.

"Laut EZB-Chefin Lagarde wird es keine frühe geldpolitische Straffung wie in der Vergangenheit geben", bemerke Robert Halver von der Baader Bank. "Die alte von der Bundesbank übernommene Stabilitätspolitik schmilzt wie Eis in der Sonne." Er halte auch nichts von einer Berücksichtigung des Klimaschutzes durch die EZB, dafür habe sie kein Mandat. "Insgesamt haben alle großen Notenbanken keine Hemmungen mehr, alle Alibis zu nutzen, um ihre üppige Geldpolitik fortzusetzen", meine Halver. Böswillig könne man auf die Idee kommen, dass die Notenbanken steigende Preise gar nicht mehr bekämpfen wollten, sondern fördern würden. "Denn liegen die Kreditzinsen unterhalb der Inflation, wird Verschuldung künstlich und ohne eigene Anstrengung abgebaut."

Im Handel mit Unternehmensanleihen hätten sich vergangene Woche die schlechten Nachrichten aus der Tourismusindustrie bemerkbar gemacht. "Wegen der wieder steigenden Corona-Zahlen ist alles, was mit Tourismus zu tun hat, unter Druck geraten", berichte Petz. Deutlich gefallen sei zum Beispiel eine TUI-Wandelanleihe. Diese sei noch im Juni noch zu 113 Prozent gehandelt worden, aktuell seien es nur noch 96 Prozent.

Gefragt seien hingegen Hybridanleihen (ISIN XS1064049767 / WKN A11QFG) der Württembergischen Lebensversicherung mit Laufzeit bis 2044 und Kupon von 5,25 Prozent, wie Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. Käufe melde die Händlerin auch für 2024 fällige Papiere (ISIN XS1611167856 / WKN A19HBR) von Hella mit Kupon von 1 Prozent. (Ausgabe vom 16.07.2021) (19.07.2021/alc/a/a)





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