Anleihen-Handel: Sichere Bundesanleihen bleiben gefragt


18.02.22 15:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Anleihemärkte schwanken in dieser Woche zwischen geopolitischen Risiken durch den Russland-Ukraine-Konflikt und der Suche nach sicheren Anlagen, so die Deutsche Börse AG.

Zu Wochenbeginn habe die Unsicherheit über eine Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts belastet. Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank FED habe hingegen kaum bewegt. Die US-Notenbank FED stehe vor der ersten Zinsanhebung in der Corona-Pandemie, habe das Sitzungsprotokoll bestätigt.

Zum Wochenende seien die Notierungen wieder gestiegen. Die Renditen der zehnjähriger Bundesanleihen würden positiv mit 0,23 Prozent notieren. Das Hoch im Wochenverlauf habe allerdings bei 0,32 Prozent gelegen. Ihre US-Pendants, die Renditen der zehn-jährigen US-Treasuries, die in der Vorwoche erstmals seit Sommer 2019 wieder über 2 Prozent gestiegen seien, seien wieder unter diese Marke gesunken.

"Die Anleihemärkte sind derzeit Spielball zwischen einer expansiveren Politik der Notenbanken und der Suche nach sicheren Häfen wegen des Russland-Ukraine-Konflikts", kommentiere Arthur Brunner von der ICF Bank. Vor allem zum Wochenende hin habe sich aber die Tendenz zum sicheren Hafen durchgesetzt. Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) notiere deutlich über den Wochentiefs.

"In der aktuellen Lage bleibt die Unsicherheit vorherrschend", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank das zögerliche Geschäft diese Woche. Niemand wolle sich größer positionieren, das Geschäft verlaufe zögerlich. "Die Marktteilnehmer warten, bis der Konflikt in der Ukraine gelöst wird."

"Die FED ist weniger falkenhaft als von den meisten Marktteilnehmern befürchtet", erkläre Tim Oechsner von Steubing. So habe das Protokoll - im Gegensatz zum Protokoll vom Jahresanfang - nicht für Ungemach gesorgt, weil viele Marktteilnehmer mit Blick auf die deutlich gestiegene US-Inflation mittlerweile mit bis zu sieben Zinsschritten in diesem Jahr rechneten. "Fünf Zinsschritte werden als Konsens angesehen", fasse Oechsner zusammen.

Inzwischen dominiere aber der Russland-Ukraine-Konflikt die Schlagzeilen. "Dass sich die Außenminister Russlands und der USA nächste Woche zu Gesprächen treffen wollen, sorgt jetzt wieder für Entspannung."

Grundsätzlich falle nach Einschätzung von Brunner auf, dass sich die Rendite-Abstände zwischen Staats- und Unternehmensanleihen geweitet hätten. Trotzdem bleibe Zurückhaltung gerade bei Neuemissionen spürbar.

"Investoren warten, bis die Zinsschritte vollständig eingepreist sind", pflichte Oechsner bei. Unternehmen hingegen könnten sich jetzt noch gut refinanzieren. Man merke allerdings bereits den Zinsanstieg im Tagesgeschäft.

So brächten Anleihen der VW Financial Services AG mit Kupon 0,125 Prozent und Laufzeit bis 2027 1,3 Prozent Rendite. Dieses Papier werde laut Oechsner bei hohen Umsätzen auf beiden Seiten stark gehandelt. Regen Handel auf Kaufseite mache er auch bei US-Staatspapieren (ISIN US91282CCF68 / WKN A3KRH1) mit 0,75 Prozent Kupon und Laufzeit 2026 aus. Am Freitag würden hier die Notierungen nach volatilem Wochenverlauf steigen.

Der Ekosem-Kurs (ISIN DE000A2YNR08 / WKN A2YNR0) habe zwischen 57,10 und 78,75. Prozent geschwankt. "Eine große Kauforder hat zu Kapriolen geführt. Seitdem diese abgearbeitet ist, fällt der Kurs ohne Gegenwehr", erkläre Daniel die Bewegungen.

Brunner registriere eine gute Nachfrage auf Kaufseite bei Aurelius Equity Opportunities-Papieren (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3), die bis 2024 laufen würden und mit 4,25 Prozent Kupon ausgestattet seien. Eine Hybrid-Anleihe von Volkswagen International Finance erhole sich von den Verlusten. Nachdem sie seit Januar von 110,49 bis auf 105,096 Prozent in der Vorwoche gefallen sei, notiere sie nun bei 106 Prozent. Gekauft werde auch ein Papier (ISIN DE000A289YQ5 / WKN A289YQ) von Greencells bei 99,5 Prozent. Bei der SGL TransGroup werde bei Papieren (ISIN SE0015810759 / WKN A3KN7N) mit Laufzeit 2025 und Kupon 7,5 Prozent zugegriffen, nachdem die Anleihe diese Woche von 225 auf 300 Millionen Euro aufgestockt worden sei.

Brunner habe zugleich auf eine Neuemission verwiesen: Die SUNfarming begebe einen Bond (ISIN DE000A3MQM78 / WKN A3MQM7) mit 5 Prozent Kupon, der ein Volumen bis 15 Millionen haben solle. Das Papier könne vom 21. Februar bis zum 10. März 12 Uhr über die Börse Frankfurt gezeichnet werden. Die zufließenden Mittel wolle das Solar-Unternehmen überwiegend für die Entwicklung von Projekten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein einsetzen. Die neue Anleihe werde voraussichtlich ab 14. März im Open Market gehandelt. (Ausgabe vom 18.02.2022) (18.02.2022/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 177,61 140,80
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