Anleihen-Handel: Steigende Risikofreude


11.11.19 11:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Raus aus als sicher geltenden Anleihen, rein ins Risiko - so beschreibt Arthur Brunner von der ICF Bank die derzeitige Gemengelage im Handel mit Rentenwerten, berichtet die Deutsche Börse AG.

Die Aussagen der chinesischen Regierung hinsichtlich einer Verständigung mit den USA über die schrittweise Zurückführung der Sonderzölle sorgten für Erleichterung an den Finanzmärkten. Eine sich laut Peking abzeichnende Verzögerung des Teilabkommens im US-chinesischen Zollstreit nähmen Anleger eher gelassen zur Kenntnis. Das gelte auch für nach unten korrigierte Wachstumsprognosen der EU-Kommission und eine rückläufige deutsche Industrieproduktion.

Im Zuge der höheren Risikobereitschaft trennten sich Investoren von Anleihen bonitätsstarker Länder. "Erstmals seit langem bewegt sich mit 0,02 Prozent die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen wieder im positiven Bereich", stelle Brunner fest. Abwärts gehe es auch mit Bundesanleihen. Seit Beginn der letzten Woche habe der Euro-Bund-Future von 171,47 auf 169,59 Punkte Prozent deutlich an Gewicht verloren. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege mit 0,26 Prozent immer noch Minus.

"High Yield Corporate Bonds und Hybrid Anleihen sind gefragt", registriere Brunner. Beispielhaft nenne der Händler das Interesse an einer neuen, 750 Millionen Euro schweren Nachrang-Anleihe der Landesbank Baden-Württemberg mit einem Kupon 4,0 Prozent.

Gut an käme auch eine Neuemission (ISIN SE0013101219 / WKN A2R9NL) der SGL TransGroup International mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 6,75 Prozent. Nutze das Unternehmen eine Kündigungsoption zum 4. Mai 2022, betrage die Rückzahlung 103,375 Prozent.

Ebenso werde ein Wert (ISIN DE000A2R4KF3 / WKN A2R4KF) der Media and Games Invest mit einem jährlichen Zins von 7 Prozent von ICF-Kunden rege gekauft.

Zulauf würden Brunner zufolge auch Bonds der Automobilindustrie erhalten. Unter anderem deckten sich Anleger mit einer Volkswagen-Hybridanleihe ohne Laufzeitbegrenzung ein, die nominal 4,625 Prozent Zinsen pro Jahr bringe. Neben der gefühlten Entspannung im Zollstreit kämen die positiven Zahlen zum dritten Quartal und die damit verbundenen Aktiengewinne ins Spiel.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spreche von Kaufnachfrage nach einem im Oktober 2026 fälligen Volkswagen-Wert mit einer jährlichen, nominalen Verzinsung von 2,25 Prozent.

Eine neue Anleihe (ISIN AT0000A2AX04 / WKN A2R9CX) der österreichischen UBM Development mit Laufzeit bis 2025 und einem Kupon von 2,75 Prozent werde Daniel zufolge ebenfalls gut angenommen. Mittlerweile notiere der Wert um 103,5 Prozent. "Auf diesem Niveau lässt das Interesse etwas nach."

Bis zu 60 Millionen Euro habe Semper idem Underberg (ISIN DE000A2YPAJ3 / WKN A2YPAJ) über den Kapitalmarkt aufzunehmen wollen und Anlegern dafür einen Kupon zwischen 4 und 4,25 Prozent geboten, wie Daniel melde. Inzwischen sei der Kupon auf 4 Prozent festgelegt. Wegen der hohen Nachfrage schließe die Zeichnung am Montag um 8 Uhr.

Weil eine mit 5,25 Prozent verzinste fünfjährige Neuemission (ISIN DE000A2YN3Q8 / WKN A2YN3Q) der Deutschen Rohstoff mit einem Umtauschangebot einhergehe, sei ein bestehender Bond (ISIN DE000A2AA055 / WKN A2AA05) des Unternehmens derzeit vom Handel ausgesetzt, wie Brunner anmerke. Besitzer des 2021 fälligen Papiers könnten dieses während der Zeichnungsfrist vom 11. bis voraussichtlich 29. November im Verhältnis eins zu eins tauschen. Zusätzlich würden sie laut Deutsche Rohstoff eine Barzahlung in Höhe von 20 Euro pro 1.000 Euro nominal erhalten. (Ausgabe vom 08.11.2019) (11.11.2019/alc/a/a)





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