Anleihen-Handel: Sicherheitsbedürfnis steigt


13.02.17 10:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Weg von den Trumpschen Tiraden oder zinspolitischen Erwägungen der USA hin zu heimischen politischen Unwägbarkeiten scheint die Devise vieler Anleger in dieser Woche, so die Deutsche Börse AG.

"Hierbei werfen die Wahlen in diversen Eurostaaten, die fehlende Kapitaldecke vieler europäischer Banken, die griechische Tragödie, der Brexit und ein möglicher "Frexit" dunkle Schatten auf die Staatengemeinschaft", fasse Klaus Stopp von der Baader Bank die möglichen Stolpersteine zusammen.

Bundesanleihen als sicherer Hafen seien vor diesem Hintergrund stärker gefragt gewesen, wie Arthur Brunner von der ICF Bank nachvollziehe. Seit dem letzten Montag sei der Euro-Bund-Future von 162 auf rund 164 Prozent gestiegen. "Damit bieten zehnjährige Bundesanleihen gegenwärtig eine Rendite in Höhe von 0,32 Prozent."

Gegenüber gleichlaufenden Bonds anderer europäischer Staaten habe sich der Rendite-Spread teilweise deutlich ausgeweitet. "Mittlerweile normalisierten sich die Risikoaufschläge für italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen aber wieder." Dem gegenüber befänden sich griechische Bonds weiterhin unter Druck. Als Beispiel nenne Brunner zweijährige Staatspapiere aus Athen, die auf einen Ertrag von etwa 9,5 Prozent kämen. "Zwischenzeitlich lag die Rendite über 10 Prozent." Trotz verabschiedeter Schuldenerleichterung durch die Eurostaaten sei die Kuh in Griechenland noch nicht vom Eis. "Die Diskussionen, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) sich weiterhin an den Hilfen beteiligen wird, gehen jetzt in die heiße Phase."

Beide Parteien würden sich im Streit um das dritte Rettungspaket für Athen etwas aufeinander zubewegen, wie Stopp registriere. Der IWF sei zwar nach wie vor der Ansicht, dass sich Griechenland ohne größere Schuldenentlastung aus eigener Kraft nicht wieder berappeln könne. Scheinbar trage die Sturheit von Wolfgang Schäuble aber Früchte. Der Bundesfinanzminister habe die komplette Beendigung der Hilfen ins Spiel gebracht, falls der IWF ganz aussteige. Inzwischen könne sich der Fonds vorstellen, unter bestimmten Voraussetzungen statt 1,5 Prozent einen Überschuss von 3,5 Prozent für eine begrenzte Zeit als nachhaltig zu betrachten. Die jetzige Annäherung werte Stopp als Signal für eine IWF-Beteiligung am dritten Rettungspaket für Griechenland. "Man müsse es nur noch gesichtswahrend formulieren."

Eine Erhöhung der Steuereinnahmen könne helfen. "Noch immer zahlen 60 Prozent der griechischen Haushalte keine Einkommensteuer." Griechenland tue sich immer noch schwer, eine funktionierende Steuerfahndung zu etablieren und das Eintreiben bereits festgestellter Steuerschulden zu optimieren. Hier sähen einige der IWF-Direktoren die Möglichkeit, den höheren Haushaltsüberschuss zu erzielen. Darüber hinaus gehe es darum, faule Kredite bei den Banken massiv zu reduzieren, um wieder mehr Geld an Unternehmen verleihen zu können. Griechenlands Schulden hätten 2016 laut IWF 183 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht. Die Maastricht-Verträge der EU würden 60 Prozent erlauben.

Den Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Brunner als ansehnlich. Reges Interesse verbuche der Händler an einem bis Januar 2034 laufenden Bond (ISIN XS1554373834 / WKN A19B3J) von Fresenius mit einem Kupon von 3,0 Prozent. Mittlerweile koste das im Januar emittierte Papier des Pharmakonzerns 103 Prozent.

Rege in beide Richtungen gehe es mit dem Kurs einer im September fälligen, mit 7,5 Prozent verzinste Travel24.com-Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG). Investoren hätten zunehmend auf eine fristgerechte Rückzahlung gesetzt. Gleichzeitig würden Anleger ihre durchaus ansehnlichen Gewinne glattstreichen, wie Brunner vermute. Nach dem Tief bei 7,2 Prozent im Juli 2016 koste der Wert mittlerweile 75 Prozent.

Die wieder lauter werdende Diskussion rund um die Haltbarkeit der Währungsunion mache Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank mitverantwortlich für den regen Zuspruch für eine in dieser Woche emittierte, in US-Dollar geführte Apple-Anleihe. Die US-Technologieschmiede habe erfolgreich 1,5 Milliarden Euro vom Kapitalmarkt eingesammelt und biete Anlegern bis Februar 2022 jährlich 2,5 Prozent Zinsen.

Der Jahresauftakt für Neuemissionen könne sich sowohl in Europa als auch den USA sehen lassen. "Noch nie zuvor wurden in einem Monat so viele Bonds emittiert wie im Januar 2017", wisse Stopp. Die Statistik komme auf ein Emissionsvolumen von 530,84 Milliarden US-Dollar, was den bisherigen Rekord von 501,59 Milliarden US-Dollar vom Januar 2013 deutlich übertreffe. Der Euroraum erreiche mit neuen Bonds im Volumen von rund 30 Milliarden Euro den zweitstärksten Monat nach 50 Milliarden Euro im Januar 2009. (Ausgabe vom 10.02.2017) (13.02.2017/alc/a/a)





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