Anleihen-Handel: Einiges wird verschleppt


17.08.20 12:10
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Milliardenverluste bei thyssenkrupp samt fehlender Aussicht auf Besserung sorgen bei Bondbesitzern für Unruhe, so die Deutsche Börse AG.

Die jüngsten Abgaben einer im Februar 2024 fälligen thyssenkrupp-Anleihe mit einem Kupon von 2,875 Prozent sehe Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank im Licht der Quartalszahlen. Das Papier habe seit Mittwoch von 99 auf knapp 97 Prozent eingebüßt. Daniel könne sich gut vorstellen, dass thyssenkrupp zu den über ein Dutzend Unternehmen gehöre, die bei der Bundesregierung um weitere Staatshilfen gebeten hätten.

Diese seien TUI bereits in Aussicht gestellt worden. Nach dem grundsätzlichen Ja zu zusätzlichen Mitteln aus Berlin sei die Nachfrage nach einem im Oktober 2021 fälligen TUI-Bond mit einem Kupon von 2,125 Prozent gestiegen, wie Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank informiere.

Neben einer Aufstockung der Kreditlinie um 1,05 auf insgesamt 2,85 Milliarden Euro seien weitere Bundeshilfen für den Reisekonzern an einige Bedingungen geknüpft. Unter anderem gehe es um die Ausgabe einer sechsjährigen Wandelanleihe im Volumen von 150 Millionen Euro an den staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Damit könne der Bund bei vollständiger Umwandlung in Aktien künftig bis zu neun Prozent der TUI-Anteile halten. Gläubiger der im kommenden Jahr zur Rückzahlung anstehenden Anleihe müssten zudem auf eine Begrenzung der TUI-Verschuldung verzichten. Das Unternehmen habe nun Zeit bis Ende September, um die Voraussetzungen für das Hilfspaket zu erfüllen.

Die hierzulande befristete Aussetzung der Pflicht zum Insolvenzantrag und die Finanzhilfen seien für Daniel ein zweischneidiges Schwert. Es gebe Unternehmen einerseits Zeit, die Corona-Folgen zu verarbeiten. Andererseits bliebe dadurch vieles im Verborgenen. "Das große Erwachen kommt erst noch", sei Daniel überzeugt. Experten würden inzwischen vor einer ab Oktober hereinbrechenden Pleitewelle warnen. Mit Überlegungen zur möglichen Verlängerung des Insolvenz-Moratoriums bis März 2021 wolle das Justizministerium angeschlagenen Firmen nun noch mehr Zeit geben.

Im Handel mit Corporate Bonds beobachte Arthur Brunner eine Tendenz hin zu Papieren mit einer geringen Restlaufzeit von bis zu zwei Jahren. Für den ICF Bank-Händler sei diese Art von Cherry-Picking - auf Deutsch Rosinenpickerei - durchaus verständlich. Eventuelle Rückzahlungsschwierigkeiten seien in einer kürzeren Spanne eher abzuschätzen.

Das treffe beispielsweise auf eine 500 Millionen Euro schwere, im Juni 2022 fällige K+S-Anleihe (ISIN DE000A1PGZ82 / WKN A1PGZ8) mit einem Kupon von 3,0 Prozent zu. "Hier haben wir einiges an Käufen." Unter anderem scheinen die diversen Sparprogramme sowie der künftige Fokus auf das Düngergeschäft Anleger optimistisch zu stimmen, so die Deutsche Börse AG.

Nach besser als erwarteten Zahlen sehe Brunner Kaufnachfrage in einer bis 2022 laufenden Anleihe (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) von Douglas, die jährlich 6,25 Prozent Zinsen einbringe. Der Wert sei im Wochenverlauf von 87 auf zwischenzeitlich 93 Prozent gestiegen. Aktuell koste die Anleihe gut 91 Prozent (14.08.2020).

"Die größte deutsche Parfümeriekette konnte einen Teil der Corona-bedingten Umsatzeinbußen in den Filialen durch Online-Geschäfte kompensieren", beschreibe Brunner. Mittlerweile hole auch der stationäre Handel wieder auf. Langfristig wolle Douglas im Online-Bereich stärker auf Drogerieartikel setzen und damit den Platzhirschen DM und Rossmann das Leben schwerer machen. In den Filialen erkenne das Unternehmen großes Wachstumspotenzial im Luxussegment.

Überdurchschnittlich viele Zu- und Abflüsse verbuche Brunner in einer mit jährlich 4,5 Prozent verzinsten AURELIUS-Anleihe (ISIN NO0010861487 / WKN A2SAP3), die im Dezember 2024 fällig werde. "Es gab einige Abgeber von Privatanlegern, die aber problemlos bei institutionellen Investoren platziert werden konnten."

Letztere hätten vermutlich die Ergebnisse für das erste Halbjahr honoriert. Nach Verlusten im Vergleichszeitraum 2019 schreibe das Beteiligungs-Unternehmen nun einen Gewinn von 155 Millionen Euro und halte liquide Mittel von 395 Millionen Euro. AURELIUS sehe sich gut aufgestellt, um die Pandemie-Folgen zu meistern. (Ausgabe vom 14.08.2020) (17.08.2020/alc/a/a)





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