Anleihen: Renditen von Bundesanleihen steigen


18.09.17 10:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die vermeintliche Ruhe im Konflikt mit Nordkorea und abgeklungene Stürme in den USA scheint bei Anlegern das Sicherheitsbedürfnis herabzusetzen, so die Deutsche Börse AG.

Investoren hätten sich auf Wochensicht verstärkt von hiesigen Staatsanleihen getrennt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future habe deutlich an Gewicht verloren und notiere aktuell um 161,20 Prozent. "Nachdem die Auswirkungen der Hurrikans in den USA trotz herber Verwüstungen nicht ganz so dramatisch wie befürchtet scheinen, hat sich die Lage etwas entspannt", beschreibe Arthur Brunner von der ICF Bank.

An der Notenbank-Front mache Großbritannien von sich reden. Die Bank of England bleibe vorerst zwar auf ihrem eingeschlagenen Pfad und belasse den Leitzins bei 0,25 Prozent. Allerdings enthalte das Protokoll der gestrigen Sitzung Hinweise auf eine womöglich früher als von vielen Marktteilnehmern erwartete Straffung der Geldpolitik. Diese könne bei weiter steigendem Preisdruck bereits in den kommenden Monaten eingeleitet werden. Einige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses - Notenbankchef Carney und Chefvolkswirt Andrew Haldane hätten nicht dazu gehört - hätten sich gar für eine unmittelbare Anhebung des Leitzinses ausgesprochen. Infolge hätten die Renditen für britische Staatsanleihen deutlich zugelegt. Auch das Pfund habe mit spürbaren Gewinnen zu vielen Währungen reagiert.

Für Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank sehe so smarte Geldpolitik aus. Denn der deutliche Anstieg der Preisinflation hänge stark mit dem Verfall des Pfunds zusammen. "Nun wird dem Markt die "Karotte"-Zinserhöhung in naher Zukunft offeriert, was das Pfund stärkt und damit den Preisauftrieb dämpft." Dadurch entfalle wiederum das Argument für die Zinserhöhung. Denn diese würde für die hoch verschuldeten privaten Haushalte äußerst schmerzhaft werden. Ob die Strategie der Notenbank aufgehe, hänge von der Nachhaltigkeit der einsetzenden Bewegung ab. Falle der Euro in den Bereich zwischen 0,82 und 0,85 zurück, wäre das Ziel der Bank of England nach Ansicht von Hellmeyer wohl erreicht.

Mit der Ausgabe einer 100-jährigen Anleihe (ISIN AT0000A1XML2 / WKN A19PCG) habe Österreich Klaus Stopp zufolge in dieser Woche als erstes Euro-Land mit einem Angebot in diesem Laufzeitband bei gleichzeitig hohem Volumen von sich reden gemacht. "Zuvor hatten schon Belgien und Irland wesentlich kleinere Emissionen in Privatplatzierungen untergebracht", wisse der Rentenhändler der Baader Bank.

Auch Argentinien und Mexiko - also Länder mit einem schlechteren Rating als Österreich - seien bereits mit Jahrhundert-Anleihen in Erscheinung getreten. Frankreich, Spanien oder Italien hätten hingegen regelmäßig 50-jährige Titel emittiert.

Als kurios beschreibe Stopp die Tatsache, dass sich ein erst vor 99 Jahren gegründeter Staat wie Österreich für 100 Jahre verschulde. Zudem sei das Land in dieser Zeit zweimal zahlungsunfähig gewesen.

Der 3,5 Milliarden Euro schwere neue Bond aus Wien mit einem jährlichen Kupon von 2,1 Prozent sei Brunner zufolge von Anlegern dennoch sehr gut aufgenommen worden. "Die Anleihe war deutlich überzeichnet." Obwohl der Wert in Stücken von 1.000 Euro zu haben sei, sei das Angebot nach Ansicht des Händlers eher etwas für institutionelle Investoren. Die Baader Bank mache zudem auf mögliche Kursverluste aufmerksam, sollten sich die Zinsen im Euroraum eines Tages ändern.

Nach der Sommerpause würden sich Unternehmen wieder verstärkt über den Kapitalmarkt refinanzieren. Mit von der Partie sei die Metalcorp-Gruppe, die über eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) die Aufnahme von bis zu 50 Millionen Euro plane. Der niederländische Dienstleister für die Beschaffung, Logistik und Handel von Stahl wie Nichteisen-Metallen biete Anlegern einen jährlichen Kupon von 7 Prozent. Die in 1.000 Euro gestückelte Unternehmensanleihe könne noch voraussichtlich bis 28. September über die Börse Frankfurt gezeichnet werden.

Im Handel mit bestehenden Unternehmensanleihen würden Anleger laut Brunner besonders häufig zu einem in 2022 fälligen, mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten paragon-Bond (DE000A2GSB86/ WKN A2GSB8) greifen. Investoren hätten damit auf die Nachricht einer Abspaltung der paragon-Tochter Voltabox reagiert, die im Herbst an die Börse gebracht werden solle. Voltabox stelle Batteriesysteme auf Lithium-Ionen-Basis her. Diese kämen etwa in Gabelstaplern, Bergbaufahrzeugen und Oberleitungsbussen für den öffentlichen Personennahverkehr zum Einsatz. "Der Börsengang spült Geld in die Kassen des Unternehmens."

Brunner melde zudem gestiegene Nachfrage nach einer Hybrid-Anleihe von VW (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) mit einem Kupon von 4,625 Prozent und einer klassischen Anleihe (ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) mit einer Verzinsung von jährlich 3,875 Prozent. Der Händler sehe einen Zusammenhang mit der gegenwärtig stattfindenden Automobilmesse IAA. "Trotz Dieselaffäre und Diskussionen um das Ende von Verbrennungsmotoren läuft der Autoabsatz gut." Für den August habe der Herstellerverband Acea 903.143 verkaufte Fahrzeuge in die EU, Schweiz, nach Island und Norwegen gemeldet. Das entspreche einem Anstieg 5,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Das habe die Aktien der Hersteller beflügelt. (Ausgabe vom 15.09.2017) (18.09.2017/alc/a/a)





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