Anleihen-Handel: Zinsanstieg in den USA - Kaum Bewegung in Europa


12.04.21 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Europäische und US-amerikanische Renditen laufen immer mehr auseinander, so die Deutsche Börse AG.

"Die bislang erfolgreiche US-Impfstrategie stellt ein kräftiges Wirtschaftswachstum bereits für dieses Jahr in Aussicht", erkläre Analystin Claudia Windt von der Helaba. Hinzu komme die Antriebswirkung der gigantischen US-Konjunkturpakete. "Konsequenterweise setzen dem US-Rentenmarkt Inflationssorgen zu."

Seit Jahresbeginn seien die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen um über 0,80 Prozentpunkte gestiegen. In der Spitze Ende März habe die Rendite bei 1,77 Prozent gelegen. Aktuell sei etwas Ruhe eingekehrt, am Freitagmorgen seien es 1,67 Prozent gewesen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hänge hingegen unter minus 0,3 Prozent fest, am Freitagmorgen seien minus 0,31 Prozent gewesen.

Die EZB müsse laut Cem Keltek von der Commerzbank für niedrige Renditen derzeit gar nicht viel tun: "Obwohl die EZB vor einigen Wochen "signifikant höheres Kaufvolumen" angekündigt hatte, ist hiervon in den Daten bisher nichts zu sehen", erkläre der Analyst. Offensichtlich sehe die EZB angesichts rekordtiefer Realrenditen, neuer Höchststände an den Aktienmärkten und anstehender beträchtlicher Rückflüsse aus auslaufenden Staatsanleihen derzeit keinen Anlass, tatsächlich deutlich mehr Anleihen zu kaufen.

"Der Euroraum fällt in der Pandemiebekämpfung zurück", bemerke Windt mit Blick auf die auseinander laufenden Renditen. In den vier großen Euroländern Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sei nicht nur das Wachstum in der Krise im Vergleich zu den USA deutlicher eingebrochen, auch die Erholung verlaufe schleppender. Hinzu komme, dass die europäischen Konjunkturpakete kleiner ausfielen als die der USA und es an deren Umsetzung hapere. "Zumindest temporär spricht dies für Euro-Renten als sicherer Anlagehafen, was das Zinsniveau tendenziell dämpfen sollte."

Anleger würden daher überall zugreifen, wo es noch ein bisschen Zinsen gebe: So seien in der letzten Woche neue italienische und portugiesische Staatsanleihen sehr gut angekommen. Italien habe sich 12 Milliarden Euro am Kapitalmarkt geholt, einmal als Aufstockung der bis 2028 laufenden Anleihe, zum anderen über eine neue Anleihe mit Laufzeit von 50 Jahren, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichte. "Die Nachfrage war enorm." Die Anleihe mit Laufzeit von 50 Jahren habe einen Kupon von 2,15 Prozent.

Ruhig zugegangen sei es in der Nachosterwoche im Handel mit Unternehmensanleihen. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von Käufen der Anleihe (ISIN XS1064049767 / WKN A11QFG) der Württembergischen Lebensversicherung mit Kupon von 5,25 Prozent und Laufzeit bis 2044. Käufe und Verkäufe melde er hingegen für Papiere von Ecosem-Agrar mit 7,5 Prozent bis 2024und Agri Resources Group (ISIN DE000A287088 / WKN A28708) mit 8 Prozent bis 2026.

Brunner melde eine rege Nachfrage für Papiere (ISIN NO0010872864 / WKN A254QY) der Beteiligungsgesellschaft Mutares nach guten Geschäftszahlen und des Finanzdienstleisters Ferratum Capital Germany. Deutlich erholt hätten sich die Kurse der Bonds (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ, ISIN DE000A289PZ4 / WKN A289PZ) des Gewerbeimmobilienunternehmens Imaxx Real Estate.

Neues habe es letzte Woche unter anderem von The Social Chain gegeben: Das Marketingunternehmen habe eine frische Wandelanleihe gebracht. "Die kam zu 100 Prozent und wird jetzt schon zu 102,99 Prozent gehandelt", erkläre Brunner. Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von einer neuen KMU-Anleihe (ISIN DE000A3H2UH3 / WKN A3H2UH) des Beleuchtungsspezialisten Deutsche Lichtmiete. Die laufe bis 2027 bei einem Kupon von 5,25 Prozent. Emittiert worden sei die Anleihe schon im Februar, das Listing sei aber erst jetzt erfolgt. (Ausgabe vom 09.04.2021) (12.04.2021/alc/a/a)





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