Anleihen-Handel: Zinstiefs in Europa, steigende Zinsen in den USA


18.01.21 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wegen der anhaltenden Unsicherheiten an den Märkten bleiben Bundesanleihen gesucht, so die Deutsche Börse AG.

"Für Unterstützung sorgen die weltweit hohen Corona-Neuinfektionen, mögliche Lockdown-Verlängerungen oder Verschärfungen, die Regierungskrise in Italien und Sorgen vor Ausschreitungen bei der Amtseinführung von Joe Biden", fasse es die Helaba zusammen.

Italienische Staatsanleihen seien wegen der Regierungskrise unter Abgabedruck geraten, die Rendite-Aufschläge gegenüber Bundesanleihen hätten sich erhöht. Grund für die Krise sei der Streit über die Verwendung europäischer Corona-Hilfsmittel. "Die aktuelle Regierungskrise dürfte die Risikoaufschläge aber wohl kaum nachhaltig steigen lassen", meine Cem Keltek von der Commerzbank. Denkbar sei das allenfalls bei Neuwahlen, und daran sei keine der Regierungsparteien interessiert. "Darum gehen wir weiter davon aus, dass sich die Risikoaufschläge italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen weiter einengen werden."

Ohnehin sei der Renditeanstieg nicht mit vorherigen Krisen zu vergleichen: Mit aktuell 0,66 Prozent für zehnjährige Papiere lägen die Renditen immer noch deutlich unter dem Stand vom April 2020 bei 1,78 und bei über 3 Prozent 2018 (15.01.2021).

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen pendle seit Monaten um minus 0,55 Prozent, am Freitagmorgen seien es minus 0,56 Prozent gewesen. In den USA seien die Zinsen hingegen deutlich gestiegen: Zehnjährige US-Treasuries würden mittlerweile wieder 1,11 Prozent abwerfen, eine Verdoppelung gegenüber dem August.

Neben steigenden Wachstums- und Inflationserwartungen seien Grund für den starken Anstieg Spekulationen, dass die FED wegen des starken Impulses durch eine künftig von Demokraten bestimmten Finanzpolitik ihre Wertpapierkäufe früher herunterfahren könnte. "Hiermit ist zwar laut mehreren FED-Mitgliedern vorerst nicht zu rechnen", bemerke Keltek. "Trotzdem erwarten wir mittelfristig höhere US-Renditen von bis zu 1,5 Prozent bei zehnjährigen US-Treasuries."

Nach der Weihnachtspause habe sich die Nachfrage nach Unternehmensanleihen diese Woche wieder belebt, wie Arthur Brunner von der ICF Bank feststelle. "Das gilt vor allem für die zweite Reihe, Investment Grade-Anleihen bieten ja kaum noch Rendite." Er melde eine gute Nachfrage nach Anleihen (ISIN DE000A13SHL2 / WKN A13SHL) von SeniVita Social Estate, Ferratum Capital Germany (ISIN SE0012453835 / WKN A2TSDS, ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) und SGL TransGroup International (ISIN SE0013101219 / WKN A2R9NL).

"Trüffelschweine sind unterwegs", beschreibe es Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Gekauft würden zum Beispiel Papiere (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) von FCR Immobilien, die aktuell mit 5,38 Prozent rentieren würden, solche von Ecosem-Agrar mit 7,5 Prozent (ISIN DE000A2YNR08 / WKN A2YNR0) und ForestFinance Capital mit 5,1 Prozent. Anleger hätten auch Kaufinteresse an der Anleihe (ISIN DE000A2GSG24 / WKN A2GSG2) der IKB Deutsche Industriebank AG gezeigt. "Die hat von Moody's und Fitch gerade ein Investment Grade-Rating bekommen." Zugegriffen werde auch bei Bonds (DE0008592759/ WKN 859275) von IKB Funding Trust.

Für Papiere (ISIN DE000A254UR5 / WKN A254UR) der Karlsberg Brauerei melde der Händler Käufe und Verkäufe gleichermaßen. Die Anleihe biete bei einem Kurs von 106 Prozent eine Rendite von 2,86 Prozent. "Das ist im Moment ja schon viel", bemerke Daniel.

Gute Nachfrage verzeichne aber auch eine neue Anleihe (ISIN EU000A1G0EM3 / WKN A1G0EM) des im Rahmen der Eurokrise entstandenen European Financial Stability Facility EFSF, wie Brunner melde. Diese laufe bis 2052 und biete einen Kupon von 0,05 Prozent, die Stückelung betrage 1.000 Euro.

Brunner kündige zudem eine neue Anleihe (ISIN DE000A289YC5 / WKN A289YC) des Immobilienentwickler Pandion an, die ab dem kommenden Freitag gezeichnet werden könne. Das Papier laufe fünf Jahre, der Zinssatz liege bei 5,5 Prozent, die Stückelung bei 1.000 Euro. Die Erlöse der Emission würden zum größten Teil der weiteren Finanzierung von Grundstücksankäufen und Projektentwicklungen dienen. (Ausgabe vom 15.01.2021) (18.01.2021/alc/a/a)
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