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Das war's mit der Transparenz der FED


02.10.18 11:30
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Am vergangenen Mittwoch hob die US-Notenbank FED zum dritten Mal in diesem Jahr ihre Leitzinsen auf 2 bis 2,25 Prozent an, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Cross Asset Manager von La Financière de L'Echiquier.

Eine vierte Zinsanhebung im Dezember dürfte als sehr wahrscheinlich gelten. Der aktuelle Schritt sei allseits erwartet worden und stelle damit an sich keine Überraschung dar, dennoch verdiene er, wie auch die mit ihm einhergehende Kommunikation, einige Anmerkungen.

Zuallererst würden die Leitzinsen mit dieser achten Zinsanhebung seit 2015 (insgesamt 200 Basispunkte) real, also inflationsbereinigt, wieder in den positiven Bereich klettern. Dies sei letztmals 2008 der Fall gewesen. Sie hätten im Übrigen wieder ihre Niveaus von vor der Lehman Brothers-Pleite im September 2008 erreicht.

Zudem habe die FED ihre Kommunikation und strich einen wesentlichen Begriff geändert: Es gehe um das Wort "akkommodierend", das die Geldpolitik bis dato gekennzeichnet habe. Nach einem Jahrzehnt geldpolitischer Lockerung zur Ankurbelung der Konjunktur habe die US-Notenbank hiermit nun abgeschlossen. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe darüber hinaus erklärt, dass die "Stütze", die die Geldpolitik bis jetzt dargestellt habe, verschwinden werde, denn das Wachstum sei in einer "starken" Wirtschaft mittlerweile "robust und ausgewogen". Eine Konjunkturstärke, die die US-Notenbank vorerst nicht zu einem langsameren Tempo bei der Normalisierung veranlasse. Dies erkläre, warum die große Mehrheit der Mitglieder des FOMC (Federal Open Market Committee) für Dezember eine weitere Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte erwarte.

Auch wenn die FOMC-Mitglieder für 2019 weiterhin drei und für 2020 eine Zinsanhebung erwarten würden, würden sie sich sehr "pragmatisch" zeigen, denn sie würden künftig auf die Entwicklung der "Konjunkturindikatoren" reagieren. Bei einer Beschleunigung der Inflation oder einer Verlangsamung der Konjunktur würden sie nicht zögern, die Leitzinsen anzupassen, um die Vollbeschäftigung zu wahren und die Inflation um die Marke von 2 Prozent zu halten. Die FED habe ihre mittelfristigen Vorhersagen für die Konjunktur im Grunde nicht geändert, sondern im Juni lediglich ihre Wachstumsprognose für 2018 angehoben und hierbei nicht ihre Vorhersagen für zwei, bzw. drei Jahre angepasst. Jedoch habe Powell auf der Konferenz von Jackson Hole erklärt, dass er gegenüber den Echtzeitschätzungen von Konjunkturdaten zurückhaltend sei. Diese Zweifel habe der FED-Vorsitzende auf seiner letzten Pressekonferenz erneut zum Ausdruck gebracht.

Davon ausgehend, dass die FED bereits seit mehreren Quartalen "den Daten hinterherhinke" ("behind the data"), werde deutlich, dass dies nun noch mehr der Fall sei. Sie kehre schrittweise zu der Art von Aussagen zurück, die ihr vor der Krise zu eigen gewesen sei: Weniger deutliche Prognosen über die Zukunft und mehr mögliche Überraschungen.

Dies sei der Beginn einer großen Veränderung. Während die Maßnahmen der Zentralbanken durch die Liquiditätsschwemme zehn Jahre lang in Stressphasen wie ein Schutzpolster gewirkt hätten, würden sie von nun an selbst zu einer Quelle der Unsicherheit. Die Anleger würden wieder lernen müssen, hiermit zu leben. (02.10.2018/alc/a/a)