Anleihen: "Anleger rechnen mit anhaltenden Turbulenzen"


30.10.20 14:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Kapitalmärkte stehen abermals ganz im Zeichen von Corona, so die Deutsche Börse AG.

Und während am Aktienmarkt diese Woche im großen Stil verkauft worden sei, sei die Anleihenwelt zweigeteilt: Anleger würden auf als sicher geltende Staatsanleihen setzen und sich von allem trennen, was nach Risiko aussehe.

Wegen der hohen Nachfrage nach Bundesanleihen sei die Rendite für zehnjährige Papiere wieder in den Keller gerutscht und liege am Freitagmorgen bei minus 0,64 Prozent. "Das ist der niedrigste Stand seit März", stelle Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Von dem damaligen Niveau um minus 0,90 Prozent sei die aktuelle Rendite aber noch weit entfernt.

Staatsanleihen aus Europas Südländern, die im Krisenmodus oft verkauft würden, würden sich diesmal vergleichsweise stabil zeigen. "Das liegt an der Absicherung durch die EZB", bemerke der Händler. Auf der gestrigen Notenbanksitzung habe EZB-Chefin Largarde sogar Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gemacht.

Viele Unternehmensanleihen stünden dieser Tage auf den Verkaufslisten. So würden sich Anleger von einer Anleihe (ISIN DE000A2NBZG9 / WKN A2NBZG) des Immobilienunternehmens DIC Asset trennen, die bis 2023 laufe und einen Kupon von 3,5 Prozent biete. "Dabei hat DIC eigentlich gute Zahlen für die ersten neun Monate geliefert", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Weiter verkauft würden Daniel zufolge Anleihen (ISIN XS2049726990 / WKN A2YNV6) der Deutschen Lufthansa, aber auch die Otto-Hybridanleihe mit Kupon von 4 Prozent und ein bis 2026 laufendes Papier (ISIN XS1979274708 / WKN A2TR80) des Handelskonzerns. "Anleger rechnen offenbar mit anhaltenden Turbulenzen und wollen lieber ruhig schlafen."

Anleihen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) seien generell etwas unter Druck geraten. "Anleger halten sich im Moment sehr zurück, da wirken sich Verkäufe natürlich stark aus", stelle Brunner fest. Gerade Anleihen von Immobilienentwicklern seien von Abgaben betroffen, er nenne als Beispiel Eyemaxx Real Estate (ISIN DE000A2YPEZ1 / WKN A2YPEZ). "Die Befürchtung ist, dass die Corona-Krise sich in den Immobilienbewertungen niederschlagen wird, etwa bei den Einzelhandelsimmobilien."

Eine größere Verkaufswelle bei KMU-Anleihen könne Rainer Petz von Oddo Seydler allerdings nicht feststellen. "Es ist relativ ruhig geblieben im Vergleich zu anderen Ausverkaufswellen am Aktienmarkt."

Trotz der Turbulenzen an den Börsen habe es einiges an Neuemissionen gegeben - allerdings nur mit einer Mindestanlagesumme von 100.000 Euro. Sehr gesucht seien zum Beispiel drei neue Anleihen (ISIN FR0014000D56 / WKN A284KR; ISIN FR0014000D31 / WKN A284KP und ISIN FR0014000D49 / WKN A284KQ) des Reifenherstellers Michelin im Volumen von jeweils 500 Millionen Euro gewesen, von denen Brunner berichte. "Die waren sechsfach überzeichnet und werden jetzt über 100 Prozent gehandelt." Die Anleihen würden bis 2028, 2032, 2040 laufen und Kupons von 0 Prozent, 0,25 Prozent und 0,625 Prozent bieten. Gut angenommen würden auch neue Anleihen (ISIN DK0030472618 / WKN A284NS) des dänischen Schweinefleischproduzenten Idavang, wie Brunner melde. (30.10.2020/alc/a/a)





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