Anleihemarkt: Zinsen wieder im Rückwärtsgang


03.10.16 16:35
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Unruhe um die Deutsche Bank lässt Anleger wieder in Staatsanleihen flüchten, so die Deutsche Börse AG.

Zuletzt habe die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet, dass einige Hedgefonds überschüssige Geldbestände und Positionen bei Deutschlands größter Geschäftsbank reduziert hätten. "Die Deutsche Bank ist in aller Munde", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Auch von der Commerzbank würden schlechte Nachrichten kommen, 9.600 Arbeitsplätze sollten abgebaut werden. "Die wackligen Banken schüren Sorgen um die Finanzstabilität", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.

Die Zinswende, die vor zwei Wochen ein Stückchen näher gerückt schien, ist aktuell kein Thema, so die Deutsche Börse AG. Der Euro-Bund-Future, der Mitte September unter 163 Punkte gefallen sei, zeige sich wieder sehr fest: Am Freitagmittag liege der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 166,19 Punkten nach 165,14 vor einer Woche. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die zwischenzeitlich in den positiven Bereich geklettert sei, liege aktuell bei minus 0,15 Prozent nach minus 0,08 Prozent vergangenen Freitag.

Nicht nur Bundesanleihen seien gefragt. "Auch die Nachfrage nach Staatsanleihen der Peripherie ist gut", meine Brunner. "Das EZB-Kaufprogramm wirkt." Kopfschmerzen bereite allerdings die am 21. Oktober anstehende Überprüfung des Portugal-Ratings durch die kanadische Rating-Agentur DBRS, die anders als die drei großen Agenturen das Land noch auf Investmentgrade setze. "Das Votum ist entscheidend für die Eignung portugiesischer Bonds für das QE-Programm der EZB", bemerke Daniel. Würde DBRS das Rating auf Schrottniveau setzen, könnte das Land den Zugang zum Markt verlieren und ein neues Beistandsprogramm benötigen.

Für die Türkei habe sich die Lage bereits eingetrübt: Die Rating-Agentur Moody's habe das Land diese Woche um eine Stufe auf Ba1 und damit auf Ramschstatus heruntergestuft. Das habe zu Kursverlusten bei türkischen Anleihen geführt, wie Daniel feststelle.

Dass für die Deutsche Bank in den USA unter Umständen eine Strafzahlung von rund 14 Milliarden US-Dollar anstehe, habe die Anleihen der Bank unter Druck gesetzt. "Das ohnehin knapp bemessene Eigenkapital droht so stark dezimiert zu werden, dass Zweifel aufkommen, ob die Deutsche Bank dies noch aus eigener Kraft wird bewältigen können", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Betroffen seien etwa ein 2016 emittierter und bis März 2019 laufender Bond (ISIN DE000DL19SQ4 / WKN DL19SQ): Mitte September habe dieser noch bei 101,25 notiert, aktuell seien es 96,97 Prozent. Ähnlich sehe es aus bei einem Papier (ISIN DE000DB7XJJ2 / WKN DB7XJJ) mit Laufzeit bis 2025.

Deutlich nach unten sei es in dieser Woche auch für Air Berlin-Anleihen gegangen. Der angeschlagene Konzern habe ein hartes Sparprogramm angekündigt, die Flotte solle halbiert, über 1.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Air Berlin-Hauptaktionär Etihad verhandele außerdem mit Tui darüber, Teile von Air Berlin mit Tuifly zusammenzulegen, zudem solle Air Berlin rund 40 Jets an die Lufthansa-Tochter Eurowings vermieten.

VW komme ebenfalls nicht aus den Schlagzeilen heraus. Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) hätten zwischenzeitlich deutlich verloren. "Es gab wieder einmal Gerüchte über noch höhere Strafen in den USA", erkläre Brunner.

Zulegen können hätten Daniel zufolge Papiere der venezolanischen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela. "Hintergrund ist die Einigung der OPEC-Staaten auf eine Drosselung der Produktion und der damit verbundene Ölpreisanstieg", bemerke Daniel. "Allerdings gibt es Zweifel, ob das wirklich klappt."

Rainer Petz von Oddo Seydler berichte, dass der angeschlagene Modekonzern Laurèl in dieser Woche die Zustimmung zur Herabsetzung des Nennwerts der Anleihe (ISIN DE000A1X3MD9 / WKN A1X3MD) von 100 auf 22 Prozent auf einer Versammlung am 17. Oktober gefordert habe - auf Verlagen des chinesischen Investors Shenzhen Oriental Fashion, der Laurèl übernehmen solle.

Die Anleihegläubiger sollten darüber hinaus rückwirkend vom 1. September an auf Zinsen verzichten, die am 16. November fällige Zahlung solle bis Mitte 2017 gestundet werden. Gleichzeitig solle die Anleihe zum herabgesetzten Nennwert vorzeitig zurückgezahlt werden. Das Papier werde aktuell nur noch zu 18,25 Prozent gehandelt. Heftig verloren habe auch der Bond (ISIN DE000A1X3MD9 / WKN A1X3MD) des Bettwarenherstellers Gebr. Sanders, wie Petz außerdem feststelle. "Das Unternehmen muss sich unter ein Schutzschirmverfahren begeben."

Sehr beliebt sei hingegen die Entry Standard-Anleihe (ISIN DE000A2AATX6 / WKN A2AATX) der Karlsberg Brauerei, wie Brunner feststelle. "Zum vorzeitigen Kündigungstermin 2019 lag die Rendite bei einem Kurs von in der Spitze 111,25 Prozent nur noch bei 1,335 Prozent." Die Anleihe laufe bis April 2021. "Angesichts der Beliebtheit ist es aber wahrscheinlich, dass die vorzeitige Kündigungsmöglichkeit genutzt wird."

Aufgrund der fehlenden Nachfrage durch Investoren habe die Lufthansa die Emission einer Anleihe im Volumen von 500 Millionen Euro am Montag kurzerhand abgesagt, wie Stopp außerdem berichte. "Hintergrund scheint der Umstand, dass die Fluggesellschaft potentiellen Investoren nicht die Vergünstigungen gewährte, die diese gefordert hatten." Aufgrund des EZB-Anleihekaufprogramms hätten Emittenten bislang ihre Anleihebedingungen weitgehend durchdrücken können. "Lufthansa hat nun offenbar den Bogen überspannt."

Erfolgreicher sei BASF gewesen: Der Chemiekonzern habe einen 500 Millionen schweren Bond (ISIN DE000A2BPA51 / WKN A2BPA5) mit Kupon von 0,875 Prozent und Laufzeit bis 2031 mit privatanlegerfreundlicher Mindeststückelung von 1.000 Euro emittiert. Dazu gebe es zwei neue Anleihen von LANXESS, die kommende Woche in den Handel gehen würden, wie Brunner melde: Die eine biete 1 Prozent bis 2026 (ISIN XS1501367921 / WKN A2BN7P), die andere 0,25 Prozent bis 2021 (ISIN XS150363425/ WKN nicht bekannt). Mit dem Emissionserlös wolle der Spezialchemiekonzern die Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Chemtura Corporation finanzieren.

Seit Mittwoch in der Zeichnung sei außerdem die Anleihe (ISIN DE000A2BPUC4 / WKN A2BPUC) der Münchener Gewerbeimmobilien-Holding FCR Immobilien mit Kupon von 7,1 Prozent und Fälligkeit im Oktober 2021. Der Emissionserlös solle in den Ausbau des Immobilienportfolios gesteckt werden. (Ausgabe vom 30.09.2016) (03.10.2016/alc/a/a)






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