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Zittern vor der FED-Sitzung


04.05.22 16:00
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Weltweit warten Anleger gespannt auf die Ergebnisse der FED-Sitzung, die heute stattfindet, so Timo Nützel vom Anlegermagazin "Der Aktionär".

Neben der erwarteten Zinsanhebung um 0,5 Prozentpunkte dürften aber besonders die Signale zur Inflationsentwicklung und der US-Konjunktur wichtig werden. Schwache Arbeitsmarktdaten und das Handelsbilanzdefizit auf Rekordniveau würden jedoch gerade Sorgen bereiten.

Die Unternehmen hätten im April weit weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet, wie das Gehaltsabrechnungsunternehmen ADP am Mittwoch mitgeteilt habe. Die Zahl der Beschäftigten in der Privatwirtschaft sei im April nur um 247.000 gestiegen und habe damit deutlich unter der Dow-Jones-Schätzung von 390.000 gelegen. Dies sei ein deutlicher Rückgang gegenüber dem März gewesen, in dem ein nach oben korrigierter Zuwachs von 479.000 verzeichnet worden sei.

Die Enttäuschung sei in erster Linie auf einen Rückgang bei den Einstellungen in Kleinunternehmen zurückzuführen, die weniger als 50 Beschäftigte hätten. Hier sei ein Rückgang von 120.000 Stellen zu verzeichnen gewesen. Besonders akut sei das Problem bei den Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten gewesen, die im April 96.000 Mitarbeiter verloren hätten.

Für die FED-Sitzung heute Abend seien das nicht die besten Vorboten. Denn wesentlich wichtiger als die am Markt bereits eingepreiste Zinsanhebung von 0,5 Prozentpunkten seien die Signale der Notenbank zur Inflationsentwicklung und der US-Konjunktur, habe Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect gesagt. "Der Drahtseilakt zwischen Inflationsbekämpfung und der Konjunkturstabilisierung in den USA ist wegweisend für die internationalen Finanzmärkte."

Das Außenhandelsdefizit der USA habe im März erneut einen Rekordstand erreicht. Das Defizit sei auf 109,8 Milliarden Dollar gestiegen, habe das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mitgeteilt. Das sei der höchste jemals ermittelte Wert. Volkswirte hätten im Schnitt mit einem Defizit von 107,1 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vormonat habe das Defizit bei leicht aufwärts revidierten 89,8 Milliarden Dollar gelegen.

US-Staatsanleihen seien am Mittwoch vor der Zinsentscheidung derweil mit leichten Verlusten in den Handel gestartet. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) sei zu Handelsbeginn um 0,07 Prozent auf 118,44 Punkte gefallen. Der DAX habe am Nachmittag mit 14.041 Punkten nur knapp über dem Vortagesschluss gestanden. Futures auf den Dow Jones und den S&P 500 würden auch nach der Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten jeweils 0,2 Prozent im Plus notieren. (04.05.2022/alc/a/a)