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Zentralbanken: Abwarten ist keine Option


03.05.22 10:15
Fürst Fugger Privatbank

Augsburg (www.anleihencheck.de) - Zu Anfang des Jahres war noch von Boomwirtschaft und Vollbeschäftigung in den USA die Rede, so die Analysten der Fürst Fugger Privatbank.

Dann sei der Krieg in der Ukraine gekommen. Nun werde eine Rezession bei hoher Inflation befürchtet (Stagflation). Die Anpassung der Wirtschaftswelt auf die deutlichen Verwerfungen der Lieferketten und Preise werde jedenfalls noch einige Monate in Anspruch nehmen.

Dieser Szenariowechsel beeinflusse auch die Börsen: Aktien von Unternehmen, deren Kurse im letzten Jahr wegen ihrer sehr guten Fundamentaldaten noch auf und davon galoppiert hätten, seien jetzt regelrecht abgestraft worden. Dabei würden sich noch nicht einmal Tendenzen für einzelne Werte oder Branchen erkennen lassen.

Jetzt übereilt zu verkaufen, wäre jedoch die falsche Reaktion. Stattdessen gelte es, Ruhe zu bewahren und auf Sicht zu fahren. Auch gängige Anlegerregeln wie "sell in May and go away" seien in diesem Jahr mit größter Vorsicht zu genießen. Die Börsen hätten in den ersten vier Monaten deutlich verloren - der DAX beispielsweise seit Jahresauftakt rund 11%. Einen triftigen Grund, Gewinne zu sichern, gebe es demnach kaum. Im Gegenteil: In den kommenden Monaten könnten die Märkte eher wieder attraktive Einstiegschancen bieten.

Für die Zentralbanken hingegen sei Abwarten keine Option: Der starke Preisdruck, vor allem durch die steigenden Rohstoffpreise, setze die EZB und FED weiter unter Handlungsdruck. Selbst die EZB werde wohl aktiver werden müssen. Die Anleihenkäufe würden eingestellt und die Negativzinsen wohl zumindest reduziert werden. Es werde jedoch eine anspruchsvolle Aufgabe für die Notenbanken, die Inflation einzudämmen ohne dabei eine deutliche Rezession auszulösen.

Die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere würden zwangsläufig leiden. Zumindest seien das die Zinsen von morgen. Selbst die schon gestiegenen Zinsen auf so manche Anleihe würden jedoch keinen wirklichen Ausgleich für die hohe Inflation bieten.

In den kommenden Monaten könne es noch zu deutlichen Energiepreisschwankungen kommen, die auch in den Unternehmensbilanzen ihre Spuren hinterlassen würden. Bislang würden sich die Märkte dennoch widerstandsfähig zeigen und das Jahr sei noch lang. Wir sehen bis zum Jahresende durchaus noch Erholungspotenzial, so die Analysten der Fürst Fugger Privatbank. Bei Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und guter Leitung könnten sich zwischendurch auch Einstiegschancen bieten. (03.05.2022/alc/a/a)