Zinssituation hat sich nochmals verschärft


05.09.19 09:00
Raiffeisen Centrobank

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Zinssituation hat sich in den letzten Wochen nochmals verschärft und stellt die Anleger vor große Herausforderungen, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.

Die Renditeniveaus am Eurozone-Anleihenmarkt hätten dieses Jahr historische Dimensionen erreicht. So sei die Sekundärmarkt-Rendite der 10-jährigen österreichischen Staatsanleihe am 18. Juni erstmalig in negatives Terrain gefallen. Mittlerweile handle das Wertpapier bei einer Rendite von -0,48%! Für eine Investition in die deutsche 10-jährige "Benchmark"-Anleihe müssten Anleger aktuell gar einen jährlichen "Strafzins" von -0,72% - ohne Berücksichtigung der Inflation - in Kauf nehmen. Diese Entwicklung spiegele sich naturgemäß auch im für Banken relevanten Swap-Satz wider.

Für diese Marktsituation seien im Wesentlichen drei Erklärungsstränge auszumachen:

- Geringer Inflationsdruck und niedriges Wirtschaftswachstum würden ein strukturell niedriges Renditeumfeld begünstigen.

- Zusätzlich habe die jahrelange Nullzinspolitik und das Anleihekaufprogramm der EZB für ein Abschmelzen der Marktzinsen, der Laufzeitenprämie und der Risikoaufschläge gesorgt.

- Zuletzt hätten die aufkeimenden Wachstumsängste zu einem weiteren Renditerutsch geführt, da sowohl die EZB als auch die US-Notenbank FED einen Meinungsschwenk vollzogen und eine geldpolitische Lockerung in Aussicht gestellt hätten. Die FED habe mittlerweile in ihrer Sitzung im Juli 2019 erstmal seit der Finanzmarktkrise 2009 den Leitzins gesenkt, weitere Leitzinssenkungen würden vom Markt eingepreist. (Ausgabe vom 04.09.2019) (05.09.2019/alc/a/a)