Anleihen-Handel: Der Preisdruck in Deutschland findet wenig Beachtung


02.08.21 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der deutliche Sprung der hiesigen Inflationsrate auf 3,8 Prozent im Vorjahresvergleich hat das Thema wieder stärker in den Fokus gerückt, so die Deutsche Börse AG.

Zehnjährige Bundesanleihen hätten nach der gestrigen Meldung zunächst nachgegeben, im Anschluss verlorenen Boden aber wieder gutgemacht. Seit Beginn der letzten Woche liege der Euro-Bund-Future leicht im Plus. "Damit spiegeln sich die Inflationsängste am Anleihemarkt nicht wider", stelle Rainer Petz von der Oddo BHF fest. Ob Anleger damit richtig lägen, stehe auf einem anderen Blatt.

Unterstützung würden die Rentenmärkte laut ICF Bank-Händler Arthur Brunner von den Zentralbanken erhalten. Nach der EZB bleibe auch die Federal Reserve bei ihrer bisherigen Einschätzung, dass die höhere Inflation lediglich vorübergehende Natur sei.

Im Handel mit Unternehmensanleihen spreche Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank von starken Bewegungen in Ekosem-Papieren. Das betreffe eine mit 7,5 Prozent verzinste Ekosem-Agrar-Anleihe ebenso wie ein im kommenden Jahr zur Rückzahlung anstehender Bond (ISIN DE000A1R0RZ5 / WKN A1R0RZ) mit einem Kupon von 8,5 Prozent. Erstere sei am Dienstag zunächst von über 100 auf 72 Prozent abgestürzt, habe sich zwischenzeitlich auf rund 88 Punkte erholt und notiere derzeit etwas über 77 Punkte. Einen ähnlichen Verlauf habe die zweite Anleihe gesehen. Auf die am 30. Juli veröffentlichten Zahlen für das erste Halbjahr hätten Anleger mit Käufen reagiert. Trotz des schwächeren Russischen Rubels komme die Gesellschaft auf ein Umsatzplus von 12 Prozent auf rund 235 Millionen Euro.

Verunsichert worden seien Anleger von einer Ad hoc-Mitteilung des Unternehmens. Demnach stehe Ekosem-Agrar mit der russischen Landwirtschaftsbank Rosselkhozbank und Sberbank über die mittel- und langfristige Finanzierung der Gruppe in Gesprächen. In dem Zusammenhang werde auch eine vorübergehende Mehrheitsbeteiligung der Landiwrtschaftsbank an den operativen Tochtergesellschaften in Russland ausgelotet.

"Das Ganze ist weit weg und schwer durchschaubar", meine Daniel. In einem Interview begründe Ekosem-Finanzchef Wolfgang Bläsi die Notwenigkeit weiterer Finanzspritzen unter anderem mit dem Ausbau der Milchverarbeitung und der Fertigstellung laufender Projekte. Wünschenswert sei zudem eine höhere Eigenkapitalquote. Ihren Kapitaldienstverpflichtungen könne das Unternehmen Bläsi zufolge aber auch aus eigenen Mitteln nachkommen. Die Ekosem-Zahlen für das erste Halbjahr könnten sich übrigens durchaus sehen lassen.

Gute Umsätze mit einem Kaufüberhang verbuche Daniel in Anleihen des Leasing-Spezialisten GRENKE. Das gelte unter anderem für einen Wert (ISIN XS1527138272 / WKN A189PU) mit einem Kupon von 1,125 Prozent und einen mit 1,0 Prozent verzinsten Bond (ISIN XS1799162588 / WKN A19YH2). Beide würden knapp unter 100 Prozent notieren. "Die Probleme scheinen sich in Wohlgefallen aufgelöst zu haben." Das Enforcement-Verfahren zum Konzernabschluss 2019 betrachte GRENKE als abgeschlossen. Feststellungen der BaFin seien bereits im Konzernabschluss für 2020 berücksichtigt. Daher gebe es keinen weiteren Anpassungsbedarf. Für das laufende Geschäftsjahr stelle das Unternehmen basierend auf ein anhaltend stabiles Zahlungsverhalten der Kunden einen Gewinn von 60 bis 80 Millionen Euro in Aussicht. Das Leasing-Neugeschäft werde pandemiebedingt voraussichtlich zwischen 1,7 und 2 Milliarden Euro liegen.

Das rege Kaufinteresse an einer mit jährlich 4,0 Prozent verzinsten, nachrangigen Otto-Anleihe führe Daniel auch auf einen vorzeitig abgelösten Bond des Traditionsunternehmens zurück. Investoren hätten dazu tendiert, bekannten Schuldnern treu zu bleiben und die freiwerdenden Mittel dort wieder zu reinvestieren. Der Wert notiere aktuell über 108 Punkte.

Überwiegende Käufe sehe Brunner in einer NORD/LB-Nachranganleihe (ISIN DE000NLB1DD3 / WKN NLB1DD) mit einem Kupon von 3,5 Prozent. Die Kurse hätten seit Montag zwischen 106 und 108 Prozent geschwankt, aktuell notiere der Wert bei 106,5 Prozent. Abermals in den Depots lande eine Ferratum-Anleihe mit einem Kupon von 5,5 Prozent. Seit Beginn der letzten Woche sei der Kurs von 101,5 auf 102,5 Prozent gestiegen.

Angesichts der eindrucksvollen Preissteigerungen im Sektor sei die Kaufnachfrage nach einer Anleihe (ISIN DE000A2YN3Q8 / WKN A2YN3Q) der Deutsche Rohstoff AG für Brunner nachvollziehbar. Ende Oktober vergangenen Jahres habe der Wert um 85 Punkte notiert, aktuell koste er über 105 Punkte.

Käufe und Verkäufe registriere Brunner für eine mit jährlich 4,5 Prozent verzinste paragon-Anleihe, die im Juli 2022 fällig werde. "Hier geht es sehr volatil zu." Die Kurse hätten in den vergangenen Tagen zwischen 72 und 89 Prozent geschwankt und sich derzeit um 80 Punkte stabilisiert. Mittlerweile lägen die verspäteten Geschäftszahlen für 2020 vor. (Ausgabe vom 30.07.2021) (02.08.2021/alc/a/a)





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