Anleihen: Notenbanken unter der Lupe


28.06.21 09:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Werden die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks ihre Wertpapierkäufe nun doch früher als erwartet zurückfahren, fragt die Deutsche Börse AG.

Mit dieser Frage hätten sich Marktteilnehmer laut Arthur Brunner von der ICF Bank in der vergangenen Woche einmal mehr intensiver auseinandergesetzt. Einige Mitglieder der Federal Reserve hätten sich dies bezüglich zu Wort gemeldet. Unter anderem sei der Chef der Notenbank von Atlanta der Meinung, eine Drosselung der Anleihe-Käufe werde womöglich bereits in den kommenden Monaten erfolgen. Der Präsident der regionalen Zentralbank von Dallas rechne im kommenden Jahr gar mit einer ersten Zinserhöhung.

Die Diskussionen hätten am Anleihemarkt zunächst für etwas Unruhe bzw. einen Anstieg der Renditen gesorgt. "Zum Wochenende hin beruhigte sich die Lage wieder." Die Renditen zehnjähriger US-Treasuries "normalisierten" sich auf 1,48 Prozent, Bundesanleihen gleicher Laufzeit rentierten aktuell bei minus 0,18 Prozent.

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbuche Gregor Daniel die meisten Umsätze in einer mit jährlich 2,875 Prozent verzinsten Thyssen-Anleihe (ISIN DE000A2TEDB8 / WKN A2TEDB), die in 2024 fällig werde. "Anfang der Woche standen Abgaben im Vordergrund, seit Mitte der Woche sind es Käufe", informiere der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Die Stahlbranche leide unter dem Preisdruck bei Rohstoffen. Diesem wolle China Medienberichten zufolge mit dem Verkauf von Teilen seiner Industriemetall-Reserven entgegenwirken.

Überwiegend Käufe sehe Daniel in einem bis 2033 laufenden Fresenius-Bond mit einem Kupon von 1,125 Prozent. Im Rahmen einer Analyse stufe unter anderem die Deutsche Bank die Aktie des Gesundheitskonzerns mit den vier eigenständigen Sparten Medical Care, Kabi, Helios und Vamed als aussichtsreich ein. Fresenius habe einen guten Jahresstart hingelegt und erhole sich von der Pandemie. Die Anleihe habe seit Monatsbeginn von 100 auf 101,6 Prozent hinzugewonnen.

Ein mit 3,125 Prozent verzinstes, in 2026 fälliges Papier (ISIN AT0000A2QS11 / WKN A3KQGX) der UBM Development käme ebenfalls gut an und habe im gleichen Zeitraum von 102,3 auf 103,2 Prozent zugelegt. Einen spezifischen Grund für die Nachfrage erkenne Daniel nicht. Die Aktie des österreichischen Immobilienunternehmens sei in den vergangenen Tagen von Analysten empfohlen worden.

Zumeist Kaufinteresse sehe Brunner für eine Anleihe (ISIN SE0015194527 / WKN A283W1) der Media and Games Invest mit einem Kupon von 5,212 Prozent und Fälligkeit in 2024. Die guten Geschäfte könnten der Grund sein. Die Umsätze des Unternehmens von 51,9 Millionen Euro für Januar bis März würden im Vorjahresvergleich fast einer Verdoppelung entsprechen.

Privatanleger hätten sich darüber hinaus mit einer in 2023 fälligen Ferratum-Anleihe gedeckt, die nominal jährlich 5,5 Prozent bringe. Aktuell notiere der Wert bei 101,2 Prozent, Anfang Juni seien es 99,3 Prozent gewesen.

Querbeet seien Anleihen der Adler Real Estate rausgegangen. Brunner nenne beispielhaft ein Papier (ISIN XS2283225477 / WKN A287MT) der Gruppe mit einem Kupon von 2,25 Prozent und Fälligkeit in 2029. "Es kursieren Gerüchte, dass die Adler-Aktie ähnlich wie Grenke einer Shortseller-Attacke durch Fraser Perring ausgesetzt ist." Die Aktie habe daraufhin zwischenzeitlich rund 14 Prozent an Wert verloren. Mittlerweile habe Fraser Perring über Twitter informiert, nicht involviert zu sein, woraufhin die Aktie an Boden wieder etwas gutgemacht habe.

Anleger hätten nach Angaben von Brunner einem 100 Millionen Euro schweren publity-Bond mit einem Kupon von 5,5 Prozent den Rücken gekehrt. Nach Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse für 2020 stünden Medienberichten zufolge Aufwendungen in Höhe von 18,3 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Verkauf von Preos-Aktien im Volumen von 33,5 Millionen Euro in der Kritik. Ein Großteil davon sei vermutlich als Provision geflossen. Die Aktie des Unternehmens habe seit Anfang April von 31 auf 18,60 Euro verloren. Die Anleihe habe im Wochenverlauf in der Spitze um 95 Punkte notiert und koste aktuell um 90 Prozent.

Madrid habe in der vergangenen Woche erfolgreich eine zehnjährige Anleihe im Volumen von 8 Milliarden Euro am Markt platziert. "Bestellungen gab es für über 70 Milliarden Euro." Gleichzeitig stünden spanische und griechische bestehende Anleihen in Daniels Büchern unter Druck. Der Händler zeige Verständnis für den Ausstieg. Die Kurse seien weit gelaufen, sodass vermutlich kaum noch Potenzial nach oben bestehe. (Ausgabe vom 25.06.2021) (28.06.2021/alc/a/a)





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DE000A2TEDB8 A2TEDB 103,82 € 97,95 €
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