Anleihen: Zinsen auf Sechsmonatstief


06.08.21 16:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am Anleihen- wie am Aktienmarkt blickt heute alles auf die am Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktzahlen, so die Deutsche Börse AG.

Von denen würden sich Anleger Aufschluss über die künftige US-Notenbankpolitik erhoffen. Denn FED-Chef Powell wolle der coronabedingt immer noch höheren Arbeitslosigkeit Priorität einräumen. "Im Vorfeld des US-Arbeitsmarktberichts ist es zunächst zu weiteren Gewinnen und rückläufigen Renditen gekommen", erkläre Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba.

Zehnjährige Bundesanleihen würden jetzt wieder nur mit minus 0,50 Prozent rentieren, im Mai seien es kurzzeitig minus 0,10 Prozent gewesen. Die Rendite für dreißigjährige Anleihen sei wieder unter die Nulllinie gerutscht. "Damit liegen die Renditen aller Bundesanleihen wieder im Minusbereich", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Er begründe das zum einen mit der Delta-Variante, die den Ausblick trübe. "Zum anderen kauft die EZB aber auch kräftig Anleihen auf, und es gibt wegen der Sommerpause wenig Neuemissionen."

Gleichzeitig seien die Inflationsraten zuletzt kräftig gestiegen. "Damit zeigt sich eine in der Vergangenheit äußerst seltene Kombination aus fallenden Renditen und steigenden Inflationserwartungen", erläutere Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

Schlechte Nachrichten habe es diese Woche für die Gläubiger des Hemdenherstellers Eterna gegeben. "Zwei Gläubigerversammlungen, in denen ein Zinsmoratorium erzielt werden sollte, waren gescheitert", berichte Brunner. Nun solle die neue Möglichkeit der präventiven Sanierung nach dem StaRUG-Verfahren (Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen) einen Neustart ermöglichen: Eterna habe den Gläubigern ein Abfindungsangebot von 10 Prozent gemacht. "Für die Angestellten ist das sicher eine Chance, die Anleihengläubiger blicken aber ganz schön in die Röhre."

Ungemach komme auch aus China, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte: Die Anleihen des in massiven Zahlungsschwierigkeiten steckenden Immobilienkonzerns China Group seien weiter gefallen - auf Rekordtiefs. Die im nächsten Jahr fällige Anleihe mit Kupon von 8,25 Prozent, die im Mai noch 100 Prozent gekostet habe, gehe jetzt zu unter 50 Prozent über den Tisch. Aufgrund der Stückelung von 200.000 Euro seien aber vor allem institutionelle Anleger betroffen.

Weitere Kursverluste hätten laut Daniel auch EkosemAgrar-Anleihen erlitten. "Das von der russischen Ratingagentur Expert RA im August 2020 vergebene Unternehmensrating ruBBB+ ist ausgelaufen und zurückgezogen worden", erkläre der Händler. Laut einer Ad-hoc-Mitteilung des Unternehmens gebe es Differenzen mit der russischen Landwirtschaftsbank Rosselkhozbank über die mittel- und langfristige Finanzierung.

Viele Anleihen kleiner und mittelgroßer Unternehmen würden sich aber sehr stabil zeigen. "Da trennt sich die Spreu vom Weizen", meine Brunner. Deutlich über 100 Prozent hätten etwa Papiere von Deutsche Rohstoff oder Zeitfracht Logistik (ISIN DE000A3H3JC5 / WKN A3H3JC) notiert.

Wieder erholt hätten sich Paragon-Anleihen, die letzte Woche unter Abgabedruck geraten seien. Grenke Finance-Bonds hätten von guten Quartalszahlen profitiert und würden nach dem Kursrutsch im letzten Herbst jetzt wieder zu 99,45 Prozent gehandelt. Gesucht bleibe laut Brunner die Ferratum Capital Germany-Anleihe, die aktuell 102,5 Prozent koste.

Beliebt seien Daniel zufolge einmal mehr Otto-Anleihen, er melde Kaufinteresse in der bis 2026 laufenden Anleihe (ISIN XS1979274708 / WKN A2TR80) mit Kupon von 2,635 Prozent.

Neues sei diese Woche von Volkswagen Financial Services gekommen, wie Brunner berichte, und zwar in drei Tranchen: Ein bis 2025 laufender Bond (ISIN XS2374595127 / WKN A2LQ6Q) mit Nullrendite, ein bis 2027 laufender mit 0,125 Prozent (ISIN XS2374595044 / WKN A2LQ6R) und ein bis 2030 laufender mit 0,375 Prozent (ISIN XS2374594823 / WKN A2LQ6S). "Für Privatanleger dürfte das trotz der Stückelung von 1.000 Euro aber kaum interessant sein." (06.08.2021/alc/a/a)





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