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Wirtschaftserholung von der Geldpolitik abhängig - Anleger sollten auf Rückschläge vorbereitet sein


15.07.21 14:30
Lazard Asset Management

Delaware (www.anleihencheck.de) - Die Welt ist auf eine wirtschaftliche Expansion eingestellt, so die Experten von Lazard Asset Management.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gehe für 2021 von einem starken realen Wachstum in allen entwickelten Ländern aus und auch die Wachstumsaussichten für die Schwellenländer seien positiv. "Ein Grund dafür ist das zunehmende Impftempo", sage Werner Krämer, Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management. Dennoch sei der Experte überzeugt: Anleger sollten ihre Portfolios jetzt absichern.

"Trotz der globalen Erholungsdynamik und der positiven Ausblicke sollten Anleger auf mögliche Rückschläge bei der Kapitalanlage vorbereitet sein", warne Werner Krämer. Virus-Mutationen, wie zum Beispiel die Delta-Variante, könnten die Fortschritte der Pandemie-Bekämpfung abschwächen. Zudem sei die Erholung der Wirtschaft in hohem Maße von der Geld- beziehungsweise Fiskalpolitik abhängig. "Dauerhaft hohe Inflationsraten, insbesondere in den USA, könnten die Fed zu geldpolitischen Maßnahmen zwingen, welche sich wiederum negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken könnten", so Krämer.

Anleger sollten aus Sicht des Experten deshalb über gewisse Sicherungsstrategien für die Vermögensallokation nachdenken. In Zeiten von Inflationsangst sei die Flucht in Sachwerte wie die Aktienmärkte zwar naheliegend, doch nach der Hausse der letzten zwölf Jahre seien viele Aktienmarktsegmente relativ zur eigenen Historie hoch bewertet.

Zudem müsse das Risiko einer Inflation in alternativen Stressszenarien höher gewichtet werden. "Inflationsraten von 1 bis 4 Prozent sind für die Aktienmärkte meist problemlos zu meistern", erkläre der erfahrene Volkswirt. "Höhere Inflationsraten führen jedoch zu niedrigen realen Erträgen und Bewertungen. Bei dauerhaft höheren Inflationsraten sollten sich Anleger deshalb auf bestimmte Aktienmarksektoren, wie Energie und Werkstoffe sowie Rohstoffproduzenten fokussieren, denn diese haben sich in der Vergangenheit bei hoher Inflation bewährt."

Neben den Aktienmärkten belaste die Inflation insbesondere die Realrendite bestehender Geldmarktanlagen und Renten-Portfolios. "Rentenmärkte mit negativen Renditen und flachen Kurven wie in der Eurozone haben steigenden Renditen nichts entgegenzusetzen und werden noch weiter ins Negative gedrückt", wisse Krämer. An den niedrigen oder sogar negativen Zinsen, der flachen Kurve und den engen Credit Spreads werde sich in Europa voraussichtlich wenig ändern.

Da es auf der Rentenseite in Europa schwer sei, eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften, würden Anleger zunehmend einen Mehrertrag außerhalb Europas suchen. Bestärkt werde dieser Trend durch die stark gesunkenen Hedgekosten, welche USD-Anlagen für EUR- und CHF-Anleger deutlich attraktiver machen würden.

Generell böten Unternehmensanleihen etwas mehr Inflationsschutz als Staatsanleihen. Krämer weise jedoch darauf hin, dass auch die Renditen und Spreads von Unternehmensanleihen nahe ihrer historischen Tiefs notierten. "Aufgrund der massiven Unterstützung durch Geld- und Fiskalpolitik sind wir dennoch zuversichtlich eingestellt, dass sich risikoreichere Assets, wie Unternehmens-, Schwellenländer- und Nachranganleihen positiv entwickeln werden", erkläre der Experte.

Anleger, die große Inflationsrisiken sähen, könnten auch Inflation Linked Bonds und Floating Rate Notes in Betracht ziehen. "Da diese aber eine tief negative Realverzinsung aufweisen, weniger liquide sind und keine laufende Verzinsung bringen, sind sie nur bei dauerhaft hoher Inflation eine wirkliche Alternative", betone Krämer. Der Experte setze stattdessen auf Gold und Rohstoffe, globale Wandelanleihen, Schwellenländeranleihen, Infrastrukturaktien, Schwellenländeraktien, insbesondere aus Asien, sowie Global Quality Value Aktien. "Diese Anlagen sollten sich in Zeiten steigender Inflation gut bewähren können", so Krämer. (15.07.2021/alc/a/a)