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Zinsen: Bedenkliche Signale aus den USA


15.11.21 09:45
Der Anlegerbrief

Krefeld (www.anleihencheck.de) - Die Hoffnung, dass die Inflation in den USA den Höhepunkt bereits überschritten hat, hat sich nicht erfüllt, so die Experten von "Der Anlegerbrief".

Die Preissteigerungsrate sei im Oktober auf 6,2% gestiegen, das höchste Niveau seit mehr als 30 Jahren. Die FED dürfte damit unter Druck geraten, die geldpolitische Wende zu beschleunigen. Am US-Anleihenmarkt herrsche allerdings Gelassenheit, wobei die jüngste Kursentwicklung durchaus als Warnung verstanden werden könne - aber nicht vor einer ausufernden Inflation, sondern vor schwachem Wachstum.

Zuletzt hätten sich in den USA vor allem Güter für Grundbedürfnisse deutlich verteuert, u.a. Lebensmittel und Gas. Statt, wie erhofft, wieder zu fallen, habe die Inflationsrate infolgedessen weiter angezogen, von zuvor 5,4 auf 6,2%. Doch es seien nicht nur die relativ volatilen Energie- und Lebensmittelpreise, die die Preissteigerungsrate nach oben treiben würden. Denn die um diese Komponenten bereinigte Kernrate liege mit 4,6% (Vormonat 4,0%) zwar etwas niedriger, aber ebenfalls auf einem 30-Jahreshoch.

Ob die FED jetzt die Ankäufe festverzinslicher Wertpapiere schneller beende - nach aktuellen Planungen könnte das Programm im nächsten Juni auslaufen - oder frühere Zinserhöhungen erwäge, sei noch offen. Am Markt für US-Staatsanleihen herrsche Gelassenheit. Als Reaktion auf die Inflationsdaten seien vor allem die kurzfristigen Zinsen für 2-jährige nach oben geschnellt, zurück in Richtung des Anfang November markierten Mehrjahreshochs. Auch die Renditen für 10- und 30-jährige Papiere seien etwas gestiegen, doch diese hätten sich im Vorfeld kaum erholt. Damit sei die Zinsstrukturkurve noch flacher geworden, was - vor dem Hintergrund hoher Inflationsdaten - als relativ klares Indiz für abnehmende Wachstumserwartungen gewertet werden könne.

Die US-Inflation sei auf ein Niveau gestiegen, das die meisten Analysten so nicht erwartet hätten. Dennoch könnte sich die Lage bald beruhigen - dafür könnte die abnehmende Konjunkturdynamik sorgen, mit der sich vermutlich auch die Engpassprobleme etwas entspannen würden. Die immer flacher werdende Zinsstrukturkurve in den USA werten wir jedenfalls als Hinweis auf abnehmende Wachstumserwartungen, so die Experten von "Der Anlegerbrief". Für Aktien sei das nur eine gute Nachricht, wenn das ein temporäres Phänomen darstelle. (Ausgabe 44 vom 12.11.2021) (15.11.2021/alc/a/a)