Anleihen-Handel: Anleger steuern sichere Häfen an


18.02.19 13:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine weitere Schlappe von Theresa May bei der Brexit-Abstimmung vom 14. Februar vor dem Unterhaus, mögliche Neuwahlen in Spanien, eine etwaige Fristverlängerung für China im Handelspoker mit den USA - aber noch keine Einigung - sowie die Beilegung des Streits um den US-Haushalt: Die Liste der politischen Themen ist lang, so die Deutsche Börse AG.

Zu allem Überfluss hätten sich US-Verbraucher im Dezember auch noch mit ihren Weihnachtsausgaben zurückgehalten.

In dieser Gemengelage habe sich der Euro-Bund-Future mal in die eine und mal in die andere Richtung bewegt. Unterm Strich notiere das Barometer für die Zinserwartung nach wie vor um 166 Prozent. Seit Mitte der letzten Woche stünden Arthur Brunner zufolge Staatspapiere guter Bonität wieder stärker im Fokus. Bundesanleihen hätten profitiert, zehnjährige Laufzeiten hätten am Freitagmorgen um 0,09 Prozent rentiert und damit Richtung null tendiert. "US-Staatsanleihen waren ebenfalls gesucht", registriere der Händler der ICF Bank. Die Nachfrage habe die Rendite für vergleichbare US-Treasuries auf 2,65 Prozent gedrückt.

Trotz der gefallenen Erträge für Staatspapiere würden die Analysten der Helaba für das Gesamtjahr eine positive Renditeentwicklung erwarten. Zehnjährige Bundesanleihen könnten demnach Ende 2019 um 0,7 Prozent und Mitte des Jahres um 0,4 Prozent liegen. Der jüngste Renditerückgang sei nach Ansicht der Helaba sowohl unter Berücksichtigung der Zinserwartungen an den Terminmärkten als auch im Vergleich zu US-Staatsanleihen außergewöhnlich stark gewesen. Möglicherweise spiele die ungelöste Brexit-Frage sicheren Anlagen in die Karten.

Denn der EU-Austritt der Briten befinde sich in einer Sackgasse. "Die Deadline rückt näher, das erhöht die Spannung", meine Brunner. Theresa May scheine auf Zeit zu spielen und den entscheidenden Parlamentsbeschluss auf Ende März und damit kurz vor den Austrittstermin zu verlegen, wie die Helaba ergänze. Mit der Pistole auf der Brust der Parlamentarier spekuliere die Premierministerin darauf, vielleicht doch noch eine Mehrheit zu bekommen. Folker Hellmeyer von Solvecon nenne das britische Parlament ein "Tollhaus". Viele im Parlament hätten für den ungeregelten Brexit votiert, dessen Folgen dann von den UK-Bürgern ausgebadet werden müsste.

Im Handel mit Unternehmensanleihen informiere Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank über gestiegenes Interesse an Douglas. Anleger hätten sich etwa mit einem bis 2022 laufenden Wert (ISIN XS1251078009 / WKN A161MW) der größten deutschen Parfümeriekette eingedeckt, die mit einem Kupon von 6,25 Prozent ausgestattet sei. Die Anleihe sei seit geraumer Zeit unter Druck gewesen, habe sich aber seit Anfang Januar von 73 auf aktuell 87 Prozent wieder erholen können. Auf einen ähnlichen Verlauf komme eine laut Petz ebenfalls gefragte in 2023 fällige Douglas-Anleihe (ISIN XS1251078694 / WKN A161WQ) mit einer jährlichen Verzinsung von 8,750 Prozent. Beim aktuellen Kurs von gut 61 Prozent bringe das Papier eine Rendite von über 21 Prozent. Douglas habe dem Händler zufolge im ersten Geschäftsquartal mit einem Umsatzrekord überzeugt.

Interesse registriere Brunner für eine bis Mai 2022 laufende Anleihe (ISIN SE0011167972 / WKN A2LQLF) von Ferratum mit einer jährlichen Verzinsung von 5,177 Prozent, die unterm Strich in den Depots lande. "Unternehmensanleihen sind insgesamt stark gesucht, werden aber überwiegend von Profianlegern genutzt", beschreibe der Händler die allgemeine Lage im Geschäft mit Corporate Bonds.

Die Nachfrage nach einer Hertha BSC-Anleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent und einem Volumen von 40 Millionen Euro reiße Brunner zufolge unter anderem aufgrund der sportlichen Erfolge des Bundesligisten nicht ab. "Der Verein ist für Anleger irgendwie greifbar", begründe der Händler das große Interesse. Aktuell notiere der Wert bei 107,25 Prozent, was immer noch einer Rendite von 4,527 Prozent entspreche.

Das vermehrte Kaufinteresse an einer mit 6,5 Prozent verzinsten Wandelanleihe (ISIN DE000A13SHL2 / WKN A13SHL) der SeniVita Social Estate stehe nach Meinung von Brunner im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang. Um womöglich den Anreiz für eine Ausübung der Wandlungsrechte erhöhen zu können, habe der Entwickler von Senioren-Pflegeheimen die Herabsetzung des Grundkapital im Verhältnis fünf zu eins beschlossen. Damit könnten Anleihegläubiger bei Umtausch anteilig mehr Aktien beziehen. Der SeniVita-Vorstand habe die Genehmigung, in 2019 ein Wandlungsfenster festzulegen. Im Verlauf der letzten Woche habe der Bond von 76 auf 82 Prozent zugelegt.

Überwiegende Käufe verbuche Brunner zudem in einer gemeinnützigen SeniVita-Anleihe. Das Unternehmen habe eine Kündigungsoption zum 27. Mai 2019. Bei Ausübung betrage die Rückzahlung 100 Prozent.

Die jüngsten Pläne zum Schuldenabbau könnten nach Auffassung von Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Kaufnachfrage nach einer 450 Millionen Euro schweren Hapag Lloyd-Anleihe (ISIN XS1645113322 / WKN A2GSC0) mit einem jährlichen Kupon von 5,125 Prozent getrieben haben. Die Konzernspitze von Deutschlands größter Reederei habe eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung der Außenstände verkündet, die insgesamt Einsparungen in Höhe von 350 bis 400 Millionen US-Dollar jährlich bringen sollten. Anleger scheinen von den Plänen angetan, so die Deutsche Börse AG. Der im Juli 2024 fällige Wert sei seit Montag von 101,4 auf fast 103 Prozent gestiegen.

Eine in 2075 zur Rückzahlung anstehende Anleihe (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) der Lufthansa mit jährlich 5,125 Prozent Zinsen stünde bei Daniels Kunden ebenfalls hoch im Kurs. "Hier überwogen die Zuflüsse." Der Kurs des Bonds habe sich im Verlauf der letzten Woche um 106 Prozent eher auf der Stelle bewegt. (Ausgabe vom 15.02.2019) (18.02.2019/alc/a/a)






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