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Die Zentralbanken wehren sich gegen Zinsen


10.11.21 12:09
Generali Investments

Köln (www.anleihencheck.de) - Angesichts steigender Zinserwartungen hat das Lager der zurückhaltenden Zentralbanken zurückgeschlagen, so Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments.

Die US-Notenbank FED habe eine Reduzierung der quantitativen Lockerung angekündigt, sei aber bei ihrer Darstellung eines weitgehend vorübergehenden Inflationsanstiegs geblieben. EZB-Präsidentin Lagarde sei dazu übergegangen, Zinserhöhungen als 'höchst unwahrscheinlich' zu bezeichnen, nachdem sie auf der vorangegangenen EZB-Sitzung eine schlecht durchdachte Mitteilung gemacht habe. Nachdem die BoE wochenlang Spekulationen über eine Zinserhöhung angeheizt habe, habe sie die Märkte verwirrt zurückgelassen, indem sie den Leitzins mit einem klaren 7:2-Votum unverändert gelassen habe. Und die Reserve Bank of Australia, die die Märkte zuvor mit der Kapitulation vor ihrem 3-jährigen Renditeziel aufgeschreckt habe, habe den Erwartungen einer baldigen Zinserhöhung widersprochen.

Die Zentralbanken seien zu Recht besorgt, da die Märkte zunehmend das Risiko eines politischen Fehlers einpreisen würden. Die Währungshüter hätten auch von den rückläufigen Energiepreisen profitiert, nachdem Russland angekündigt habe, seine Gasverkäufe zu erhöhen, was einen Umschwung bei den Inflationserwartungen mit sich gebracht habe. Die Unsicherheiten über die Geldpolitik würden sich jedoch nicht so schnell auflösen. Es bleibe abzuwarten, ob die Energieknappheit und die Unterbrechung der Versorgungskette anhalten würden.

Die Zentralbanken seien schlecht gerüstet, um angebotsseitige Preisschocks zu bewältigen, müssten aber dennoch ihre Bereitschaft für das Erreichen der Inflationsziele signalisieren, was ihre Kommunikationsfähigkeiten herausfordern dürfte. Zudem würden die neuen politischen Rahmenbedingungen der FED und der EZB die Angelegenheit erschweren. Die Zinssätze der EZB und der BoE scheinen immer noch überbewertet zu sein, stellen Sie sich also auf eine erhöhte Unsicherheit im Zuge auf die Aktionen der Zentralbanken ein, so die Experten von Generali Investments. (10.11.2021/alc/a/a)