Anleihen: Steigende Zinserwartungen treiben Renditen


15.10.21 16:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Trend zu höheren Zinsen setzt sich fort: Diese Woche kletterten die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen bis auf minus 0,09 Prozent, so die Deutsche Börse AG.

Das sei so hoch gewesen wie zuletzt im Mai. Am Freitagmorgen seien es wieder minus 0,17 Prozent.

Nach Einschätzung von Hauke Siemßen von der Commerzbank sei der jüngste Abverkauf am Anleihemarkt nicht mehr vorrangig von steigenden Inflationserwartungen getrieben gewesen, sondern vielmehr von steigenden Zinserwartungen. Der Geldmarkt preise mittlerweile bereits für Januar 2023 die erste Zinserhöhung der EZB ein.

"Das ist unserer Meinung nach nicht gerechtfertigt", bemerke der Rentenmarktanalyst. Bundesanleihen dürften sich deshalb kurzfristig weiter erholen. Allerdings seien die Risiken durch steigende Inflationserwartungen geblieben. "Sollte sich der Inflationsdruck doch nicht als "vorübergehend", sondern als nachhaltiger herausstellen, dürften Renditen noch deutliches Potenzial nach oben haben." Die Bank gehe allerdings mittelfristig von eher wieder moderateren Inflationsraten aus. Sie sehe die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen am Jahresende bei minus 0,2 Prozent.

Noch nicht wirklich Ruhe eingekehrt sei im Fall des deutschen Immobilienkonzerns Adler Real Estate, der ins Visier des britischen Short-Sellers Fraser Perring geraten sei. Der geplante Einstieg von Vonovia und die Meldung, dass LEG Immobilien die Übernahme von 15.000 Wohnungen prüfe, überzeuge Anleger offenbar nicht ganz. Die Adler-Anleihen (ISIN XS1713464524 / WKN A2G8WZ, ISIN XS1713464441 / WKN A2G8WY), (ISIN XS2283225477 / WKN A287MT) hätten sich Ende letzter Woche etwas erholt, lägen aber weiter deutlich unter dem Kurs vor dem Short-Selling-Angriff. "So etwas kann eine längere Geschichte werden", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Angeschlagen würden sich laut Brunner weiter Papiere des Adler-Großaktionärs Aggregate Holdings zeigen. "Viele Anleihen von Immobilienentwicklern sind unter Druck." Betroffen seien etwa auch Papiere von Eyemaxx Real Estate (ISIN DE000A2YPEZ).

Auf den Verkaufsliste stehe heute auch die 2026 fällige VW-Anleihe mit Kupon von 2,25 Prozent (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank melde. "Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Europa ist im September Im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gefallen. So schwach war der September seit 1995 nicht mehr."

Käufe sehe der Händler für eine thyssenkrupp-Anleihe mit Kupon von 2,875 Prozent und Fälligkeit 2024 (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB) sowie zwei Papiere des österreichischen Immobilienentwicklers UBM Development mit Laufzeit bis 2026 und Kupon von 3,125 Prozent (ISIN AT0000A2QS11 / WKN A3KQGX) beziehungsweise 2025 und 2,75 Prozent (ISIN AT0000A2AX04 / WKN A2R9CX). Die Hybridanleihe der Württembergische Lebensversicherung werde hingegen auf beiden Seiten gehandelt. Laut Brunner seien auch Bonds von Media and Games Invest mit 5,75 Prozent bis 2024 (ISIN SE0015194527 / WKN A283W1) gefragt.

Reger Nachfrage erfreue sich die neue Anleihe von Jes.Green Invest mit Kupon von 5 Prozent und Fälligkeit 2026 (ISIN DE000A3E5YQ2 / WKN A3E5YQ), wie Brunner außerdem berichte. "Auch nach Zeichnung sieht man noch viele Käufer." Aktuell liege der Kurs bei 100,3 Prozent. Das Unternehmen finanziere Aufdachphotovoltaikanlagen, die an Immobilienbesitzer verpachtet würden.

Das Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig biete Brunner zufolge eine frische fünfjährige Anleihe mit Kupon von 6 Prozent (ISIN DE000A3MP5K7 / WKN A3MP5K). Ein öffentliches Umtauschangebot ermögliche den Inhabern der alten Anleihe mit 6,5 Prozent (ISIN DE000A289EX3 / WKN A289EX), ihre Papiere bis zum 5. November zu tauschen. Sie würden je umgetauschter Schuldverschreibung einen Zusatzbetrag in Höhe von 10 Euro und die aufgelaufenen Stückzinsen erhalten. Das öffentliche Angebot zur Neuzeichnung erfolge vom 28. Oktober 2021 bis zum 11. November 2021. "Die alte Anleihe wurde nie unter 100 Prozent gehandelt", bemerke Brunner.

Das vorzeitige Kündigungsrecht habe der Personaldienstleister Tempton für die bis 2023 laufende Anleihe mit 6 Prozent Kupon (ISIN NO0010861792 / WKN A2YPE8) genutzt, wie der Händler außerdem erkläre. (15.10.2021/alc/a/a)






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