Anleihemarkt: Weiter im Bann der Zentralbanken


09.11.15 08:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es bleibt ein Hin und Her: Nachdem US-Notenbankchefin Janet Yellen eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr als "reelle Möglichkeit" bezeichnet hat, wird am Markt nun wieder von einem Zinsschritt im Dezember ausgegangen, so die Deutsche Börse AG.

Mit Spannung erwartet würden die heute Nachmittag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitslosenzahlen, die Auskunft über den Zustand der US-Wirtschaft geben sollten. "Yellen hat davon gesprochen, dass die Zinsen angehoben werden könnten, wenn sich die wirtschaftliche Lage weiter positiv entwickelt", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. "Daher sind die Arbeitslosenzahlen wichtig."

"Man kann es zwar inzwischen fast nicht mehr hören, aber die Kapitalmärkte fristen ihr Dasein nur noch im Schatten der Notenbanken", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Das sei in Europa nicht anders als in den USA: Hier werde mit einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms seitens der EZB gerechnet. Die Spekulationen würden sich immer dann verstärken, wenn schlechte Konjunkturzahlen veröffentlicht würden, etwa am gestrigen Donnerstag enttäuschende Auftragseingänge für die deutsche Industrie.

Davor seien von Konjunkturseite in Europa in dieser Woche allerdings positive Nachrichten gekommen: Zu Wochenbeginn seien die Einkaufsmanagerdaten des Verarbeitenden Gewerbes für den Euroraum veröffentlicht worden, wie Sabine Tillman von der Hellwig Wertpapierhandelsbank melde. "Der Gesamtindex stieg im Monatsvergleich auf 52,3 Punkte, dies war der erste Anstieg seit drei Monaten." Am Mittwoch seien im Euroraum die finalen Einkaufsmanagerindices für den Dienstleistungsbereich bekannt gegeben worden. "Sie verbesserten sich nochmals in Spanien, Italien und Frankreich."

Der Euro-Bund-Future habe im Wochenvergleich nachgegeben und notiere am heutigen Freitag bei 156,46 Punkten nach 157,49 vor einer Woche, zehnjährige Bundesanleihen würden wieder 0,599 Prozent abwerfen, vergangenen Freitag seien es 0,52 Prozent gewesen. Vor anderthalb Wochen sei der Euro-Bund-Future zwischenzeitlich auf ein Sechsmonatshoch von 158,60 Prozent geklettert, die Rendite für zehnjährige Bundespapiere habe kurzzeitig nur noch bei 0,425 Prozent gelegen.

Rege gehandelt worden seien im Übrigen rumänische Anleihen, wie Daniel Förtsch von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft feststelle, etwa ein bis 2025 laufendes Papier (ISIN XS1312891549 / WKN A1Z9K8) mit Kupon von 2,75 Prozent. "Das hängt wohl mit dem Rücktritt des rumänischen Ministerpräsidenten Victor Ponta zusammen."

Im Handel mit Unternehmensanleihen bleibe VW Thema Nummer eins. Die Nachricht in dieser Woche, dass von falschen CO2-Angaben bei Volkswagen offenbar auch 98.000 Benzinfahrzeuge betroffen seien, habe erneut zu Verkäufen geführt. "Das gilt vor allem für Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21)", erkläre Brunner.

"Allerdings nutzen viele Privatanleger die Kurse auch für einen Einstieg." Rainer Petz von Oddo Seydler berichte ebenfalls von Abgaben, etwa in einer im März dieses Jahres emittierten ewigen Anleihe (ISIN XS1206541366 / WKN A1ZYTK) mit Kupon von aktuell 3,5 Prozent, deren Kurs von knapp 84 Prozent vergangene Woche auf heute 80,65 Prozent gefallen sei.

Regelrecht abgestürzt sei die Tillman zufolge die Solarworld-Anleihe. "Grund war die Nachricht aus den USA, eine Vorinstanz habe eine Entscheidung gegen Solarworld und für Hemlock getroffen." Der Siliziumlieferant Hemlock Semiconductor verklage Solarworld wegen nicht eingehaltener Verträge auf rund 800 Millionen US-Dollar Schadensersatz. Eine Niederlage wäre für Solarworld existenzgefährdend.

Habe die Anleihe zunächst noch um 250 gehandelt, so habe der Preis im Verlauf auf ein Tief unter 200 bei hohen Umsätzen nachgegeben, wie Tillmann ausführe. "Der Vorstand sah sich angesichts der Kursverluste zu einer Erklärung genötigt, diese half dem Preis der Anleihe leicht auf die Beine, sodass das aktuelle Niveau von 210 bis 220 wieder erreicht wurde."

Laut Stopp würden sich Privatanleger nach dem Wahlsieg der AKP in der Türkei und dem Anstieg der Lira mit Fremdwährungsanleihen auf die türkische Währung, etwa von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der Europäischen Investitionsbank EIB (ISIN XS0895805876 / WKN A1MAQ2; ISIN XS1053090665 / WKN A1ZFL3) beschäftigen. Auch Anleihen in US-Dollar und Britischen Pfund hätten sich gesteigerten Interesses seitens der Investoren erfreut. Förtsch zufolge gehe viel um in auf US-Dollar lautenden Amazon-Anleihen, zum Beispiel einem bis 2021 laufenden Bond (ISIN US023135AM87 / WKN A1ZTEP) mit Kupon von 3,3 Prozent.

Brunner berichte von einer neuen Nestlé-Anleihe (ISIN XS1319652902 / WKN A1Z956) in Euro, die bis 2023 laufe und einen Kupon von 0,75 Prozent biete. Gut nachgefragt würden mehrere Neuemissionen in unterschiedlichen Laufzeiten von Microsoft, wie Petz beobachtet habe. "Viel gekauft wird zum Beispiel der zehnjährige Bond (ISIN US594918BJ27 / WKN A1Z9YQ) mit Kupon von 3,125 Prozent und Stückelung von 2.000 US-Dollar", konkretisiere der Händler. "Das Interesse an US-Dollar-Anleihen seitens der Privatanleger bleibt generell groß." (Ausgabe vom 06.11.2015) (09.11.2015/alc/a/a)






hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 163,98 156,31
Werte im Artikel