Anleihen-Handel: Sicherheitsbedürfnis wächst


25.05.20 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit der tendenziellen Entspannung rund um Corona rückt das Kräftemessen zwischen den USA und China wieder stärker in den Fokus, so die Deutsche Börse AG.

Neben dem Handelskonflikt scheinen Anleger ein vom US-Senat verabschiedetes Gesetz als potenziellen Störfaktor zu bewerten, so die Deutsche Börse AG. Künftig könnten demnach an US-Börsen notierte Gesellschaften vom Listing ausgeschlossen werden, sofern sie von einer ausländischen Regierung gesteuert würden. Zur Feststellung des Sachverhalts sehe Washington die Zulassung von US-Wirtschaftsprüfern vor. Zudem mische sich Donald Trump verbal in ein chinesisches Gesetzesvorhaben für Hongkong ein.

"Die geopolitischen Spannungen sind im Rentenhandelt spürbar", fasse Arthur Brunner von der ICF Bank zusammen. Investoren bevorzugten derzeit Staatsanleihen als sicher geltende Häfen. Seit vier Tagen in Folge seien die Kurse von US-Treasuries gestiegen. Bundesanleihen kämen ebenfalls gut an. Der Euro-Bund-Future als Barometer für die künftigen Zinserwartungen habe seit Dienstag von 172,29 auf 173,43 Prozent zugelegt.

Besitzer von US-High Yields müssten sich übrigens laut Fitch auf weiter steigende Ausfälle einstellen. Nach 4,2 Prozent im April rechne die US-Ratingagentur für Mai mit Ausfällen von 5,0 bis 5,5 Prozent des insgesamt 1,31 Billionen US-Dollar schweren Markts für Hochzinsanleihen. Derart hohe Raten habe es zuletzt im Jahr 2010 gegeben. Allein im Energiesektor schätze Fitch den Schaden für das Gesamtjahr auf 33 Milliarden US-Dollar.

Neuemissionen - unter anderem von Ferrari, AT&T und Continental - habe es in der letzten Woche einige gegeben. Über zwei neue Bonds, jeweils in Stückelungen von 1.000 Euro, habe auch Fresenius Medical insgesamt 1,25 Milliarden Euro erfolgreich von Anlegern eingesammelt, wie Brunner informiere. Für ein fünfjähriges Papier (ISIN XS2178769076 / WKN A289N2) im Volumen von 500 Millionen Euro zahle der Konzern jährlich 1,0 Prozent Zinsen. Eine 750 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN XS2178769159 / WKN A254R5) des Pharmakonzerns mit einer Laufzeit bis 2032 sei mit einem Kupon von 1,5 Prozent ausgestattet.

Viel Kaufinteresse sehe Beate Mägerle an bestehenden Unternehmensanleihen. Zu den meist gehandelten Werten gehöre eine im Februar 2024 fällige thyssenkrupp-Anleihe mit einem Kupon von 2,875 Prozent. Der Bond habe sich in den vergangenen Tagen von 84 auf 92,5 Prozent erholt. "Anleger scheinen die grundsätzliche Bereitschaft zu einer Partnerschaft im Stahlgeschäft positiv zu bewerten."

Die Erleichterung über die bevorstehende Entscheidung für das staatliche Lufthansa-Rettungspaket mache sich Mägerle zufolge bemerkbar. Untern anderem lande ein mit jährlich 0,25 Prozent verzinster Wert (ISIN XS2049726990 / WKN A2YNV6) der größten deutschen Fluggesellschaft sowie eine bis 2075 laufende Lufthansa-Hybridanleihe mit einem Kupon von 5,125 Prozent in den Depots. "Die Werte legten gestern deutlich zu." Im Raum stünden Hilfen von bis zu neun Milliarden Euro in Form von Krediten und einer Kapitalerhöhung, über die sich die Bundesregierung an dem Konzern beteiligen werde. Die Emission einer Wandelanleihe in Höhe von 5 Prozent der Aktienanteile sei ebenfalls eine Option.

Bonds von voestalpine, UBM Development, VW (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) und Schaeffler seien allesamt überwiegend gekauft worden, wie Mägerle zusammenfasse.

Das gelte auch für eine im Mai 2025 fällige Avis-Anleihe mit einem Kupon von 4,5 Prozent, die im Wochenverlauf von 45 auf 58 Prozent gestiegen sei. Autovermieter steckten durch Corona besonders stark in der Krise, bekämen aber in der Regel keine Staatshilfen. Avis erwarte nach einem extrem schwachen April und Mai zum Sommer hin wieder höhere Vermietungsquoten. Die Liquidität des Unternehmens reiche eigenen Angaben zufolge noch bis Jahresende.

Viele Unternehmensanleihen von mittelständischen Unternehmen würden sich Brunner zufolge nach den Verlusten wieder stabilisieren. Dazu gehöre eine im April 2024 fällige Katjes-Anleihe mit einem Kupon von 4,25 Prozent. Nach dem Tief von gut 80 Prozent im März koste der Bond derzeit um 102 Prozent.

Von 85 rauf auf 102 Prozent sei es mit einer ebenfalls gern gekauften in 2022 fälligen Jacob Stauder-Anleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent gegangen, wie Brunner skizziere. (Ausgabe vom 22.05.2020) (25.05.2020/alc/a/a)





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