Zentralbanken in der Falle: Wann stürzt das Kartenhaus der ultralockeren Geldpolitik ein?


01.11.19 12:25
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbanken haben ein Problem: Sie haben mit ihrer ultralockeren Geldpolitik jahrelang Geld in die Wirtschaft gepumpt und damit künstlich Wachstum produziert, doch langsam zeichnet sich ab, dass diese Maßnahmen auf Dauer nicht funktionieren, so die Experten von LYNX Broker.

Sowohl in Europa als auch in den USA bleibe das Wirtschaftswachstum hinter den Erwartungen zurück. Und was würden die Zentralbanken tun? Sie würden weiter fleißig die Zinsen senken, in einem verzweifelten Versuch, nicht in die Falle zu tappen, die sie selbst gegraben hätten.

"Gesundes Wirtschaftswachstum zeichnet sich dadurch aus, dass profitable Unternehmen weiter wachsen, während unrentable Geschäftsmodelle verschwinden. Niedrige Kreditzinsen greifen in diesen Mechanismus ein. Nach all den Jahren der ultralockeren Geldpolitik hängen in den USA und in Europa tausende kranke Unternehmen am Tropf der Banken, die sonst schon längst hätten aufgeben müssen. Das wissen auch die Zentralbanken, finden jetzt allerdings keine Möglichkeit mehr zum Absprung", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX die Situation.

Sadowski befürchte: "Wird die ultralockere Geldpolitik jetzt beendet löst das eine Kettenreaktion aus, die uns direkt in die nächste große Depression befördern könnte. Zuerst würden die verschuldeten Unternehmen, die heute nur noch dank Krediten überleben, aufgeben müssen. Damit wäre jedoch noch lange nicht Schluss, denn diese sogenannten Zombies könnten auch die Banken mit in den Abgrund reißen, wenn sie bestehende Kredite nicht mehr durch frisches Geld bedienen können. Neben der plötzlich in die Höhe geschossenen Arbeitslosigkeit müssten wir uns also auch noch mit einer neuen Bankenkrise befassen - und diesmal stehen den Zentralbanken weit weniger Möglichkeiten zur Verfügung, um die Effekte für die Wirtschaft abzufedern, als beim letzten Mal, denn aktuell schöpfen sie ihr Waffenarsenal bereits aus."

Die FED und die EZB dürften diese Befürchtungen teilen, denn ein Kurswechsel sei weder dies- noch jenseits des Atlantiks in Sicht. Im Gegenteil: Die FED habe in dieser Woche die Zinsen um weitere 0,25 Prozentpunkte gesenkt und in Europa wolle Christine Lagarde als neue EZB-Chefin den Kurs ihres Vorgängers beibehalten, wenn nicht sogar verschärfen. "Wir können nur hoffen, dass die Medizin der Zentralbanken noch eine Weile wirkt und das teuer erkaufte Wachstum anhält. Denn sollte die ultralockere Geldpolitik einmal ihr Ziel verfehlen, können wir uns auf eine große und lange Rezession gefasst machen." (01.11.2019/alc/a/a)