Anleihen-Handel: Aufräumarbeiten


27.12.18 09:03
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von den geldpolitischen Vorstellungen aus dem Oval Office lassen sich die US-Zentralbanker scheinbar nicht aus dem Konzept bringen, so die Deutsche Börse AG.

Die aus heutiger Sicht vorgesehenen zwei Zinsschritte für das kommende Jahr hätten Akteure an den internationalen Finanzmärkten auf dem falschen Fuß erwischt. Viele Marktteilnehmer seien bis 20.12. von einer Zinspause in den Vereinigten Staaten für 2019 ausgegangen und hätten mit Aktienverkäufen reagiert. Als sicher geltende Bonds hätten von der gestiegenen Risikoaversion nicht profitieren können. US-Treasuries und Anleihen vieler europäischer Staaten seien ebenfalls zumeist abgestoßen worden.

"Die Informationsflut kann auch verwirren", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Das führe wie im vorliegenden Fall schon mal zu kollektiven Fehleinschätzungen. "Unsere Kunden sollten sich aber nicht verrückt machen, denn bei Anleihen ist der Anlagehorizont in der Regel etwas länger."

Nachdem der angepasste italienische Haushalt von der Europäischen Kommission abgesegnet worden sei, rücke nun das alljährliche politische Gerangel um das US-Budget zunehmend in den Vordergrund. Zwar hätten sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus eine Zwischenfinanzierung bis Februar beschlossen. Letzterer enthalte allerdings Mittel für den Mauerbau zu Mexiko, die der Senat vermutlich nicht billigen werde. Bleibe eine Einigung aus, komme es in der kommenden Nacht zum so genannten Government Shutdown - sprich dem Einstellen der Arbeit von US-Regierungsbehörden, da die gegenwärtig geltenden Schuldenlimits erreicht seien. Für die Finanzmärkte wäre dies nach Ansicht von Marktbeobachtern eine zusätzliche Belastung.

Den Handel mit Unternehmensanleihen würden Händler als vorweihnachtlich reduziert beschreiben. "Viele Anleger haben ihre Positionen bereits glattgestellt und die Bücher geschlossen", meine Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank. Eine unbegrenzt laufende CoCo-Anleihe (ISIN DE000DB7XHP3 / WKN DB7XHP) der Deutschen Bank mit einem Kupon von 6 Prozent sei im Zuge Aktienverluste verstärkt abgestoßen worden. Auf Sicht der letzten Woche sei der Kurs der Anleihe auf 82,36 Prozent gefallen, wie Petz feststelle. Vergangenen Donnerstag hätten Investoren noch 86 Prozent zahlen müssen.

Einen "wilden Ritt" habe nach Beobachtung von Petz eine Hybridanleihe (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU) von Südzucker hingelegt. Der Kurs der mit jährlich 2,771 Prozent verzinsten Hybridanleihe des größten europäischen Zuckerproduzenten habe von 82 auf 70 Prozent verloren und sich im Anschluss wieder erholt. Am 21. Dezember habe das Papier 79 Prozent gekostet. Nachgebende Zuckerpreise und die jüngste Erholung der Ethanol-Notierungen hätten für gegensätzliche Bewegungen der im SDAX notierten Aktie des Marktführers für Rübenzucker gesorgt. Von dem Preisaufstieg würde die Südzucker-Tochter CropEnergies profitieren.

Daniel berichte von Verkäufen einer bis 2025 laufenden Anleihe (ISIN USP7169GAA78 / WKN A19GPQ) der argentinischen Neuquen Province mit einem Kupon von 7,5 Prozent. Medienberichte über ein mögliches Scheitern des Präsidenten Mauricio Macri bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise könnten die Ursache sein. In dem Fall setze sich nach Auffassung der UniCredit-Analysten womöglich bei der Wahl im Herbst 2019 die vorherige Staatschefin Cristina de Kirchner durch und rücke eine erneute Staatspleite in Argentinien in Sichtweite.

Anleger verabschiedeten sich Daniel zufolge vor dem Hintergrund nachgebender Aktienkurse auch von einer 1,1 Milliarden Euro schweren VW-Anleihe (ISIN XS1206540806 / WKN A1ZYTJ) mit einem Kupon von 2,5 Prozent. Die in der letzten Woche angekündigte Absicht, 75,1 Prozent der Anteile des schwedischen Telematik-Spezialisten WirelessCar zu übernehmen, habe der Aktie der Wolfsburger nicht auf die Sprünge helfen können. Fast nur Käufe gebe es hingegen für einen bis Oktober 2026 laufenden VW-Bond (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C), der jährlich 2,25 Prozent abwerfe.

Interesse verbuche die Oddo Seydler Bank an einer mit jährlich 4 Prozent verzinsten, nachrangigen Otto-Anleihe "Hier gab es fast ausschließlich Käufe, was durchaus mit dem Weihnachtsgeschäft des deutschen Online-Händlers zusammenhängen könnte." (Ausgabe vom 21.12.2018) (27.12.2018/alc/a/a)





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