Gar nicht so niedrige Inflation


14.11.17 16:27
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - James Athey, Senior Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments, kommentiert die scheinbar niedrigen Inflationsraten und die damit verbundene Situation am Anleihenmarkt.

Die Renditen für lang laufende Anleihen seien niedrig, die Rendite-Kurven von Staatsanleihen hätten sich in der letzten Zeit rapide abgeflacht. Eine Erklärung hierfür sei die Sorge vor einer restriktiveren Geldpolitik der Zentralbanken zu Zeiten niedriger Inflation.

Was an dieser Geschichte jedoch komisch erscheine, sei, dass die Inflationsrate derzeit nicht wirklich als niedrig charakterisiert werden könne. In den USA, Großbritannien, Japan, China und der Eurozone liege nur die Inflationsrate der Eurozone unter ihrem 20-Jahresdurchschnitt (momentan 1,4% bei einem Durchschnitt von 1,67%). In all diesen Regionen steige die Inflation. Und aufgrund einer Verknappung der Arbeitsmärkte sowie steigender Öl- und Güterpreise sei es wahrscheinlich, dass die Inflation weiter steige.

Noch würden die nominalen Anleiherenditen hartnäckig auf einem niedrigen Niveau bleiben. Dies bereite mehr als geringen Anlass zur Sorge. Obwohl die Inflationsrate in der Eurozone bei 1,4% liege, kompensiere der deutsche Anleihenmarkt diesen Verlust an Kaufkraft nicht - nicht einmal annähernd. Tatsächlich müsse ein hohes Laufzeitrisiko in Kauf genommen werden, nur um eine positive Rendite erzielen zu können.

Das sei alles schön und gut, solange der Preis deutscher 10-jähriger oder aller anderen 10-jährigen Staatsanleihen nicht falle. Aber das könne heute nicht mehr als selbstverständlich angenommen werden. Die Zentralbanken würden beginnen, die vielen Jahre ihres aggressiven und unkonventionellen Stimulus zurück zu fahren. Gleichzeitig werde das Angebot an Staatsanleihen 2018 ansteigen. Vor diesem Hintergrund könnte sich netto ein Angebotsschock abzeichnen.

Höhere Inflation, höheres Angebot und geringere Nachfrage der Zentralbanken: Dies seien nicht die Voraussetzungen, die Anleger in die 'Sicherheit' 10-jähriger Staatsanleihen mit Renditen von 0,3% treiben würden. Wenn die Rendite zu den ökonomischen Bedingungen in solchem Ausmaß im Ungleichgewicht stehe, müsse dabei etwas auf der Strecke bleiben. Anleiheinvestoren, die auf Sicherheit gesetzt hätten, könnte ein schlimmes Erwachen bevorstehen, wenn die Rendite die Realität widerzuspiegeln beginne. (14.11.2017/alc/a/a)