Zurück zur Inflation?


08.03.18 13:00
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - "Die Wirtschaft rächt sich immer", stellte der ehemalige französische Premierminister Raymond Barre fest, als er in seinen Memoiren an die Auswirkungen der politischen Entscheidungen auf das Wirtschaftsleben erinnerte

Sollte diese Behauptung aus einem anderen Jahrhundert auch auf die Arbeit der Zentralbanken in den letzten zehn Jahren zutreffen?

Die Währungshüter seien in den letzten Jahren so sehr mit der Bekämpfung der Sorgen über eine Deflation beschäftigt gewesen, dass man fast vergessen hätte, dass es so etwas wie eine Inflation geben könnte. Noch zu Beginn dieses Jahres hätten nur wenige Anlagestrategien davor gewarnt, während sich nunmehr alle fragen würden, ob die Rückkehr einer seit den 70er Jahren verschwundenen Geißel möglich wäre.

Der Rentenmarkt, der am empfindlichsten auf den zukünftigen Wert geliehenen Geldes reagiere, habe logischerweise als Erster Anzeichen von Beunruhigung gezeigt. Nachdem 10-jährige US-Staatsanleihen nach der Wahl von Donald Trump zwischen 2,00 und 2,60% geschwankt hätten, liege ihre Rendite heute bei fast 3,00% - dem höchsten Stand seit vier Jahren. In Frankreich sei die Rendite der OAT infolge der Ängste im Vorfeld der Wahl ebenfalls auf ein bis dato unbekanntes Niveau (1,00%) gestiegen.

Dieser Anstieg der langfristigen Zinsen habe zu einem Wiederanstieg der Volatilität auf den Märkten für Risikoaktiva geführt. Das gehe so weit, dass der Begriff "Volatilität" wieder auf den Titelseiten aller Zeitungen prange, insbesondere seitdem ihre Verkörperung, der VIX2, 50% überschritten und erneut seinen Stand von 2008 erreicht habe. Die Volatilität stehe für die Neigung des Marktes, mehr oder weniger heftig zu schwanken. Während der S&P 500 im Jahr 2017 nur acht Handelstage mit Schwankungen über plus oder minus 1% erlebt habe, seien es dieses Jahr bereits 13! Tatsächlich seien jedoch das Jahr 2017 und sein spektakuläres Fehlen von Volatilität - begleitet von seiner Vielzahl von strukturierten Produkten, die auf die Fortsetzung dieses Zyklus spekuliert hätten - "anormal" gewesen: Ein Preisanstieg von über 2% in den Vereinigten Staaten sei just der Auslöser für eine Rückkehr zur Normalität gewesen.

Wenn die Rückkehr der Inflation auch noch ungewiss erscheinen möge, so gebe es doch zahlreiche Gründe, daran zu glauben: Ein synchrones weltweites Wachstum, eine sinkende Arbeitslosigkeit, ein bisweilen deutlicher Anstieg der Löhne und Gehälter, wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten (+11% des Mindestlohns bei Wells Fargo), der weltweite Anstieg der Rohstoffpreise oder auch die verminderte Fähigkeit Chinas, seinen Preisdruck zu exportieren.

Der Anstieg der Löhne und Gehälter im Zusammenspiel mit einer offiziell niedrigen Arbeitslosenquote seien eine der natürlichen und klassischen Erklärungen für eine Rückkehr der Inflation. Was dieses Thema betreffe, stehe Europa den Vereinigten Staaten gegenüber in nichts nach und es sei frappierend, dass die für ihre große Besonnenheit in Gehaltsfragen bekannte IG Metall kürzlich eine allgemeine Gehaltserhöhung von 4,3% durchgesetzt habe und dass sich bei Lufthansa eine Anhebung von möglicherweise bis zu 6% abzeichne. Es sei ein Thema, das auch in Frankreich aktuell sei, wo - wenn man der Analyse der Internet-Suchbegriffe Glauben schenke - der Begriff "augmentation salaire" (Gehaltserhöhung) bei Google France so häufig gesucht worden sei wie seit 15 Jahren nicht mehr!

Die Experten von La Financière de l'Echiquier fragen sich, ob die Anleger nun also - nachdem sie schon an ein völliges Verschwinden der Inflation geglaubt hatten - zu der Überzeugung gelangen werden, dass wir uns einem gefährlichen Inflationszyklus nähern. Zweifellos nicht so schnell, wie es uns die jüngste Volatilität des Marktes glauben machen könnte, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Jedoch sind wir gewarnt und werden uns auf die Suche nach jenen Unternehmen begeben, die in der Lage sind, ihre Preise anzupassen, und diese im Auge behalten, ebenso wie die Finanzgesellschaften, die die natürlichen Nutznießer des Wiederanstiegs der langfristigen Zinsen sein werden, so die Experten von La Financière de l'Echiquier.

"Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben", soll Mark Twain gesagt haben, als die Nachricht über seinen Tod in den Zeitungen erschien, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Dies lasse sich ohne größeres Risiko auch über die Zyklen oder die Inflation sagen! (08.03.2018/alc/a/a)