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Zinsniveau auf beiden Seiten des Atlantiks deutlich nachgegeben


07.01.19 12:08
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Betrachtet man den US-Dollar-Wechselkurs, könnte man meinen, dass der Euro über Weihnachten und zwischen den Jahren ein paar ruhige Tage verbracht hat, so die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Dem sei aber mitnichten so. Denn der Euro habe nicht nur am letzten Freitag seinen 20. Geburtstag gefeiert. Damals sei er übrigens mit 1,1789 ins Rennen gegangen, unweit dessen, wo er sich heute befinde. Es seien zudem auch eine ganze Reihe weiterer Daten veröffentlicht worden, die den Wechselkurs in den letzten Tagen bewegt hätten. Am stärksten habe den Euro am 2. Januar die Nachricht beeinflusst, die EZB habe eine italienische Bank unter Zwangsverwaltung gestellt, nachdem diese ihr Eigenkapital nicht wie gefordert habe erhöhen können. Sorgen um Italien seien lauter geworden, der Euro habe an dem Tag über 1 Prozent zum US-Dollar verloren.

Allerdings könnten auch die unerwartet schwachen Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe am ersten Handelstag des neuen Jahres den Euro unter Druck gebracht haben. Insbesondere nachdem die deutsche Inflation zum Jahresende die Erwartungen der Volkswirte enttäuscht habe und auf eine Steigerungsrate von 1,7 Prozent im Dezember zurückgefallen sei. Andererseits hätten die US-Stimmungsindikatoren in der letzten Woche ebenfalls nicht überzeugen können, und so habe der Wechselkurs alles in allem unter Schwankungen seit dem 22. Dezember hauptsächlich seitwärts gehandelt.

Auffällig sei allerdings gewesen, dass das Zinsniveau auf beiden Seiten des Atlantiks in den letzten Tagen deutlich nachgegeben habe. Die zehnjährige Bundesanleihe sei mit zwischenzeitlich 0,14 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2017 gefallen. Die zehnjährige US-Staatsanleihe habe mit 2,54 Prozent so niedrig wie seit Jahresstart 2018 nicht mehr rentiert. Am Donnerstagabend sei die laufende Verzinsung zweijähriger US-Staatsanleihen sogar unter die Marke des Interbankenzinses der FED gefallen - zum ersten Mal seit 2008. Der US-Zinsmarkt habe damit erneut signalisiert, worauf der Aktien- und der Unternehmensanleihemarkt in den USA ebenfalls hindeuten würden: dass das Rezessionsrisiko hoch sei. Dem entgegen habe sich am Freitagnachmittag allerdings der US-Arbeitsmarktbericht gestellt. Demnach seien in den USA im Dezember 312.000 neue Stellen geschaffen worden. Der durchschnittliche Stundenlohn sei im Jahresvergleich um 3,2 Prozent gestiegen, höher habe dieser Wert zuletzt in 2009 gelegen. Die laufenden Verzinsungen seien in der Folge deutlich angestiegen und hätten den US-Dollar stützen können. (07.01.2019/alc/a/a)