Anleihen: Verunsicherung und Nervosität - Anleger konzentrieren sich auf risikoarme Anlagen


16.11.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zu früh gefreut! Nach der Zustimmung des Kabinetts für den Austritt aus der EU am Vorabend traten am nächsten Morgen Minister und hohe Regierungsbeamte fast im Stundentakt zurück, berichten die Analysten der Helaba.

Nach Nordirland-Staatssekretär Vara hätten Brexit-Minister Raab und Arbeitsministerin McVey die Regierungsbank verlassen. Passagen zum künftigen Status Nordirlands könnten nicht mitgetragen werden und hätten eine "echte Bedrohung für die Integrität des Königreichs" dargestellt. Stein des Anstoßes sei der Verzicht einer "harten Grenze" zwischen Nordirland und Irland. Die Abstimmung Unterhaus, die erst im Dezember stattfinden solle, werde so zu einer echten Bewährungsprobe. Die nordirische konservative Partei DUP fordere jetzt die Ablösung Mays und wolle anderenfalls gegen den Brexit-Entwurf stimmen.

In diesem von hoher Verunsicherung und Nervosität geprägten Umfeld hätten sich Anleger auf risikoarme Anlagen konzentriert. Erst im Handelsverlauf habe die Risikobereitschaft wieder zugenommen.

Bundesanleihen seien nach freundlichem Start die Anschlusskäufe ausgegangen. Das ultralange Segment könne ohnehin bei diesen Renditen keinen Anleger hinter dem Ofen hervorlocken. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich um 2 auf 67 BP ausgeweitet. In der Kasse würden kaum Stücke umgehen, die Bewegung werde von der Terminbörse getrieben,10-jährige Bonds aus Belgien (0,79%) und Frankreich (0,75%) hätten gegen Bunds einen BP verloren. Im Vorgriff auf hohen Anlagebedarf zu Beginn des neuen Jahres sahen wir Käufe in gedeckten Papieren mit kurzen bis mittleren Laufzeiten, so die Analysten der Helaba.

Anleihen der EU-Peripherie würden mit anhaltender Risikoaversion gemieden. Wirtschaftsberater Borghi gieße weiter Öl ins ohnehin schon lichterloh brennende Feuer. Er drohe für den Fall einer Mehrheit der Lega Nord bei der nächsten Wahl mit einem Austritt Italiens aus der Eurozone. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,485%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 auf 313 BP ausgeweitet. In Madrid habe sich Druck über große Verkaufsorders im ultralangen Segment aufgebaut. Spanische (1,625%) und portugiesische Bonds (1,96%) hätten auf Bunds 5 BP eingebüßt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen trotz überwiegend solider Konjunkturdaten weiter gesunken. Empire-State- (23,3 nach 21,1) und Philadelphia-FED-Index (12,9 nach 22,2) hätten gegenläufige Bewegungen gezeigt, befänden sich aber beide auf Expansionskurs. Ungebrochen sei die Konsumfreude. Einzelhandelsumsätze (0,8%; ex Autos 0,7%) hätten die Erwartungen übertroffen. Zunehmenden Preisdruck würden nachhaltig steigende Importpreise (0,5%/3,5%) signalisieren. Mit der Stimmungsaufhellung am Aktienmarkt hätten aber Gewinnmitnahmen eingesetzt. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich um 3 BP auf 40 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen knapp behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (160,64) habe 38 Stellen zugelegt, Bobl (131,67) und Schatz (111,99) seien 17 bzw. 3 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,36% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 95 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 1,5 BP niedriger bei 3,11% rentieren. Der Euro klettere auf 1,135 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 57 Dollar.

Zum Wochenschluss dürften Konjunkturdaten kaum Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Die endgültigen Verbraucherpreise der Eurozone im Oktober (0,2%/2,2%; Kernrate 1,1%) sollten aufgrund der Vorgaben aus den einzelnen Volkswirtschaften nicht überraschen. Die Industrieproduktion der USA (0,2%) werde zudem den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank nicht infrage stellen.

Am Primärmarkt würden Frankreich und Spanien die Pläne für ihre Emissionsvorhaben in der kommenden Woche vorstellen. Finnland werde in der kommenden Woche 5- und 29-jährige Staatsanleihen um zusammen 1 Mrd. Euro aufstocken. Danske Mortgage Bank Plc habe einen 5-jährigen finnischen Covered Bonds im Volumen von 750 Mio. Euro bei Midswap +7 BP begeben. (16.11.2018/alc/a/a)