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Nach der britischen Wahl: Zwei Szenarien für den Brexit und die europäischen Märkte


09.06.17 16:00
SYZ Asset Management

Genf (www.anleihencheck.de) - Die gestrige Parlamentswahl in Großbritannien ist so verlaufen, wie viele Experten es erwartet und befürchtet haben: Die Konservative Partei hat die meisten Stimmen erhalten, allerdings mit einem sehr geringen Vorsprung, so die Experten von SYZ Asset Management.

Dadurch habe Theresa May ihre Wette verloren, durch Neuwahlen eine neue, komfortable Mehrheit zu gewinnen. Die Experten hätten schon Anfang dieser Woche mit einem solchen Wahlausgang gerechnet, der durch ein "Hung Parliament" nicht nur die Brexit-Verhandlungen verkomplizieren sondern auch die Markterwartungen enttäuschen werde.

Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head des Multi-Asset-Teams, und Mike Clements, Leiter Europäische Aktien, beide bei SYZ Asset Management, würden ihre Analyse und Szenarien der politischen und marktwirtschaftlichen Auswirkungen des Wahlausgangs vorstellen:

Während Theresa May in den nächsten Wochen und Monaten dafür kämpft, an der Macht zu bleiben, dürfte insbesondere der Pound volatil sein, so Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head Multi-Asset Team bei SYZ Asset Management, über die möglichen politischen Folgen der gestrigen Wahl. Seiner Ansicht nach werde May extreme Schwierigkeiten haben, sich im Amt zu halten, denn das Wahlergebnis stelle ein klares Misstrauensvotum der britischen Wähler gegenüber der Premierministerin dar. Innerhalb der Konservativen Partei sei daher mit ziemlich viel Gezänk und Schuldzuweisungen zu rechnen.

Zwar würden die Konservativen von einer Koalition mit der Tory-freundlichen Democratic Unionist Party (DUP), der größten protestantischen Partei Nordirlands, profitieren. Denn damit hätten sie im House of Commons genug Sitze für eine Mehrheit. Jedoch seien solche Koalitionen zerbrechlich und würden die Verhandlungen um den Brexit mit Sicherheit erschweren.

Wahlen seien überhaupt erst angesetzt worden, damit die Premierministerin durch eine größere Tory-Mehrheit mehr Flexibilität bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) erhalte. Diese Flexibilität werde bei einer sehr knappen Mehrheit im Parlament und der DUP als Koalitionspartner - diese sei mehrheitlich dem Lager der Brexit-Befürworter "Brexiteers" zuzuordnen - wesentlich schrumpfen.

Zwei verschiedene Szenarien seien nach Ansicht des Experten möglich: Entweder gebe es einen vollständigen und harten Brexit, der von den "Brexiteers" unter den Konservativen und der DUP geführt werde, oder die Verhandlungen mit den europäischen Partnern - wenn diese eine Verlängerung der Gespräche nach zwei Jahren überhaupt erlauben würden - würden sich endlos in die Länge ziehen, vielleicht sogar bis zur nächsten Parlamentswahl, verursacht durch die Spaltungen innerhalb der Tory Party und die eindeutigen Schwächen, die mit einer Koalition verbunden seien.

Die britische Wahl hat zwar politische Schockwellen verursacht, aber nicht genug, um die britischen oder europäischen Märkte in Bewegung zu versetzen, die diesen Morgen höher handelten, so Mike Clements, Leiter Europäische Aktien bei SYZ Asset Management, über die Konsequenzen der Wahl über die Märkte. Er sehe mittelfristiges Potenzial für Chancen in Großbritannien, je nachdem, welche Erfolge die neue britische Regierung bei den Brexit-Verhandlungen erziele. Unklar sei allerdings, inwiefern das dramatische Ergebnis von gestern Marktstürze wahrscheinlich mache.

Einerseits sei Großbritannien dank Theresa Mays gescheiterten Versuchs, eine größere Mehrheit zu bekommen, nun in einer schwächeren Verhandlungsposition mit der EU als vorher. Andererseits steige mit diesem Ergebnis die Wahrscheinlichkeit, dass das Land größere Kompromisse mit der EU werde eingehen müssen. Dies würde eher einen "sanften" anstelle eines "harten" Brexit bedeuten und das Risiko einer akuten Volatilität verringern.

Das Risiko von Kursdifferenzen auf den Märkten bestünde in dem Fall, wenn ein Verhandlungsengpass ein politisches Patt und dementsprechend eine Marktpanik verursache. Die beste Haltung für Investoren laute nach Meinung des Experten: Ruhig bleiben und weitermachen. SYZ Asset Management werde die Entwicklungen weiterhin beobachten und Volatilitätsmomente für attraktive Markteinstiege suchen und bewerten. (09.06.2017/alc/a/a)