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Zinswende dürfte nur in gemächlichem Tempo erfolgen


02.02.18 12:15
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Der Weltwirtschaft geht es ausgezeichnet und die Wachstumsprognosen werden laufend nach oben angepasst, so die Experten von Swisscanto Invest.

In der Eurozone würden die Konjunkturindikatoren weiterhin positiv überraschen. Die Inflation bleibe vorerst niedrig, weshalb seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) kein Grund zu einer Kursänderung bestehe. Auch in den USA laufe es konjunkturell nach wie vor rund und die Ende 2017 verabschiedete Steuerreform werde das Wachstum in diesem Jahr zusätzlich verstärken. Im Sog der Industrieländer würden auch die Schwellenländer eine Wachstumsbeschleunigung erfahren. China sei im vergangenen Jahr mit einer Rate von 6,9 Prozent solide gewachsen. Damit vermochte das Land das Regierungsziel von 6,5 Prozent klar zu übertreffen, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die Diskussionen und Spekulationen, wonach wichtige Notenbanken ihre Zinsen früher als bisher erwartet anheben könnten, hätten sich intensiviert. An den Anleihenmärkten hätten die Renditen nach oben tendiert. In der Schweiz sei die Rendite der langfristigen Eidgenossen (Staatsanleihen) erstmals seit Monaten wieder über die Nulllinie gestiegen. Trotz leicht anziehender Inflationserwartungen dürfte die Zinswende in gemächlichem Tempo erfolgen. Die Aktienmärkte hätten einen fulminanten Jahresauftakt verzeichnet und bereits kräftige Kursgewinne verbucht. Die Aktienanalysten hätten die Gewinnerwartungen in den vergangenen Wochen kräftig nach oben geschraubt. Allen voran in den USA habe die Verabschiedung der Steuerreform den Gewinnschätzungen noch einen zusätzlichen Schub verliehen.

Der US-Dollar habe auch im Januar seine Schwächephase fortgesetzt. Der US-Finanzminister habe entschieden erklärt, ein schwächerer US-Dollar stehe im Einklang mit dem Mantra "America First". Allerdings sei es nicht nur eine US-Dollar-Schwäche, die man aktuell sehe, sondern auch eine Euro-Stärke. Die gute, breit abgestützte Konjunkturlage in der Eurozone und die damit im Zusammenhang stehenden Diskussionen über ein Rückzug der EZB aus ihrer ultra-expansiven Geldpolitik hätten bewirkt, dass der EUR/USD-Kurs im Januar ein 3-Jahres-Hoch erreicht habe.

Nach Ansicht der Experten von Swisscanto Invest ist der Euro nun aber korrekturanfällig. Beispielsweise seien die Netto-Long-Positionen nichtkommerzieller Händler auf ein seit Jahren nicht mehr gesehenes Niveau gestiegen. Leicht enttäuschende Konjunkturzahlen oder eine Intensivierung geopolitischer Spannungen würden eine Gegenbewegung wahrscheinlich machen. Zudem werde ein weiterer Anstieg der Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone erwartet. Auch aus dieser Warte betrachtet, habe der Euro Korrekturpotenzial.

Generell hätten die Aktienmärkte einen Blitzstart ins neue Jahr verzeichnet und bereits kräftige Kursgewinne verbucht. Der Optimismus der Anleger gründe zur Hauptsache auf den ausgezeichneten Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft und daraus abgeleitet auf den hervorragenden Gewinnaussichten. Die Aktienanalysten hätten die Gewinnerwartungen in den vergangenen Wochen denn auch kräftig nach oben geschraubt. Allen voran in den USA habe die Verabschiedung der Steuerreform den Gewinnschätzungen nochmals zusätzlichen Schub verliehen. Für das gesamte Jahr 2018 rechne der Konsens nun mit einem Gewinnwachstum bei den US-Unternehmen von mehr als 18 Prozent und einem Umsatzwachstum von 6 Prozent.

Aber auch im der Rest der Welt würden sich die Gewinnaussichten hervorragend präsentieren, weshalb man an den Aktienmärkten, trotz der hohen Bewertung und dem abnehmenden geldpolitischen Rückenwind, immer noch mit moderatem Aufwärtspotenzial rechne. Aufgrund der starken Kursgewinne seien die meisten Aktienmärkte aus technischer Sicht überkauft, wodurch das Risiko eines Rücksetzers zugenommen habe. Mehr als eine temporäre Korrektur sei ohne eine Eintrübung des Konjunkturbilds aber nicht zu befürchten.

Auch japanische Aktien hätten einen starken Jahresauftakt erlebt. Die Experten von Swisscanto Invest erachten den Markt weiterhin als attraktiv. Grund dafür sei nicht nur, dass die Unternehmen überdurchschnittlich von der globalen Konjunktur profitieren dürften. Zudem liefere die Binnenwirtschaft fortwährend Anzeichen von Stärke. Die Arbeitslosenquote sei niedrig und die Löhne würden langsam, aber stetig ansteigen, sodass bereits erste Spekulationen über eine baldige geldpolitische Wende eingesetzt hätten. Die Bank of Japan habe allerdings deutlich gemacht, dass sie bis auf weiteres expansiv bleiben werde. Neben dem konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Rückenwind gebe es einen weiteren positiven Faktor: Die Unternehmen seien dabei, ihre Profitabilität zu verbessern.

An den Anleihenmärkten hätten die ausgezeichneten konjunkturellen Aussichten erstmals seit längerer Zeit zu einem spürbaren Zinsanstieg geführt. In den USA habe die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen in den letzten Tagen den höchsten Stand seit Herbst 2014 erreicht und auch in der Schweiz sei die Rendite der langfristigen Eidgenossen erstmal seit Monaten wieder über die Nulllinie gestiegen. Neben den konjunkturellen Verbesserungen würden auch gestiegene Inflationserwartungen eine Rolle spielen. Die Experten von Swisscanto Invest halten den Anstieg der Renditen für nachhaltig, rechnen in den kommenden Monaten aber nur noch mit leicht höheren Renditen. Die Zinswende dürfte also nur in gemächlichem Tempo erfolgen. In den USA habe das Renditenniveau der 10-jährigen Staatsanleihen die Jahresprognose der Experten von 2,7 Prozent schon fast erreicht. (02.02.2018/alc/a/a)