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Die traditionelle Asset Allokation überdenken


14.11.17 11:15
Lombard Odier IM

Genf (www.anleihencheck.de) - Die Welt hat sich verändert und wir sehen uns einem neuen Investmentparadigma für Anleihen gegenüber, sagt Hubert Keller, CEO von Lombard Odier Investment Managers.

Die Ursachen hierfür lägen auf der Hand: Historisch niedrige Renditen, ein erhöhtes Marktrisiko und fehlende Liquidität. Daher sei Kellers Ansicht nach inzwischen ein Portfolioansatz notwendig, der die Kerninvestitionselemente "Core" und die Einzelinvestitionselemente "Satellite" neu definiert. Damit dürften Portfoliomanager besser in der Lage sein, die spezifischen Ziele von Investoren anzusprechen.

In der Vergangenheit hätten Anleihen vier wesentliche Funktionen ausgeführt: Einkommensgenerierung, Kapitalschutz, Diversifizierung von Wachstumsaktiva und Bereitstellung einer Liquiditätsquelle. Das andere Element der Investmentmaschine seien Aktien gewesen: Zweifellos ein höheres Risiko, aber eben auch eine attraktivere Performance.

Heute sei die Ertragskraft von Anleihen jedoch nahezu null. Für anhaltend attraktive Anleihen dürften die Zinsen sogar weiter sinken - selbst wenn das aktuell schwer vorstellbar sei. Zudem würden Anleihenmärkte heute zunehmend unter einem Liquiditätsengpass leiden, weil Zentralbanken Staatsschulden horten würden und Geschäftsbanken den Anleihemarkt verlassen hätten. Darüber hinaus würden Anleihen derzeit wegen der historischen Tiefststände bei den Renditen einen deutlich geringeren Schutz in Bärenmärkten bieten.

Zu guter Letzt seien inzwischen auch Aktien angesichts der hohen Bewertungen und einem moderaten Wirtschaftswachstum in ihrer Ertragskraft limitiert. Aus diesen Gründen scheine es, dass die traditionelle und durchaus sehr erfolgreiche Kombination der Performancetreiber eines Portfolios aus Aktien und Anleihen heute so nicht mehr funktioniere. Ergo müssen wir, die Asset-Management-Branche und damit auch die Investoren, unsere Asset Allokation überdenken, so die Experten von Lombard Odier Investment Managers.

Die Experten von Lombard Odier Investment Managers glauben, dass der Portfolioaufbau heute um einen "Core" und eine Vielzahl von "Satellites" strukturiert werden sollte und die Elemente in ihrer Funktion präzise Anlageziele verfolgen müssen. Die Rolle des "Core" sähen sie zweigeteilt: Zum einen gelte es, eine stabile Performance zu liefern, zum anderen als Liquiditätsreservoir zu fungieren. Die Aufgaben der "Satellites" bestünden darin, die verbleibenden Ziele wie Rendite, Wachstum und Schutz vor Extremrisiken zu verfolgen.

Im Rahmen des neuen Paradigmas sei es möglich, ein "Satellite"-Element so zu konstruieren, dass es eine stabile Rendite liefere und über der eines klassischen Anleiheindices liege. Um dies zu erreichen, sei es jedoch nach Meinung der Experten notwendig, dass Investoren Anleihen bis zur Fälligkeit halten würden. Diese Strategie immunisiert nach Erachten der Experten von Lombard Odier Investment Managers die Vermögenswerte gegen ein mögliches Verlustrisiko bei einem Anstieg der Zinssätze. Infolgedessen könnten Anleger dann ihre Risikoallokation auf im Weiteren gefasste Fremdfinanzierungsinstrumente konzentrieren, um die Rendite des Portfolios zu steigern. Mögliche Ausfallrisiken müssten aber natürlich dennoch durch eine robuste Kreditanalyse gemanagt werden.

Um vor dem Hintergrund der aktuellen Aktienbewertungen Wachstum zu erzielen, seien die Experten der Überzeugung, dass das Portfolio in so genannte "High-conviction"-Assets investiert werden sollte. "High-conviction" bedeute nicht zwangsläufig ein höheres Risiko. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Anlagethemen mit einer angemessenen Diversifizierung umgesetzt würden. So könne beispielsweise das Thema Emerging Markets parallel über Aktien - sowohl aus Schwellenländern als auch aus entwickelten Ländern -, Wandelanleihen, Staatsanleihen und sogar über Kredite ausgerollt werden. Das Ergebnis sei ein "Satellite", der diese Chance nutze und das Anlagerisiko effektiver verwalten könne als ein einfacher Emerging-Markets-Aktienindex. Falls die Anforderung bestehe, ein größeres Anlagerisiko einzugehen, so könnten hierfür gezielte Strategien in einem zusätzlichen "Satellite" implementiert werden.

Die "Satellites" würden viele Vorteile bieten, hätten aber aufgrund ihrer spezifischen Ausrichtung einen Nachteil: Weniger oder gar keine Liquidität. Investoren hätten jedoch immer noch ein wesentliches Liquiditätsreservoir in Form des "Cores" in ihrem Portfolio. Ein liquider "Core" muss nach Ansicht der Experten von Lombard Odier Investment Managers zu jeder Zeit in allen wichtigen Anlageklassen investiert sein, genauso wie ein traditionell ausgewogenes Portfolio. Er müsse aber auch das Kapital wirksamer schützen und eine größere Stabilität, als die "Satellites" bieten. Die Erfahrung der Experten zeige, dass es durchaus möglich sei, Risiken systematisch auszugleichen, Markttrends aktiv zu nutzen und - vor allem in schwierigeren Phasen - Risiken zu reduzieren. Hoch liquide Wertpapiere würden dies ermöglichen.

Abschließend stelle sich noch die Frage, wie Vermögenswerte innerhalb eines Portfolios zwischen langfristigen Positionen und einem liquiden "Core" allokiert werden sollten? Die Antwort sei einfach: Grundlage sollten die angestrebten Ziele des Anlegers sein. Dies müsse nach Auffassung der Experten übrigens ohnehin der Ausgangspunkt für alle Vermögensverwaltungen sein. Angesichts der aktuellen Herausforderungen am Markt müssten die Ziele der Investoren viel deutlicher als lediglich durch eine Benchmark ausgedrückt werden. Sie müssten nicht nur Liquiditätsanforderungen, wesentliche Einnahmen, Performanceziele und auch die Risikobereitschaft einschließen. Hinzu kämen selbstverständlich auch alle weiteren spezifischen Präferenzen des Vermögensinhabers. Ein solches Vorgehen erlaube es, die Performancetreiber eines Portfolios konstant zu aktualisieren, sodass einerseits Marktchancen genutzt und andererseits auch besser durch schwierigere Phasen navigiert werden könne. (14.11.2017/alc/a/a)