Anleihen-Handel: Immer mehr Negativzinsen


19.08.19 12:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Großes Thema an den Märkten letzte Woche: Die inverse Zinskurve in den USA, so die Deutsche Börse AG.

Dort und auch in Großbritannien seien die kurzfristigen Kapitalmarktzinsen zeitweise über die langfristigen gestiegen. Das kehre die normalen Verhältnisse um: Dass ein Geldgeber um so höhere Zinsen bekomme, je länger er sein Geld verleihe.

In der Vergangenheit sei eine inverse Zinskurve ein sicherer Vorbote für eine Rezession gewesen. Ganz eindeutig sei der Zusammenhang aber nicht: Patrick Franke von der Helaba nenne in einer Studie die Jahre 1966 und 1998, in denen auf eine inverse Zinskurve keine US-Rezession gefolgt sei.

Groß seien die Konjunktursorgen aber in jedem Fall, so groß, dass sichere Anleihen extrem gesucht seien und deren Renditen auf immer neue Tiefs, zum Teil Allzeittiefs, fallen würden: Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen habe am 15. August nur noch bei minus 0,71 Prozent gelegen - so tief wie noch nie. "Selbst für spanische und portugiesische Anleihen mit Laufzeit von zehn Jahren sind es nicht mehr viel mehr als 0 Prozent", bemerke Brunner.

"Der weltweite Bestand an Anleihen mit negativen Renditen ist auf ein neues Rekordhoch von 16 Billionen US-Dollar gestiegen", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Die Rendite von dreißigjährigen US-Staatsanleihen sei ebenfalls auf ein Allzeittief gesunken. Zehnjährige Treasuries hätten zwischenzeitlich erstmals seit 2016 wieder weniger als 1,5 Prozent abgeworfen.

Zusätzliche Dynamik habe sich in Europa durch ein "Wall Street Journal"-Interview mit EZB-Ratsmitglied Olli Rehn ergeben: Der finnische Notenbankpräsident habe erklärt, dass die EZB auf ihrem nächsten Treffen im September ein umfangreiches geldpolitisches Maßnahmenpaket auf den Weg bringen sollte. Es sei besser, die Markterwartungen zu übertreffen als sie zu verfehlen. Rehn habe auch deutlich gemacht, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm wieder starten könnte.

Daneben mache Argentinien von sich Reden: Nach der Vorwahl zur Präsidentenwahl, aus der am 11. August ganz unerwartet Alberto Fernandez, der Rivale von Präsident Mauricio Macri, mit einem Vorsprung von 15 Prozent als Sieger hervorgegangen sei, seien die Märkte eingebrochen. Fernandez habe der Regierung Christina de Kirchner angehört. Während ihrer Regierungszeit seien die Schulden deutlich gestiegen, 2014 sei Argentinien sogar als "teilweise zahlungsunfähig" eingestuft worden.

Wie Daniel melde, habe die bis 2033 laufende Argentinien-Anleihe mit Kupon von 7,82 Prozent (ISIN XS0501195134/ WKN A0VTZV) von 80 auf 53 Prozent verloren, die bis 2038 laufende mit 3,38 Prozent (ISIN XS0501195993/ WKN A0VTZ1) von 55 auf 42 Prozent. Beides seien Euro-Anleihen. Auch Rainer Petz von Oddo Seydler berichte von heftigen Kursverlusten von Argentinien-Anleihen, etwa der mit hundertjähriger Laufzeit (ISIN US040114HN39/ WKN A190E8).

Mit dem deutlichen Kursanstieg von Staatsanleihen hätten Unternehmensanleihen nicht mitgezogen. "Die Spreads weiteten sich aus", berichte Brunner. Deutlich nach unten sei es für General Electric-Anleihen (ISIN XS1612543394/ WKN A19HNK) gegangen. "Der Konzern wird eines Milliardenbetrugs beschuldigt", erläutere der Händler. Die Vorwürfe kämen von Harry Markopolos, der schon früh vor dem Betrüger Bernard Madoffs gewarnt habe. METRO-Anleihen (ISIN XS1203941775/ WKN A14J83) seien hingegen wieder gefragt. "Hintergrund ist, dass die Übernahme durch den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky gescheitert ist."

Abgegeben worden seien thyssenkrupp-Anleihen (ISIN DE000A2TEDB8/ WKN A2TEDB) nach einer Zurückstufung durch Moody's, wie Daniel melde, in Mitleidenschaft geraten sei auch der österreichische Stahlkonzern voestalpine (ISIN AT0000A27LQ1/ WKN A2R0KA). Empfindliche Verluste hätten laut Petz auch SGL CARBON-Anleihen nach einer Gewinnwarnung (ISIN XS1945271952/ WKN A2TR7M) sowie Papiere des Autozulieferers paragon (ISIN DE000A2GSB86/ WKN A2GSB8) erlitten, die innerhalb kurzer Zeit von 86 auf 68 Prozent gefallen seien. paragon habe die Umsatzprognose für 2019 deutlich nach unten gesetzt und einen operativen Verlust angekündigt. (Ausgabe vom 16.08.2019) (19.08.2019/alc/a/a)






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