Anleihen-Handel: Sicherheit ist gefragt


27.02.17 09:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von den Tiefstständen im Dezember hat sich der Euro-Bund-Future mittlerweile weit entfernt, so die Deutsche Börse AG.

Allein in diesem Monat sei das hiesige Rentenbarometer von 161,85 auf 165,89 Prozent gestiegen. Das entspreche einem Plus von rund 2,5 Prozent. Für Klaus Stopp seien die Bewegungen ein Zeichen der Furcht vor einer erneuten Euro-Finanzkrise. Vor dem Hintergrund ausstehender Lösungen für die in Nöten befindlichen Wackelkandidaten Griechenland, Italien, Lettland, Portugal, Slowenien und Zypern gepaart mit populistischen Tönen aus Frankreich und den Niederlanden seien deutsche Bundesanleihen für viele Anleger wieder das Nonplusultra. "Totgesagte leben länger", beschreibe der Rentenhändler der Baader Bank die aktuelle Situation.

"Mit 0,2 Prozent liegt die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf dem tiefsten Wert in diesem Jahr", ergänze Arthur Brunner von der ICF Bank. Dem gegenüber hätten französische Bonds gleicher Laufzeit in letzter Woche zwischenzeitlich Erträge von rund 1,0 Prozent erreicht. Für Unsicherheit am Markt hätten positive Umfragewerte für Marine Le Pen als mögliche künftige Präsidentin Frankreichs gesorgt. Mittlerweile hätten sich selbst Vertreter seriöser französischer Banken mit einem möglichen Euroaustritt nach einer Machtübernahme Le Pens auseinander gesetzt, wenngleich neueste Erhebungen im zweiten Wahlgang mittlerweile den unabhängigen Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron wieder vorn sähen.

Aus technischer Perspektive würden Analysten der HSBC eine Fortsetzung der konstruktiven Stimmung Richtung 166 Prozent für den deutschen Indikator langfristiger Zinserwartungen erwarten. Mit dem Sprung über das bisherige Jahreshoch von Anfang Januar bei 164,94 Prozent sei ein zusätzlicher Impulsgeber aktiviert worden, sodass die Rentenbullen optimistisch in die neue Woche schauen könnten. "Als nächste Anlaufmarke fungiert nun bereits wieder das ehemalige Allzeithoch von 166,63 Prozent vom Februar 2016, bevor der Weg in Richtung des Rekordstandes von 168,86 Prozent vom Sommer vergangenen Jahres frei ist." Die technischen Indikatoren hätten sich konstruktiv gezeigt und in Form der Stochastik und des MACD sowohl auf Tages- als auch auf Wochenbasis Kaufsignale aufgewiesen.

In der Griechenlanddebatte deute nach langem Hin und Her nun vieles auf einen Kompromiss hin, wie Stopp beobachte. Nach den sehr unterschiedlichen Ansätzen von IWF und den Europäern, hätten sich die Positionen der beiden Geldgeber nun offenbar angenähert. Bei den neuen Maßnahmen werde der Schwerpunkt voraussichtlich weniger auf Sparzwänge als auf Strukturreformen gerichtet sein, um das Wirtschaftswachstum in Hellas nachhaltiger zu gestalten. "Das ist es, was den IWF mit im Boot halten dürfte." Da die Euroländer Schuldenerleichterungen vor Ende des Hilfsprogramms im August 2018 abgelehnt hätten, verlange der IWF von der griechischen Regierung, schon jetzt Sparmaßnahmen gesetzlich zu verankern, welche bei zu niedrigen Überschüssen automatisch in Kraft treten würden. So könne verhindert werden, dass dem Schlendrian in Athen wieder Tür und Tor geöffnet würde, Reformen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Mögliche Nachahmer in der Währungsgemeinschaft würden gleichzeitig abgeschreckt.

Den Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Brunner als aktiv. Anleger hätten beispielsweise häufig zu einer bis 2025 laufenden METRO-Anleihe mit einem Kupon von 1,5 Prozent gegriffen. "Der Wert ist im Februar gut gelaufen."

Das starke Interesse an einer mit jährlich 6,5 Prozent verzinsten Anleihe (ISIN DE000A12UAA8 / WKN A12UAA) der KSW Immobilien mit Fälligkeit im Oktober 2019 sehe Brunner im Zusammenhang mit der angekündigten frühzeitigen Ablösung des Wertpapiers. "Das Unternehmen hat laut Ad hoc-Mitteilung das Leipziger Hotel-Restaurantprojekt Kosmos-Ensemble statt an PATRIZIA Immobilien an einer andere Gesellschaft veräußert und plant demnach zum Ende April dieses Jahres die Rückzahlung", erkläre Brunner. Mittlerweile notiere der Wert bei 102,80 Prozent (24.02.2017).

Die regen Käufe und Verkäufe einer bis 2075 laufenden RWE-Anleihe mit einem Kupon von 3,5 Prozent stünden für Gregor Daniel im Zusammenhang mit den jüngsten Zahlen des hiesigen Versorgers. "Auf Wochensicht liegt der Wert leicht im Minus."

Im Nachgang der Diskussionen über den frühzeitigen Rückkauf einer Nachranganleihe (ISIN XS0202776299 / WKN A0DDXQ) der Danske Bank und einem damit verbundenen deutlichen Sprung nach oben verbuche der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank starken Zuspruch für ähnliche Werte. Etwa stünde ein Bond (ISIN XS0202197694 / WKN A0DDUL) der Santander Bank in der Gunst ebenso weit vorn wie Papiere der Nordea Bank und BPCE. Seit Anfang Februar komme Ersterer beispielsweise auf einen Anstieg von 64 auf gut 75 Prozent, während der Nordea-Bond von 70 auf über 81 Prozent zugelegt habe. "Anleger hoffen bei einer vergleichbaren Entscheidung auf das schnelle Geld", urteile Daniel. (Ausgabe vom 24.02.2017) (27.02.2017/alc/a/a)