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Zinsprojektionen für 10-jährige Bunds unverändert belassen


19.07.21 12:29
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Trotz anziehender Inflationsraten haben sich die mittelfristigen Inflationserwartungen zwischenzeitlich wieder zurückgebildet, so die Analysten der National-Bank AG.

Dies zeige zum einen, dass die Märkte die Inflationsgefahren analog zur Einschätzung der US-Notenbank als begrenzt einschätzen würden und habe zum anderen bewirkt, dass die Renditen der Staatsanleihen selbst in den USA zwischenzeitlich wieder erkennbar abgesunken seien.

Angesichts der hohen konjunkturellen Dynamik und höherer Inflationsrisiken würden die Analysten auch weiterhin davon ausgehen, dass die Notenbank in den Vereinigten Staaten zumindest früher als bisher von den Märkten erwartet damit beginnen werde, die Geldpolitik zu straffen: Die Diskussionen über ein Zurückfahren der Anleihenkäufe hätten nunmehr begonnen, der konkrete Zeitpunkt für ein Tapering sei aber datengetrieben und derzeit noch nicht genauer bestimmbar.

Wie von den Analysten erwartet, werde die EZB ihre geldpolitische Linie b.a.W. nicht restriktiver gestalten, ganz im Gegenteil: So sei EZB-Chefin Lagarde im Rahmen der Neufestsetzung der geldpolitischen Strategie der EZB sogar noch in die Offensive gegangen. Sie nutze dazu einmal mehr den legitimatorischen Windschatten der US-Notenbank, um ihre sehr expansive Geldpolitik fortzusetzen. Analog zur FED wolle die EZB zumindest temporär mehr Inflation zulassen als bislang - fußend auch auf den Erfahrungen persistent niedriger Inflation.

Dabei vollziehe die ehemalige französische Finanzministerin offenkundig den Schwenk von einem konsensualen zu einer mehrheitsorientierten Geldpolitik. Letztere sei mit Blick auf die Stimmverhältnisse im Rat klar mit einer expansiven Bias versehen. Darüber hinaus zeichne sich immer deutlicher ab, dass viele der Pandemie-Notmaßnahmen - möglicherweise in anderer Firmierung - Bestand haben würden. Zuletzt hätten sich die Stimmen vieler Südländer gemehrt, die an vielen der Notmaßnahmen auch in den kommenden Jahren festhalten möchten. Insofern würden sich die stabilitätsorientierteren Länder wie Deutschland schwer tun, einen grundsätzlichen Kurswechsel durchzusetzen.

Derzeit, so scheine es zumindest, sei der Trend zu einem Paradigmenwechsel in der Geldpolitik nicht aufzuhalten. Getragen werde letzterer vor allem vom Argument sinkender Realzinsen, die eine ceteris paribus niedrigere Zinsvorgabe erfordere. Studien der Bank für internationalen Zahlungsausgleich würden nach Erachten der Analysten eindrucksvoll belegen, dass zumindest das empirische Fundament für diese Argumentation mehr als wacklig erscheine: Auf Basis der Studien der Baseler Bankenaufsicht seien es vor allem auch die Notenbanken selbst, deren sehr expansive Geldpolitik insbesondere nach der Lehman-Krise den Verfall der Realzinsen bewirkt haben könnte. Dies beleuchte die Gefahren eines immer expansiveren Gebarens der Notenbanken, das sich vor allem in Europa immer mehr auch strukturell-institutionell verfestige.

Der internationale Zinsverbund dürfte auch in Europa für einen grundsätzlichen Zinsanstieg führen, welcher aber deutlich geringer ausfallen werde als in den USA. Die Analysten würden ihre Zinsprojektionen unverändert bei -0,1% für die 10-jährigen Bunds bzw. bei 2,0% für die US-Treasuries gleicher Laufzeit belassen. (Ausgabe vom 16.07.2021) (19.07.2021/alc/a/a)