Anleihen-Handel: Im Zweifel für Bundesanleihen


10.12.18 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit den heftigen Turbulenzen an den Märkten sind als sicher geltende Anleihen wieder gefragt, Bundesanleihen und Treasuries verteuerten sich diese Woche deutlich, so die Deutsche Börse AG.

"Alles minderer Qualität wird verkauft", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Nach Bekanntwerden der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada werde am Markt eine Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China befürchtet, die Beruhigung nach dem G20-Gipfel sei schnell vergessen gewesen.

So habe der Euro-Bund-Future am Freitagmorgen bei 163,20 Punkten nach 161,54 vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten wieder nur 0,23 Prozent abgeworfen, am 30. November seien es noch 0,32 Prozent und im Februar dieses Jahres 0,77 Prozent gewesen. Auch die US-Zinsen seien wieder deutlich gefallen: Die Rendite für zehnjährige Treasuries liege bei nur 2,88 Prozent. Damit sei der Anstieg aus den Monaten September bis November auf über 3 Prozent und in der Spitze 3,24 Prozent wieder zunichte gemacht. Im Vergleich der kürzeren Laufzeiten sei sogar schon eine Inversion der Zinsstruktur zu beobachten gewesen, wie die HSH Nordbank feststelle - in der Regel kein gutes Zeichen.

Analysten zufolge sei so schnell auch mit keiner Umkehr des Trends fallender Zinsen zu rechnen: "Vor dem Hintergrund der anstehenden Brexit-Entscheidung und den Rezessionsbefürchtungen in den USA dürften die Staatsanleihen der Euro-Kernländer in den kommenden Tagen stark gefragt bleiben", meine Markus Koch von der Commerzbank. Bei einer Rendite zehnjähriger Bunds von unter 0,3 Prozent sehe die Bank aber keinen Sinn darin, auf die Bund-Rally aufzuspringen. "Vielmehr erwarten wir nach der Abstimmung über den Brexit-Vertrag und vor dem EZB-Treffen eher, dass die Rally ausläuft."

Am kommenden Donnerstag treffe sich die EZB. Es werde fest davon ausgegangen, dass der EZB-Rat formal beschließen werde, die Anleihekäufe zum Jahresende einzustellen. Für die US-Notenbank, die am 19. Dezember zusammenkomme, rechne man am Markt fest mit einer weiteren Zinserhöhung, der vierten in diesem Jahr. Zuletzt hätten sich aber die Stimmen gemehrt, dass danach eine Pause eingelegt werde.

Die am kommenden Dienstag anstehende Abstimmung im britischen Parlament über den Brexit-Vertrag sorge für viel Nervosität. "Wahrscheinlich werden die Abgeordneten den Deal ablehnen", erkläre Peter Dixon von der Commerzbank. Doch selbst dann spreche vieles gegen einen harten Brexit. Das stärkste Argument sei, dass sowohl die EU als auch die britische Regierung hieran kein Interesse hätten. "Zwar setzt dies ein Maß von Rationalität voraus, das bei den Brexit-Diskussionen nicht immer zu beobachten war. Die wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit wären aber so negativ, dass die Politiker dieses Risiko wohl kaum eingehen werden."

In Italien würden sich Spekulationen über einen Rücktritt von Finanzminister Giovanni Tria mehren, der dies aber habe dementieren lassen. Am Donnerstagabend habe sich der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio jedoch abermals optimistisch gezeigt, mit der Europäischen Kommission eine Lösung für das Thema Haushalt zu finden. Die Rendite italienischer Staatsanleihen, die zuletzt zurückgegangen sei, sei am 7. Dezember wieder angestiegen.

Auch im Unternehmensanleihebereich würden sich viele Anleger von riskanteren Papieren trennen, also High Yield-Anleihen, Hybridanleihen oder nicht gerateten Papieren. "Die heftigen Kursbewegungen sind zum einen Folge der Unsicherheit am Markt, zum anderen aber auch auf die geringere Liquidität zum Jahresende zurückzuführen", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. Wie Daniel melde, stehe auf den Verkaufslisten zum Beispiel eine bis 2021 laufende Anleihe (ISIN DE000A2DADR6 / WKN A2DADR) von Sixt Leasing mit Kupon von 1,125 Prozent und ohne Rating. Gegen den Trend gekauft würden hingegen Bonds von STADA und UBM Development.

Die Nachricht, dass DIC Asset den von ihr gehaltenen 14-prozentigen Anteil an TLG Immobilien verkaufe, führe laut Daniel zu Käufen der im Oktober emittierten DIC-Anleihe. Nochmals nach unten gegangen sei es hingegen für Thomas Cook-Bonds, wie Daniel und Petz melden würden. Das bis Juni 2022 laufende Papier (ISIN XS1531306717 / WKN A1895A) des britischen Touristikunternehmens mit einem Kupon von 6,25 Prozent, das Anfang November noch bei über 100 Prozent notiert habe, koste aktuell nur noch 72,75 Prozent (07.12.2018). "Hintergrund sind schlechte Zahlen sowie eine Rating-Herabstufung", bemerke Daniel. Bis auf 70 Prozent sei die bis 2023 laufende Anleihe mit Kupon von 3,875 Prozent gefallen. "Das hängt wohl auch mit dem Brexit zusammen", bemerke Petz.

Gesucht bleiben würden Petz zufolge Unternehmensanleihen in US-Dollar. "Bei bekanntem Namen und einem interessanten Kupon wird gekauft." Als Beispiel nenne der Händler eine auf US-Dollar lautende Anleihe (ISIN USU26054KF95 / WKN A2RU75) von Dow Chemical, die 2025 fällig werde und 4,55 Prozent biete und die außerdem auch noch die kleinanlegerfreundliche Stückelung von 2.000 US-Dollar aufweise. "Wenn man das mit den neuen SAP-Anleihen vergleicht, kann man das verstehen." Die neuen Euro-Anleihen von SAP, insgesamt seien es fünf, würden zum Beispiel bei einer Laufzeit bis 2022 einen Kupon von 0,25 Prozent (ISIN DE000A2TSTD0 / WKN A2TSTD) und bei einer Laufzeit bis 2031 1,625 Prozent offerieren. "Dabei liegt das SAP-Rating mit A nur etwas über dem von Dow Chemical mit BBB." (Ausgabe vom 07.12.2018) (10.12.2018/alc/a/a)





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