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Die unterstützende Geldpolitik dürfte noch eine ganze Weile andauern


15.09.20 12:30
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Epidemie breitet sich weiter aus und stellt auch weiterhin eine Bedrohung dar, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

Trotzdem würden die Finanzmärkte ihren Erholungskurs fortsetzen. Aber: "Die Renditen unterschiedlicher Anlageformen und Sektoren variieren", warne Benjamin Melman von Edmond de Rothschild Asset Management.

Die Zentralbanken hätten ihre Staatsanleihenkäufe intensiviert. Selbst das lange Ende der Zinsstrukturkurve bewege sich derzeit nur noch wenig bei Nachrichten, die normalerweise größere Verschiebungen verursacht hätten. "Aber der Einfluss der Zentralbanken geht weit über die Renditen von Staatsanleihen hinaus", gebe der Global Chief Investment Officer zu bedenken. So stimme es zwar, dass Rating-Agenturen ihre Ausfallprognosen reduziert hätten. "Das Ausmaß, in dem sich die Spreads von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen verringerten, ist jedoch das Ergebnis der massiven Liquiditätszufuhr der Zentralbanken", so Melman.

An den Aktienmärkten herrsche wieder Feierlaune. Der NASDAQ 100 sei seit Jahresanfang um mehr als 30 Prozent gestiegen - und die Rally seit den Tiefständen im März gleiche einer Parabel-Kurve. Seit Anfang 2019 habe sich der Index-Stand sogar verdoppelt. "Zugegeben: Im Gegensatz zur Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre haben Technologieaktien zumeist die Gewinnerwartungen erfüllt", so Melman. So bestehe kein Zweifel, dass relativ betrachtet Technologie als der große Gewinner aus der Corona-Krise hervorgegangen sei.

Weniger klar sei jedoch, ob dies auch in absoluten Zahlen der Fall sei. "Wenn nach dem sehr schwierigen laufenden Jahr die Budgetplanungen für 2021 beginnen, wird es interessant sein zu sehen, wie hoch die IT-Investitionen der Unternehmen tatsächlich ausfallen." Erst dann zeige sich nach Ansicht des Experten, ob die großen Hoffnungen tatsächlich gerechtfertigt seien, auf denen die aktuellen Bewertungen basieren würden.

Andere Aktienmärkte, darunter Europa und die Schwellenländer, hätten längst nicht solch eine dynamische Entwicklung vollzogen wie die NASDAQ. Für den Experten von Edmond de Rothschild Asset Management sei dennoch klar: "Angesichts der Bedeutung des US-amerikanischen Technologiesektors sowie der Gewichtung des US-Marktes in den globalen Indizes sind die Aktienmärkte insgesamt inzwischen wieder teuer." Dies gelte sowohl im Vergleich mit historischen Maßstäben als auch vor dem Hintergrund des weiterhin sehr unsicheren ökonomischen Umfelds. Dies erlaube Melman einige Einschätzungen der mittel- bis langfristigen Aussichten: "Die Marktrenditen werden niedriger ausfallen - während gleichzeitig jeder Schock einen größeren Ausverkauf auslösen kann." Aus dieser grundsätzlichen Perspektive könne man jedoch keine Aussage über die kurzfristigere Wertentwicklung innerhalb der kommenden Quartale ableiten, stelle der Experte klar.

Die unterstützende Geldpolitik dürfte noch eine ganze Weile andauern, was die US-Notenbank Federal Reserve gegenüber Anlegern auch durch ihr geändertes Inflationsziel unterstrichen habe. Und gleichzeitig schreite die Erholung nach dem Lockdown voran. Eine zentrale Frage innerhalb der kommenden Wochen dürfte sein, ob ein Medikament gegen Covid-19 marktfähig werde. "Es besteht Grund zur Annahme, dass noch vor Jahresende ein solcher Impfstoff zugelassen wird", denke Melman. "Sollte dies der Fall sein, dürften sich zyklischere Märkte wie Europa, Japan und die Schwellenländer erholen. Aus diesem Grund haben wir unsere Gewichtung in europäische Aktien auf Kosten von US-Aktien erhöht."

Beim US-Wahlkampf sehe auch Melman zwar große Unterschiede zwischen den Programmen der Demokraten und der Republikaner. Dennoch sei der überzeugt: "Was die Märkte wirklich wollen ist, dass Kongress und Weißes Haus auf einer Wellenlänge liegen." Zwar möchten die Demokraten Donald Trumps Steuersenkungen zurückdrehen und die Regulierung in Bereichen wie Energie, Gesundheitswesen und Technologie erhöhen. Gleichzeitig würden sie sich aber auch am entschlossensten bei der Frage zeigen, ein Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen.

"Sollte Trump wiedergewählt werden, ist einzig und allein gewiss, dass es keine Änderung des fiskalischen Rahmens geben wird. Eine Regulierung von Technologieunternehmen oder der Gesundheitsbranche kann dagegen nicht ausgeschlossen werden." Ebenfalls budgetäre Stimuli halte der Finanzexperte in diesem Fall sowohl für weniger stark ausgeprägt als auch für unwahrscheinlicher.

Eine ungünstige Konstellation wäre nach Meinung von Melman eine Pattsituation zwischen Weißem Haus und Kongress. "Und das schlimmste Szenario wäre, wenn die Wahlergebnisse infrage gestellt würden - gerade angesichts der bereits massiven politischen Polarisierung in den Vereinigten Staaten." Doch nicht einmal für diesen Fall sehe der Finanzexperte eine Notwendigkeit dafür, die Investment-Allokation von Edmond de Rothschild Asset Management grundsätzlich infrage zu stellen. "Wir sind uns bewusst, dass dies die Volatilität erhöht. Aber für uns wäre es kein Grund, die Anlage-Politik zu ändern." (15.09.2020/alc/a/a)