Anleihen-Handel: Negative Nachrichten lasten auf der Stimmung - Sicheres wieder gefragt


14.12.20 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Immer neue Höchststände bei den Corona-Infektionen, immer noch keine Einigung im Brexit-Streit und dann auch noch EZB-Maßnahmen, die hinter den Erwartungen zurückblieben: Anleger sind wieder vorsichtiger geworden, so die Deutsche Börse AG.

Zwar habe die Europäische Zentralbank am letzten Donnerstag das Pandemie-Wertpapier-Kaufprogramm PEPP um 500 Milliarden Euro aufgestockt und um neun Monate verlängert, am Markt sei aber noch mehr erhofft worden. Während in der ersten Reaktion Bundesanleihen deutlich verloren hätten, seien sie kurz danach wieder gefragt gewesen: Die Rendite zehnjähriger Papiere sei zurückgefallen und habe am Freitagmorgen bei minus 0,61 Prozent gelegen. Die Rekordtiefs vom März mit minus 0,91 Prozent würden allerdings in weiter Ferne bleiben.

Auf Allzeittiefs gefallen seien hingegen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aus Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. Einige Anleger würden die hohen Kurse offenbar für Gewinnmitnahmen nutzen: Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von Verkäufen der bis 2026 laufenden Spanien-Anleihe. Deren Rendite liege aktuell bei minus 0,37 Prozent (11.12.2020).

"Die auf der Sitzung beschlossene Aufstockung des PEPP in Kombination mit einer Verlängerung bis März 2022 dürfte längerfristig vor allem Staatsanleihen der Peripherieländer stützen", bemerke Cem Keltek von der Commerzbank. Die Risikoaufschläge sollten also weiter sinken. Und von Bundesanleihen sei renditemäßig vorerst nichts zu erwarten: "Angesichts der unverminderten Fortsetzung der Kaufprogramme über das gesamte nächste Jahr dürften die Renditen von Bundesanleihen deutlich unter null bleiben."

Im Handel mit Unternehmensanleihen gesucht gewesen sei Daniel zufolge die bis 2022 laufende GRENKE Finance-Anleihe mit Kupon von 1,125 Prozent. "S&P hat das BBB+-Rating von GRENKE bestätigt und die Einstufung "CreditWatch negativ" aufgehoben." Nun drohe keine unmittelbare Rating-Herabstufung mehr. GRENKE sei im September Bilanztäuschung vorgeworfen worden, was sich bislang allerdings nicht bestätigt habe.

Gesucht gewesen sei auch die Ekosem-Agrar-Anleihe mit Laufzeit bis 2024 und Kupon von 7,5 Prozent, wie Daniel berichte. "Das liegt wohl an der Meldung einer überproportionalen Ergebnissteigerung in den ersten neun Monaten 2020."

Eine Neuemission (ISIN DE000A3H2UX0 / WKN A3H2UX) habe es letzte Woche vom Autovermieter und Mobilitätsdienstleister Sixt gegeben. Das Papier laufe bis Dezember 2024 und biete 1,75 Prozent, Mindestanlagesumme seien 1.000 Euro.

Außerdem habe das Solarenergieunternehmen Greencells GmbH eine erste Tranche des 2025 laufenden besicherten Green Bond (ISIN DE000A289YQ5 / WKN A289YQ) mit 6,50 Prozent Kupon platziert. Das Geld solle das Solarpark-Projektgeschäft von Greencells weiter ankurbeln.

Das Jahr 2020 habe nicht nur im Zeichen von Corona, sondern auch im Zeichen von ESG gestanden: Nachhaltige Geldanlagen seien immer beliebter geworden. Ein "fulminanter Jahresabschluss" habe die Neuemissionen von ESG-Anleihen auf einen neuen Jahresrekord getrieben, berichte die Commerzbank. Im Frühjahr hätten Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie oft andere Prioritäten gesetzt, seit Anfang November seien aber Investment Grade-geratete ESG-Benchmark-Anleihen in einem Umfang von 9 Milliarden Euro emittiert worden. "Damit hatten sie in diesem Zeitraum einen Anteil von 24 Prozent an den gesamten Emissionen", erkläre Analyst Keltek. (Ausgabe vom 11.12.2020) (14.12.2020/alc/a/a)
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