1,00% Bonitätsabhängige Schuldverschreibung auf Volkswagen: Rückblick hui, Ausblick ungewiss - Anleiheanalyse


16.03.20 12:00
DZ BANK

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Robin Freytag, Bondhändler bei der DZ BANK, stellt als Alternative zum Direktinvestment in die Volkswagen-Vorzugsaktie eine 1,00% Bonitätsabhängige Schuldverschreibung (ISIN DE000DD5AQE8 / WKN DD5AQE) mit dem Basiswert Volkswagen vor.

Mit dem vergangenen Jahr könne der größte Autohersteller der Welt Volkswagen AG sehr zufrieden sein. So hätten sich die Umsatzerlöse gegenüber dem Vorjahr um 7,1% auf 252,6 Mrd. Euro erhöht. Gleichzeitig sei das operative Ergebnis um 12,8% auf 19,3 Mrd. Euro geklettert. Pro Aktie mache dies letztendlich einen Gewinn von rund 26,6 Euro. Ebenfalls erfreulich sei der Anstieg der Netto-Liquidität um fast 10% auf 21,3 Mrd. Euro. Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung würden Vorstand und Aufsichtsrat eine Erhöhung der Dividende je Stammaktie auf 6,50 Euro (2018: 4,80 Euro) und je Vorzugsaktie auf 6,56 Euro (2018: 4,86 Euro) vorschlagen.

Einen wichtigen Beitrag zu dieser Entwicklung habe die hohe Nachfrage der Kunden nach den Fahrzeugen aus Wolfsburg geleistet. Insgesamt seien letztes Jahr 10,97 Mio. Fahrzeuge weltweit ausgeliefert worden. Dies entspreche einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 1,3%. Zuwächse seien vor allem in Europa und Südamerika verzeichnet worden, während Nordamerika und Asien-Pazifik leicht rückläufig gewesen seien. Volkswagen habe Ende Februar, bei der Veröffentlichung der Zahlen, optimistisch in die Zukunft geblickt und ungefähr einen Absatz in der Größenordnung des Vorjahres prognostiziert. Allerdings sei auch betont worden, dass die Marktbedingungen herausfordernd seien und dass die Ausbreitung des Coronavirus sowie die dazugehörigen Auswirkungen genau beobachtet würden.

China sei für Volkswagen in den letzten Jahren einer der größten und wichtigsten Absatzmärkte weltweit gewesen - rund jedes dritte Auto sei dorthin verkauft worden. Mit dem Ausbruch des Coronavirus sei die Nachfrage allerdings massiv eingebrochen. Laut dem chinesischen Branchenverband PCA (China Passenger Car Association) sei der Absatz im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 80% eingebrochen. Seit Anfang des Jahres betrage das Minus 41%. Zudem sei China auch ein wichtiger Produktionsstandort für VW. Inzwischen würden in der Volksrepublik mehr Autos zusammengebaut als in Deutschland. Durch die Quarantänemaßnahmen der chinesischen Regierung hätten die Bänder zahlreicher Fabriken mehrere Wochen stillgestanden. Welche Folgen der Coronavirus letztendlich für die Geschäftsentwicklung haben werde, könne man aktuell nicht abschätzen.

Des Weiteren gebe es derzeit Probleme bei der Produktion des neuen E-Autos ID.3. Demnach solle eine zu schnelle Entwicklung dazu geführt haben, dass zahlreiche Softwarefehler aufgetreten seien. Aktuell seien daher hunderte Tester und Entwickler damit beschäftigt, diese auszumerzen. Grundsätzlich sehe Robin Freytag, Bondhändler bei der DZ BANK, die E-Auto-Offensive von Volkswagen sehr positiv. Komme es allerdings zu schwerwiegenderen Fehlern bei der Entwicklung, könne dies seiner Meinung nach zu einer Verschiebung der Markteinführung und einem negativen Image mit entsprechenden Folgen führen. Positiv finde Freytag dagegen, dass der vollelektrische SUV ID.4 noch in diesem Jahr auf den Markt kommen solle. Denn auch im letzten Jahr sei die Nachfrage nach den Stadtgeländewagen groß gewesen und habe einen erheblichen Teil zum Konzerngewinn beigetragen.

Derzeit werde die Bonität von Volkswagen von den beiden führenden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's mit den Langfrist-Ratings A3 bzw. BBB+ und einem stabilen Ausblick eingestuft. Positiv würden die Ratingagenturen unter anderem die führende Marktposition in Europa und China bewerten. Risiken würden dagegen in der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ausgemacht. Laut Standard & Poor's sei die E-Offensive dem so genannten Marktakzeptanzrisiko ausgesetzt. Sollte die Nachfrage nach den E-Autos hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte dies aufgrund der großen Investitionen zu geringeren Renditen führen. Zudem würden die Agenturen befürchten, dass die Emissionskrise nach wie vor Auswirkungen auf die allgemeine Reputation und Glaubwürdigkeit des Konzerns auf dem globalen Pkw-Markt haben könnte.

Aktuell habe die DZ BANK eine bonitätsabhängige Schuldverschreibung auf die Volkswagen AG im Angebot. Der Zinssatz für dieses Papier betrage 1,00% p.a. und die Laufzeit betrage 6,7 Jahre. Die Zeichnungsphase laufe vom 13.03.2020 bis 02.04.2020.

Die Art und Höhe der Rückzahlung am Rückzahlungstermin sei abhängig von der Bonitätsentwicklung der Volkswagen AG. Am Rückzahlungstermin gebe es folgende Rückzahlungsmöglichkeiten:

1. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung kein Kreditereignis beim Referenzschuldner Volkswagen AG ein, erhalte der Anleger zu den jährlichen Zinszahlungsterminen einen Zinssatz von 1,00% ausbezahlt. Zudem werde die Schuldverschreibung am Tag der Endfälligkeit zum Nennbetrag zurückgezahlt.

2. Trete während der Laufzeit der Schuldverschreibung ein Kreditereignis beim Referenzschuldner Volkswagen AG ein, würden die Zinszahlungen ab diesem Zeitpunkt eingestellt und die Rückzahlung erfolge zum Abwicklungsbetrag. Der Abwicklungsbetrag könne deutlich unter dem Nennbetrag liegen und im Extremfall null betragen, d.h. die Zahlung entfalle in diesem Fall vollständig (Totalverlustrisiko). Der Anleger erleide einen Verlust, wenn der Abwicklungsbetrag unter dem Erwerbswert der Schuldverschreibung liege.

Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei auch möglich, wenn die DZ BANK als Emittent ihre Verpflichtungen aus dem Zertifikat aufgrund behördlicher Anordnungen oder einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) nicht mehr erfüllen könne. (Stand vom 13.03.2020) (16.03.2020/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.