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Der geldpolitische Kurs in der Eurozone wird sehr akkommodierend bleiben


03.09.21 10:30
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Angesichts der Tatsache, dass der Preisdruck kaum nachzulassen scheint, fragt sich Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management, wie lange die geldpolitischen Entscheidungsträger den Pirouetten der Preisspirale noch zusehen wollen.

Die Renditen von US-Staatsanleihen seien nach der Rede des FED-Chefs Jerome Powell auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole gesunken. Im Wesentlichen habe Powells Rede wenig neue Informationen enthalten, die über die jüngsten FED-Protokolle hinausgegangen seien: Er habe sich für ein Auslaufen der QE-Käufe ausgesprochen, sei aber hinsichtlich künftiger Zinserhöhungen zurückhaltend gewesen.

Mit Blick auf die Konjunkturaussichten habe sich Powell positiv zum Vorankommen der US-Wirtschaft geäußert. Er habe aber auch die Herausforderungen eingeräumt, denen sich der laufende Aufschwung gegenübersehe, wie etwa die Delta-Variante. Die Zusage, die Zinssätze so lange niedrig zu halten, bis maximale Beschäftigung und Preisstabilität erreicht seien, sei vom Markt mit Wohlwollen aufgenommen worden. Risikoanlagen seien gesucht gewesen, wobei US-Aktien neue Höchststände erreicht und sich die Kreditspreads verengt hätten.

Ungeachtet der Unsicherheiten in Bezug auf Covid-19, angespannter Lieferketten und Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen würden sich die Konjunkturdaten stabil zeigen. Das eklatante Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte daher das Potenzial haben, die Preise in naher Zukunft weiter nach oben zu treiben. Die Experten seien nach wie vor davon überzeugt, dass die US-Renditen zum Jahresende hin steigen würden.

Auch in der Eurozone würden die Preise klettern. Hier habe ein höher als erwartet ausgefallener Verbraucherpreisindex (+3 Prozent im Jahresvergleich gegenüber den erwarteten + 2,7 Prozent) die EZB-Falken auf den Plan gerufen. Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann, der niederländische Notenbank-Chef Klaas Knot und Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, allesamt Mitglieder des EZB-Rats, hätten auf die Aufwärtsrisiken für die Inflation hingewiesen. Überdies hätten sie ein Ende des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) der EZB und einen Stopp bei den geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen gefordert.

Es sei jedoch zu betonen, dass diese Personen zwar Einfluss in den Reihen der EZB hätten, die Politik aber offenbar immer noch stark von der Führungsspitze bestimmt werde. Die jüngsten Äußerungen von Philip Lane, Mitglied des Direktoriums sowie Chefvolkswirt der Notenbank, scheinen zwar darauf hinzudeuten, dass die PEPP-Käufe nach der geldpolitischen Sitzung im September verlangsamt werden könnten, so die Experten von BlueBay Asset Management. Doch sie würden auch bekräftigen, dass der allgemeine geldpolitische Kurs in der Eurozone sehr akkommodierend bleiben werde. (03.09.2021/alc/a/a)