Anleihen-Handel: Türkei-Krise drückt auf Bund-Renditen


13.08.18 11:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Lage in der Türkei spitzt sich immer weiter zu, die Nervosität an den Märkten steigt, so die Deutsche Börse AG.

Befürchtet würden nun Auswirkungen auf europäischen Banken. "Die Financial Times" berichtet, dass die EZB wegen der Geschäftsbeziehungen einiger Eurozonen-Banken besorgt ist, konkret der BBVA, UniCredit und BNP Paribas", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Sichere Staatsanleihen seien daher gefragt: So habe der Euro-Bund-Future am Freitagmorgen bei 163,09 nach 161,88 Punkten vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden wieder nur mit 0,34 Prozent nach 0,42 Prozent 3. August rentieren.

Die Türkische Lira sei auf neue Tiefs gefallen. Nach der Änderung des Notenbankgesetzes in der Türkei zweifle der Markt an der Unabhängigkeit der Zentralbanker, gleichzeitig ziehe die Inflation an, die Sorgen um die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits würden steigen.

Türkische Anleihen bzw. solche in Türkischen Lira seien unter Druck. "Wir konnten Freitagmorgen Verkaufsaufträge für türkische Staatsanleihen in Euro oder auch BBVA-Anleihen wegen fehlender Käufer nicht umsetzen", erkläre Daniel. Mittlerweile habe sich die Lage aber etwas beruhigt. Auch Papiere solider Schuldner wie KfW oder EIB in Türkischen Lira hätten stark an Wert verloren: So notiere eine bis 2020 laufende KfW-Anleihe (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) in Lira mit Kupon von 9,25 Prozent aktuell nur noch bei 81,7 Prozent, was einer Rendite von 22,82 Prozent entspreche. Arthur Brunner von der ICF Bank habe in der letzten Woche aber durchaus auch Käufe in türkischen Anleihen beobachtet. "So mancher setzt auf eine Gegenbewegung."

Eine Krise für die Eurozone sehe Carsten Hesse von der Berenberg Bank ohnehin nicht: So seien die deutschen Banken von der Türkei-Krise weniger betroffen als die Banken Spaniens, Frankreichs und Italiens. "Und alles in allem scheint die Belastung des Bankensystems der Eurozone zu gering zu sein, um eine größere Krise auszulösen", habe Hesse in einem Marktkommentar erklärt.

In den USA sei eine rekordhohe Emission von zehnjährigen Treasuries im Volumen von 27 Milliarden US-Dollar gut angekommen, wie Brunner beobachtet habe. "Das ist wohl den Unsicherheiten am Markt geschuldet, der die Nachfrage nach sicheren Häfen anschiebt."

Ein weiterer Unruheherd sei Italien. "Für Anleger dürften die nächsten Wochen mit Blick auf Italien turbulent werden", kommentiere Marco Wagner von der Commerzbank. Denn bei der laufenden Haushaltsplanung für 2019 werde sich zeigen, inwieweit die Regierungsparteien an ihren teuren Wahlversprechen festhalten würden und wie stark das Haushaltsdefizit steigen werde. "Dabei drohen beträchtliche Konflikte innerhalb der Regierung und mit der EU, was die Märkte in Unruhe versetzen könnte."

Im Anleihehandel sei Italien aber letzte Woche nicht das große Thema gewesen. "Man hält im Moment die Füße still", meine Brunner. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen habe am Freitagmittag bei 2,9 Prozent gelegen und damit in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Ende Mai bzw. Anfang Juni seien es zwischenzeitlich über 3 Prozent gewesen.

Im Corporates-Bereich sei Brunner zufolge die Hybridanleihe (ISIN XS1785474294 / WKN A19W3Z) von UBM Development mit Zins von 5,5 Prozent weiter gut nachgefragt gewesen. Käufe habe der Händler auch in einer im Juli emittierten HOCHTIEF-Anleihe mit Laufzeit bis 2015 und Kupon von 1,75 Prozent beobachtet sowie einem Papier (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) von Ferratum Capital Germany mit Laufzeit bis 2022 und Kupon von 5,5 Prozent.

Die deutschen Autobauer hätten sich in der letzten Woche frisches Geld am Markt geholt. Daniel berichte von einer neuen BMW-Anleihe mit Laufzeit bis August 2028 und Kupon von 3,95 Prozent in US-Dollar. Die Stückelung liege bei 2.000 US-Dollar.

Außerdem sei Volkswagen Leasing mit drei Tranchen auf den Markt gekommen, wie Rainer Petz von Oddo Seydler erkläre: Die erste (ISIN XS1865186594 / WKN A2GSFR) biete 0,25 Prozent und laufe bis 2021, die zweite (ISIN XS1865186321 / WKN A2GSFS) 1 Prozent bis 2023 und die dritte (ISIN XS1865186677 / WKN A2GSFT) 1,625 Prozent bis 2025. Mindestanlagebetrag seien 1.000 Euro. "Es geht einiges um in der längeren Laufzeit", meine Petz. "Ab 1,5 Prozent wird es für Privatanleger offenbar interessant." Auch Brunner zufolge sei die Nachfrage gut. (Ausgabe vom 10.08.2018) (13.08.2018/alc/a/a)





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