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Zinswende: Trendsetter in Zentralosteuropa


09.07.21 17:12
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Teuerung lag insbesondere in Ungarn und Polen zuletzt mehrfach deutlich oberhalb der von den Notenbanken angestrebten Marken, die jeweils einen Toleranzbereich von +/-1 Prozentpunkt umfassen: Ungarn verzeichnete bei einem Zielwert von 3% bis zu 5,3%, Polen 4,7% (Ziel: 2,5%), so Marion Dezenter von der Helaba.

Tschechien habe sein Inflationsziel von 2% nur im April (3,1%) gerissen. Wenngleich damit die Inflationsspitzen erreicht sein dürften, würden die Jahresdurchschnitte in Ungarn und Polen den Zielbereich wohl überschreiten, während Tschechien innerhalb der Grenze bleibe. Ursachen seien vor allem die beschleunigte Konjunkturdynamik mit einer entsprechend gestiegenen Nachfrage und höhere Energiepreise, die sich u.a. in den Transportkosten sowie den Erzeuger- und Dienstleistungspreisen niederschlagen würden.

Die Ungarische Notenbank sei in ihrer Sitzung am 22. Juni mit der ersten Leitzinserhöhung seit 2011 vorgeprescht (von 0,6% auf 0,9%). Schon im Mai habe sie erklärt, für einen restriktiveren Kurs bereit zu sein, um die Preisstabilität zu sichern. Mit der Veröffentlichung des neuen Inflationsreports, der höhere Prognosewerte für Wachstum und Preise beinhalte, habe sie die Wende vollzogen und weitere Schritte in Aussicht gestellt.

Auch die Zinsstraffung der tschechischen Notenbank einen Tag später sei nicht unerwartet gekommen. Hier sei der Leitzins von 0,25% auf 0,5% gestiegen. Vor dem pandemiebedingten Konjunktureinbruch habe die Notenbank bereits ab 2017 in mehreren Schritten eine Normalisierung des Zinsniveaus angestrebt und den Leitzins bis auf 2,25% im Februar 2020 angehoben. Hier würden die Analysten der Helaba ebenso bis Jahresende weitere Zinsschritte erwarten, sofern die wirtschaftliche Erholung intakt bleibe.

Die Polnische Zentralbank habe nun einen anderen Weg gewählt: In der Sitzung am 8. Juli habe sie den Leitzins auf dem seit Mai 2020 geltenden Niveau von 0,1% gehalten. Notenbankchef Glapiński habe auf den transitorischen Charakter der Inflation verwiesen und betont, Ausmaß und Stabilität des Konjunkturaufschwungs seien noch unsicher. Die Analysten der Helaba würden jedoch von einem Zinsschritt bis zum Jahresende ausgehen. Aus der im Vergleich zur EZB frühen Zinsstraffung in den zentraleuropäischen Ländern - bei fortgeführten Staatsanleihekäufen in Polen und Ungarn - resultiere eine Tendenz zu festeren Wechselkursen zum Euro. Ungarischer Forint und Polnischer Zloty dürften jedoch bei wiederkehrenden Reibereien mit der EU weiterhin eine erhöhte Volatilität aufweisen. (09.07.2021/alc/a/a)