Anleihen: Zinsabstand zu USA steigt weiter


22.10.18 12:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Italienkrise, die ungeklärte Situation um den Brexit und die Handelskonflikte beunruhigen die Märkte, so die Deutsche Börse AG.

"Vor allem Nachranganleihen, Bankanleihen und alles Hochverzinsliche ist unter Druck", berichte Rainer Petz von Oddo Seydler. "Es ist wieder Sicherheit gefragt", ergänze Arthur Brunner von der ICF Bank.

Auslöser seien vor allem die Ausgabepläne der neuen italienischen Regierung. Vertreter der Europäischen Kommission hätten sich mit deutlichen Worten gegen den italienischen Haushaltsentwurf gestellt, dieser sei eine "offensichtliche erhebliche Abweichung" von den EU-Vorschriften. Eine solche Abweichung sei beispiellos in der Geschichte des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, habe es geheißen.

Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen liege mittlerweile bei 3,75 Prozent, das sei eine Verdopplung gegenüber dem Mai, als es noch 1,76 Prozent gewesen seien. "Der Renditeanstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen ist auf dem höchsten Stand seit 2013", bemerke Brunner.

Am kommenden Freitag, den 26. Oktober, werde die Rating-Agentur S&P die aktualisierte Beurteilung von Italien veröffentlichen, eventuell auch Moody‘s. "Beide werden ihr Rating zumindest um eine Stufe senken", erkläre Markus Koch von der Commerzbank.

Der Euro-Bund-Future, der mit den steigenden Zinsen in den USA im September deutlich verloren habe, habe durch die Unruhe am Markt wieder aufgeholt und liege am Freitagmittag bei 159,82 Punkten nach 157,61 vor zwei Wochen. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur 0,41 Prozent abwerfen nach damals 0,57 Prozent.

Am nächsten Donnerstag komme der EZB-Rat zusammen. Am Markt gehe man davon aus, dass die Notenbanker abermals das Auslaufen der Nettoanleihekäufe zum Jahresende avisieren würden. "Formale Beschlüsse erwarten wir aber eher im Dezember", erkläre Michael Schubert von der Commerzbank. Das jetzige Treffen diene mehr der Vorbereitung. Diskutiert würden wohl die Reinvestitionspolitik, die Handelskonflikte sowie die Lage in Italien.

In den USA würden die Zinsen unterdessen weiter steigen, die US-Renditen würden sich deutlich über 3 Prozent halten, aktuell seien es 3,17 Prozent. Der Renditeunterschied zwischen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren habe mit 2,75 Prozent den höchsten Stand seit den 1990er Jahren erreicht, wie Brunner feststelle.

Im Mittwoch sei das Protokoll der letzten FED-Sitzung veröffentlicht worden. Grundsätzlich würden die FOMC-Mitglieder weitere graduelle Zinserhöhungen für angemessen halten. Für Aufregung habe aber gesorgt, dass einige Sitzungsteilnehmer der Ansicht gewesen seien, dass die Geldpolitik für eine gewisse Zeit mäßig restriktiv werden müsse - der Leitzins also über den geschätzten langfristigen Gleichgewichtswert angehoben werden müsse.

Die viel höheren Zinsen in den USA würden Anleger zu US-Dollar-Papieren greifen lassen, wie Brunner beobachte. Gesucht sei zum Beispiel eine bis 2021 laufende US-Staatsanleihe, die zuletzt eine Rendite von 2,95 Prozent abgeworfen habe. "Das ist für Anleger natürlich attraktiv, jedenfalls wenn sie mit einem US-Dollar-Anstieg rechnen."

Die deutliche Erholung der Türkischen Lira zu Euro und US-Dollar habe zudem zum Verkauf von Fremdwährungsanleihen geführt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte, zum Beispiel bei einer auf Türkische Lira lautenden Anleihe der International Bank for Reconstruction and Development mit Kupon von 10 Prozent und Fälligkeit im März 2020 (ISIN XS1576699075 / WKN A19EAH).

Eher abgestoßen würden aufgrund der Unsicherheiten Hybridanleihen, wie die Händler feststellen würden, etwa die der Autohersteller. Ein "verhaltenes" Kaufinteresse an der neuen VW-Anleihe mit Laufzeit bis 2026 und Kupon von 2,25 Prozent (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) melde Daniel. Vergangene Woche habe Volkswagen Financial Services drei neue Anleihen auf den Markt gebracht: neben der genannten noch eine bis 2020 laufende mit 0,25 Prozent (ISIN XS1893632221 / WKN A2LQ6A) und eine 2023 fällige mit Kupon von 1,375 Prozent (ISIN XS1893631330 / WKN A2LQ6B).

Zu einem deutlichen Kursanstieg der Hema-Anleihe habe Daniel zufolge die Nachricht geführt, dass die Beteiligungsgesellschafft Lion Capital den niederländischen Einzelhändler an Marcel Boekhoorn und seinen Investmentfond Ramphastos verkaufen werde. Hema, schon 1926 gegründet, biete neben Bekleidung auch Deko-Artikel, Kosmetik und Lebensmittel an.

Vom kommenden Dienstag bis zum Donnerstag, d.h. 23. bis 25. Oktober, könne im Übrigen eine neue Anleihe des Autozulieferers Paragon gezeichnet werden, die im Scale-Segment gehandelt werden solle. Die Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro laufe bis Oktober 2023, die Kuponspanne betrage 4,25 bis 4,75 Prozent.

Vom 22. bis zum 26. Oktober, also bis zum kommenden Freitag, laufe die Zeichnungsfrist für eine neue Anleihe der DEAG Deutsche Entertainment über 25 Millionen Euro mit Fälligkeit im Oktober 2023 und Kuponspanne von 5,25 bis 6 Prozent (ISIN DE000A2NBF25 / WKN A2NBF2). Diese Anleihe könne auch über die Frankfurter Börse gezeichnet werden. Die Mindestanlagesumme liege in beiden Fällen bei 1.000 Euro. (22.10.2018/alc/a/a)





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