Anleihen-Handel: Unübersichtliche Gemengelage


26.06.17 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am 23. Juni vor einem Jahr entschieden sich die Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union, so die Deutsche Börse AG.

Die in der letzten Woche begonnenen Austrittsverhandlungen mit einer geschwächten Regierung um Premierministerin Theresa May seien mit vielen Fragezeichen behaftet. Das mögen die Kapitalmärkte bekanntermaßen nicht besonders, wie Klaus Stopp von der Baader Bank bemerkt, so die Deutsche Börse AG.

Der Ausgang der Gespräche sowie die Auswirkungen der Scheidung auf die britische Wirtschaft seien offen. Gegenwärtig halte das Lohnwachstum mit der steigenden Inflation laut Bank of England nicht Schritt. Dadurch sinke das real verfügbare Einkommen der Bürger im Königreich. Analysten zufolge sei dies einer der Gründe für das überraschend uneinheitliche Abstimmungsergebnis von fünf zu eins für die Beibehaltung der aktuellen Zinspolitik. Mit Andy Haladane habe sich am 22. Juni ein weiteres Mitglied des Markets Policy Committee im Rahmen einer öffentlichen Rede für eine Zinserhöhung ausgesprochen. Der Chefvolkswirt der Britischen Zentralbank plädiere für eine Anhebung im zweiten Halbjahr 2017. Einen Tag zuvor habe Notenbankchef Mark Carney noch betont, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für einen Zinsschritt sei.

Die teils hektischen Ausschläge beim hiesigen Rentenbarometer Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) innerhalb einer Bandbreite von 164,13 und 164,44 Prozent spiegelten die zuweilen widersprüchlichen Aussagen von Notenbankern rund um den Globus wider, die nach abgeschlossener Sitzungsperiode nicht müde würden, auf ihre Sicht der Geldpolitik hinzuweisen, so die Deutsche Börse AG. Aktuell notiert das hiesige Rentenbarometer knapp unter 65 Prozent, so die Deutsche Börse AG. "Hatte man anfangs nach der Federal Reserve-Sitzung noch den Eindruck, dass alles im Markt eingepreist war, so war das nur der Startschuss für ein Hin und Her", meine Stopp. Ein klarer Trend sehe anders aus.

Den Rentenhandel beschreibe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank als eher beschaulich. Nachdem sich Argentinien in der vergangenen Woche erfolgreich am Kapitalmarkt refinanziert habe, käme der in US-Dollar geführte Wert (ISIN USP04808AN44 / WKN A19J68) mit einer Laufzeit von 100 Jahren und einem Kupon von 7,125 Prozent bei Anlegern erstaunlich gut an. "In der Vergangenheit haben sich Investoren mit argentinischen Staatspapieren schon mal die Finger verbrannt." Der argentinische Staat ging Handelsblatt-Berechnungen zufolge in den vergangenen 200 Jahren acht Mal pleite.

Aktuell notiere der 2,75 Milliarden Euro schwere Bond mit einer Stückelung von 1.000 US-Dollar um 92 Prozent (Stand: 23.06.2017). Die Ausgabe sei zu einem Preis von 90 Prozent erfolgt.

Kurz vor den Sommerferien seien einige Unternehmen am Bondmarkt aktiv geworden. Frisches Kapital in Höhe von insgesamt 2,3 Milliarden Euro hätten Anleger laut Stopp der British Telecommunications via drei Bonds (ISIN XS1637332856 / WKN A19KH3, ISIN XS1637334803 / WKN A19KH4, ISIN XS1637333748 / WKN A19KH5) mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren und jährlichen Verzinsungen von 0,5, 1,0 und 1,5 Prozent anvertraut.

Ebenfalls drei neue Anleihen habe CTE begeben und damit 3 Milliarden Euro einsammeln können. Für einen im September 2024 fälligen Wert zahle die Tochtergesellschaft des Energieversorgers EDF einen Kupon von 0,875 Prozent, für einen im Juli 2028 zur Rückzahlung anstehenden Bond hätten Anleger jährlich 1,5 Prozent Zinsen erhalten. Auf 2,125 Prozent kämen Gläubiger eines im Juli 2032 fälligen Wertes. Über eine so genannte Make Whole Option hätten sich beide Unternehmen das Recht einer vorzeitigen Rückzahlung gesichert.

Die Ankündigung von SANHA, eine im Juni 2018 fällige Anleihe (ISIN DE000A1TNA70 / WKN A1TNA7) mit aktuell jährlichen Zinsen in Höhe von 7,75 Prozent zu neuen Konditionen verlängern zu wollen, habe nach Beobachtung von Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank für Verkaufsdruck gesorgt. "Der Bond im Volumen von 37 Millionen Euro sank zwischenzeitlich auf 61 Prozent, konnte im Laufe der Woche aber einen Teil der Verluste wieder gut machen." Der Hersteller für Rohrleitungssysteme und Verbindungsstücke für den Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbereich beabsichtige eine Laufzeit bis Juni 2023 samt einem reduzierten Kupon von 5,5 Prozent ab 4. Juni 2018. Zudem sehe der Vorschlag eine jährliche Tilgung in Höhe von 10 Prozent des Nominalbetrags vor. Anleger könnten vom 25. bis 31. Juli anlässlich einer virtuellen Gläubigerversammlung dazu ihre Stimme abgeben. (Ausgabe vom 23.06.2017) (26.06.2017/alc/a/a)