Anleihen-Handel: Air Berlin schockiert!


21.08.17 10:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Thema der letzten Woche war ganz klar Air Berlin, so die Deutsche Börse AG.

Bis Mittwoch sei der Handel der Anleihen ausgesetzt worden, dann seien die nun ohne Stückzinsen gehandelten Papiere (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B, ISIN XS1051719786 / WKN AB100L) unter 10 Prozent gefallen. "Vor der Insolvenzankündigung waren es für die bis 2018 laufende Anleihe 75 Prozent, für die bis 2019 laufende 50 Prozent", erkläre Rainer Petz von Oddo Seydler. "Das war schon ein Schock." Die meisten seien davon ausgegangen, dass zumindest die bis 2018 laufende Anleihe zurückbezahlt werde.

Kursverluste habe es schon im Juni gegeben, als wieder einmal Gerüchte über eine Pleite der schwächelnden Airline kursiert hätten, die Verluste hätten sich aber noch in Grenzen gehalten. Anfang Juni sei das 2018 fällige Papier noch bei 97 Prozent gehandelt worden. Klar sei, dass die Lufthansa an Air Berlin interessiert sei, die Verhandlungen seien am Freitag gestartet. "Die Kurse sind daher schon wieder etwas gestiegen." Beide Anleihen seien am 18. August um 12 Prozent gehandelt worden.

Mit der Veröffentlichung des Protokolls der US-Notenbanksitzung vom Juli sei unterdessen unwahrscheinlicher geworden, dass es eine weitere US-Zinserhöhung schon im September geben werde. "Viele" FED-Mitglieder würden offenbar damit rechnen, dass die Inflationsrate länger als zuvor erwartet unter 2 Prozent bleiben werde. Das Protokoll der jüngsten EZB-Sitzung habe unterdessen gezeigt, dass sich die Notenbanker um den starken Euro sorgen würden.

"Wegen des starken Euro ist nicht davon auszugehen, dass die EZB so schnell einen schärferen Kurs einschlagen wird", meine Arthur Brunner von der ICF Bank. Derzeit werde am Markt davon ausgegangen, dass die europäische Notenbank nach der September- oder der Oktober-Sitzung eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro ab 2018 ankündigen werde.

In dieser Woche würden sich die Vertreter der bedeutendsten Notenbanken der Welt im US-amerikanischen Jackson Hole treffen. Dass EZB-Chef Mario Draghi schon dann einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ankündigen werde, gelte als unwahrscheinlich, viel beachtet werde das Treffen dennoch.

Der Euro-Bund-Future habe am Freitagmittag bei 164,32 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau vor einer Woche gelegen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 0,41 Prozent abwerfen. Aufgrund der Terroranschläge in Barcelona sei der Zins sogar kurz unter 0,40 Prozent gefallen. Ohne große Auswirkungen sei geblieben, dass das Bundesverfassungsgericht die umstrittenen Staatsanleihekäufe der EZB vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüfen lassen wolle.

Abgesehen von Air Berlin sei es im Handel mit Unternehmensanleihen eher ruhig geblieben. "Es gab infolge der Air Berlin-Insolvenz einige Gewinnmitnahmen bei Unternehmens- und Staatsanleihen, aber nicht im großen Stil", erkläre Brunner. Er berichte von regen Umsätzen in einem Papier der ERB Hellas Funding, hinter dem die griechische Eurobank Ergasias stecke. "Die Ausschläge sind hoch." In der Spitze sei die Anleihe letzte Woche zu 69,5 Prozent gehandelt worden, am Freitag seien es 62 Prozent gewesen.

Überwiegend Käufe melde der Händler für einen Bond des Brauereikonzerns Anheuser-Busch Inv (ISIN BE6243179650 / WKN A1G9Y8), der bis 2024 laufe und einen Kupon von 2,875 Prozent biete. Gut nachgefragt werde auch eine Nachranganleihe (ISIN DE000A2E4QG3 / WKN A2E4QG) der IKB.

Unter den Neuemissionen sei Petz zufolge eine US-Dollar-Anleihe des Autobauers Tesla bei den Anlegern gut angekommen. Das Papier biete einen Kupon von 5,3 Prozent und laufe bis 2025, die Stückelung sei mit 2.000 US-Dollar kleinanlegerfreundlich. "Die Anleihe kam zu 100 Prozent auf den Markt, jetzt wird sie zu 98 Prozent gehandelt."

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte von einem neuen Floater (ISIN XS1660709616 / WKN A2GS2K) des Hamburger Versandhauses Otto mit Zinssatz beim 3-Monats-Euribor plus 215 Basispunkte und Laufzeit bis 2026. "Die Anleihe kam aber gleich unter Druck", berichte der Händler. Am Freitag sei das Papier zu 99,25 Prozent gehandelt worden.

Eine Mega-Emission - in mehreren Tranchen - habe es in der vergangenen Woche vom US-Internethändler Amazon gegeben. Mit einem Volumen von 16 Milliarden US-Dollar sei es die viertgrößte Emission des Jahres. "Das Interesse der Anleger war sehr hoch", stelle Brunner fest. Das Orderbuch habe rund 47 Milliarden US-Dollar erreicht. "Die Märkte funktionieren im Moment sehr gut - trotz Sommerloch." Eine der auf US-Dollar lautenden Tranchen habe eine Laufzeit von 40 Jahren und biete einen Kupon von 4,25 Prozent, ein 30 Jahre laufendes Papier 4,05 Prozent. (Ausgabe vom 18.08.2017) (21.08.2017/alc/a/a)





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DE0009652644 965264 140,24 126,61
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