Anleihen-Handel: "So kann es gemütlich in die Sommerpause gehen"


24.07.17 11:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung prägte in der letzten Woche nicht nur den Anleihehandel, sondern auch die anderen Märkte, so die Deutsche Börse AG.

Bei den Renten würden Händler von großer Zurückhaltung im Vorfeld und entsprechend niedrigen Umsätzen berichten. Letztendlich habe die EZB die Leitzinsen, das Ankaufprogramm und den Ausblick unverändert gelassen.

"Kunst des Eierlaufens" nenne Klaus Stopp von der Baader Bank das Vorgehen Draghis. Arthur Brunner, Anleihen-Spezialist auf dem Parkett für die ICF Bank fasse zusammen, dass es dem Notenbank-Chef gelungen sei, "beide Seiten zu bedienen". Zum einen habe er die Angst vor Renditesteigerung aus dem Markt genommen, was dem Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) nütze, anderseits nütze die Andeutung, im Herbst eine Entscheidung bezüglich des Ankaufprogramms treffen zu wollen, dem Euro. Der Händler erinnere an die Juni-Ansprache in Sintra, bei der Draghis Bemerkung, eher auf inflationäre statt deflationäre Tendenzen zu schauen, die Märkte anhaltend verunsichert habe. "So kann es jetzt gemütlich in die Sommerpause gehen."

Brunner berichte, dass im Vorfeld der EZB-Sitzung die Stimmung sehr schlecht gewesen sei, "vereinzelt war von einem möglichen Renten-Crash die Rede". Aber wie häufig laufe der Markt schlechter Stimmung entgegen. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seien bis Freitagmittag auf 0,506 Prozent gefallen, von 0,65 Prozent im Hoch letzter Woche. Auch die Renditen von Anleihen der europäischen Peripherie, aus Spanien, Italien und Portugal, hätten nach der Sitzung am Donnerstag deutlich nachgegeben.

Der Bund-Future als Barometer der langfristigen Zinserwartungen habe sich in der vergangenen Woche gut entwickelt und stehe bei 162,39 Prozent in der Spitze. Der Euro habe ein neues Hoch in diesem Zyklus bei 1,16 US-Dollar erreicht, dem Marktkonsens zufolge bleibe der Ausblick für die Gemeinschaftswährung positiv.

Nicht nur die Handels-, auch die Emissionstätigkeiten seien in der letzter Woche schwach gewesen. Brunner resümiere: "Kaum Neuemissionen und im Bereich der 1.000 Stückelung so gut wie gar nichts". Stopp erwähne einige Neuemissionen des US-amerikanischen Laborausrüsters Thermo Fisher Scientific, der Eurofins Scientific und des Einrichtungsspezialisten Steinhoff Europe, die die Gunst der Stunde genutzt und sich erfolgreich am Kapitalmarkt refinanziert hätten. Allerdings hätten alle Emissionen eine Stückelung von 100.000 Euro vorgewiesen.

Nachfrage melde die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank in einer neuen Anleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) von Hapag-Lloyd mit einer Verzinsung von 5,125 Prozent und Laufzeit bis 2024. Ebenfalls gefragt sei eine US-Dollar-Anleihe (ISIN US251525AT85 / WKN A2GSC3) der Deutschen Bank, deren Kupon auf 2,7 Prozent laute und die bis 2020 laufe.

Wenig überraschend sei im Zuge der Übernahmeversuche das Interesse an Papieren (ISIN XS1213831362 / WKN A14KJP) von STADA, zum Beispiel an einer Anleihe, die bis 2014 jährlich 1,75 Prozent ausschütte.

Insbesondere kämen nach Angaben der Händlerin dagegen Venezuela-Bonds unter Druck, insgesamt sei es aber ruhig in der letzten Woche gewesen.

Stopp fasse zusammen, dass Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt hätten. "Favorisiert wurden Fremdwährungsanleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie US-Dollar." (Ausgabe vom 21.07.2017) (24.07.2017/alc/a/a)