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Wirtschaftlicher und finanzieller Marktausblick Q3/2017: Schönwetter-Szenario


15.09.17 12:50
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die anhaltend positive ausgewogene Wirtschaftsentwicklung überrascht Märkte und Investoren, so Chefökonom Dr. Karsten Junius im halbjährlichen makroökonomischen und finanziellen Marktausblick von Bank J. Safra Sarasin.

Trotz der geostrategischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel, der Enttäuschungen über die US-Innenpolitik und einigen Unbehagens über hochfliegende finanzielle Bewertungen seien die wirtschaftlichen Indikatoren bemerkenswert robust. Das Wachstum habe sich im zweiten Quartal 2017 beschleunigt, die Aktivitäten würden auf einem hohen Niveau bleiben und die Inflation sei weiterhin gedämpft, wodurch die Zentralbanken in Schach gehalten würden.

Ein signifikantes Merkmal dieser "Schönwetter-Konjunktur" sei das weltweit synchronisierte Wachstumstempo nach Jahren einer fortschreitenden Entkoppelung zwischen wichtigen Volkswirtschaften. Der globale Handel erhole sich Hand in Hand mit einem verbesserten Wachstum, und diese Flut hebe alle Boote, auch in den Schwellenländern.

Bei all dem wirtschaftlichen Fortschritt der letzten Monate bleibe die moderate Inflation ein ungelöstes Rätsel. Die Zentralbanken würden sich vor allem fragen, warum die Löhne in den Ländern, in denen die Arbeitslosenraten auf Mehrjahres-Tiefpunkten lägen, wie in den USA und in Deutschland, nicht stärker steigen würden. Der US-Dollar bleibe im Gefolge politischer Enttäuschungen weiterhin schwach, und es sei nicht davon auszugehen, dass er in absehbarer Zukunft an Boden gewinnen werde, obwohl man erwarte, dass die US-Notenbank (FED) die Zinsen in diesem Jahr ein weiteres Mal erhöhen werde. Die Stärke des Euro sei mit Abwärtsrisiken verbunden, da ein starker Euro die Inflationsprognose der EZB gefährde und durch kurzfristige Zinsdifferenzen nicht gerechtfertigt werden könne.

Die Abschwächung der Schweizer Währung werde nach Ansicht der Bank in erster Linie von Sonderfaktoren und nicht von Zinsbewegungen oder Änderungen der privaten Kapitalflüsse getragen. Die Bank gehe davon aus, dass der CHF gegenüber dem Euro weiterhin steigen werde, und erwarte bis zum Jahresende einen EUR/CHF-Wechselkurs von 1,10.

Dr. Jan Amrit Poser, Chief Strategist und Head of Sustainability Research bei Bank J. Safra Sarasin, erkläre dazu: "Trotz großer geopolitischer Unwägbarkeiten und Bedrohungen - Nordkorea, Wahlen in Deutschland und regulatorische Reformen - sind die Fundamentaldaten für die Weltwirtschaft stark. Tatsächlich sind wir zu einem Zeitalter der "großen Normalisierung" mit schrittweisen Zinserhöhungen, Bilanznormalisierung, fiskalpolitischer Besonnenheit, moderatem Wachstum und Inflationslosigkeit trotz Vollbeschäftigung zurückgekehrt."

Dr. Poser habe auf die wichtigsten Anlageempfehlungen der Bank für den Rest des Jahres 2017 verwiesen: "Aktien werden weiterhin durch die Zentralbankliquidität gestützt, und wir sehen vor allem im Asien-Pazifik-Raum und in Lateinamerika ein Aufwärtspotenzial. Die Anleiherenditen werden weiterhin langsam nach oben klettern, wobei wir Hochzins-Schwellenmarktanleihen bevorzugen. Der Schweizer Franken dürfte steigen, während der Euro nachgeben wird." (15.09.2017/alc/a/a)