3,125% Telekom Austria-Anleihe 2021 auf derzeitigem Spreadniveau zu teuer - Verkaufen!


21.02.18 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI) empfehlen die in 2021 fällige 3,125% Anleihe (ISIN XS0999667263 / WKN A1ZALN) der Telekom Austria AG (ISIN AT0000720008 / WKN 588811) auf Total Return Basis und Sicht von sechs Monaten zu verkaufen.

Die Umsatzerlöse der Telekom Austria seien im jüngst abgelaufenen GJ 2017 um 3% (Proforma) auf EUR 4.383 Mio. gestiegen. Haupttreiber hierfür seien gestiegene Erlöse aus Festnetzdienstleistungen und Endgeräteverkäufen gewesen. Die Mobilfunkerlöse seien aufgrund der sukzessiven Abschaffung des Endkundenroamings erwartungsgemäß gesunken. International habe Weißrussland mit einem Umsatzplus von +15,2% (hohe Datennachfrage, inflationsgetriebene Preiserhöhungen) positiv hervorgestochen, während sich Mazedonien als einziges Segment rückläufig entwickelt und ein Umsatzminus von 4,5% (gesunkene Zusammenschalt- und Festnetzerlöse) ausgewiesen habe.

Das operative Ergebnis (EBITDA) sei konzernweit unter anderem aufgrund höherer Vertriebskosten nur unterproportional um 2% auf EUR 1.398 Mio. gestiegen Die EBITDA-Marge sei mit 32% nahezu konstant geblieben. Unter dem EBITDA habe sich wie angekündigt die Markenwertabschreibung - konzernweite Fokussierung auf die Marke A1, auch im Ausland - mit einem Aufwand von EUR 123 Mio. bemerkbar gemacht. Bilanzseitig sei die Nettoverschuldung bei EUR 2.332 Mio. nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zum EBITDA mit einem Faktor von 1,7x stabil geblieben.

Markant habe sich der Anstieg des Free Cashflows gezeigt, der um 66% auf EUR 385 Mio. gestiegen sei. Maßgeblich hierfür seien gesunkene Investitionen gewesen - de facto habe der Zahlungsausgang für den Erwerb des kroatischen Festnetzbetreibers Metronet durch geringere Anlagenzugänge überkompensiert werden können - sowie geringere Zinszahlungen. Letztere würden sich zum großen Teil auf die Anfang 2017 getilgte, vergleichsweise teure, 4,25% Senior-Anleihe zurückführen lassen. In weiterer Folge würden die Zuwächse beim Free Cashflow aber zu einem hohen Teil durch die um EUR 100 Mio. gestiegenen Dividendenabflüsse aufgezehrt. Die Guidance stelle für das kommende GJ 2018 ein leichtes Umsatzwachstum von 1% bis 2% in Aussicht, bei einem Investitionsvolumen von EUR 750 Mio. vor Akquisitionen und Frequenzauktionen.

Die geplante Übernahme von UPC Austria durch T-Mobile dürfte wieder Bewegung in den österreichischen Telekommunikationsmarkt bringen. Rund EUR 1,9 Mrd. lasse sich die hiesige Tochtergesellschaft des Bonner Telekomunikationsriesen den Ausbau der Breitbandpräsenz in Österreich kosten und greife den Platzhirsch Telekom Austria damit direkt an. Nach Ansicht der Analysten der RBI wird dies die oligopolistischen Marktstrukturen weiter verfestigen, wenngleich die disruptiven Kräfte der MVNO - Hofer Telekom (HoT) kam im zweiten Quartal 2017 bereits auf einen Marktanteil von 4,2% im Mobilfunk - nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Mit der 5,625% Hybridanleihe (Volumen: EUR 600 Mio.) im Februar 2018 und der 4,25% Senior-Anleihe (Volumen: EUR 500 Mio.) im Januar 2017 habe die Telekom Austria auf Sicht eines Jahres rund EUR 1,1 Mrd. an vergleichsweise teuren Anleiheverbindlichkeiten getilgt. Dem habe lediglich die Aufstockung der 1,5% 2026er Senior-Anleihe (ISIN XS1405762805 / WKN A18901) um EUR 250 Mio. im Juli 2017 gegenübergestanden. Angesichts der geplanten Investitionen und der im Herbst anstehenden 5G Spektrumsauktion in Österreich halten die Analysten der RBI es für möglich, dass das Unternehmen 2018 den Primärmarkt anzapft.

Angesichts potenzieller Rating-Heraufstufungen sehen die Analysten der RBI die Telekom Austria perspektivisch in einer Peergroup mit vodafone, Deutsche Telekom und Orange. Die Spread-Differenz zu Wettbewerbern wie Telefónica dürfte hingegen größer werden. Nichtsdestotrotz scheine die Sekundärmarktkurve des Unternehmens derzeit schon viel Upgrade-Fantasien vorweg genommen zu haben. Die 3,125% 2021er Anleihe preise mittlerweile sowohl gegenüber der BBB+ Rating- als auch Sektorpeergroup fair bis leicht teuer.

Wenngleich sich die fundamentale Lage ungebrochen solide darstellt, halten Analysten der RBI die besagte Anleihe auf dem derzeitigen Spreadniveau für zu teuer und raten auf Sicht von sechs Monaten zum Verkauf (Benchmark: ICE BofAML Euro Non-Financial Index). (Ausgabe vom 20.02.2018) (21.02.2018/alc/a/a)
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
108,29 € 108,34 € -0,05 € -0,05% 20.11./18:01
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
XS0999667263 A1ZALN 112,05 € 108,29 €
Werte im Artikel
6,38 plus
+2,41%
108,29 minus
-0,05%
100,23 minus
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