Wird flache deutsche Zinsstruktur die EZB beeinflussen?


10.09.19 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Obwohl das Statement zur letzten Zinsentscheidung ein größeres Maßnahmenpaket erwarten lässt, deuten jüngste Äußerungen verschiedener EZB-Ratsmitglieder darauf hin, dass allen voran die Wiederaufnahme von Nettoanleihekäufen auf der am Donnerstag anstehenden EZB-Sitzung zum Teil sehr skeptisch betrachtet wird, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Tauben im EZB-Rat könnten daher neben der sich verlangsamenden Konjunkturdynamik und den sinkenden Inflationserwartungen auch die Entwicklung der Zinsstrukturkurve als Argument für einen stärkeren monetären Impuls anführen. So habe sich die Renditedifferenz zwischen den als Benchmarkanleihen für die Eurozone geltenden deutschen Staatsanleihen zwischen 5-jährigen und 2-jährigen Bunds so stark abgeschwächt wie zuletzt während der globalen Finanzkrise. Um eine vollständige Inversion der Zinskurve - die nicht nur als Frühindikator für eine Rezession gelte, sondern auch eine Gefahr für die Finanzstabilität darstelle - zu verhindern, wäre somit vor diesem Hintergrund ein größeres geldpolitisches Maßnahmenpaket zu rechtfertigen. Die Analysten würden daher nicht nur eine Senkung des Einlagesatzes um 20 BP, sondern auch neue Nettoankäufe von Anleihen ab Januar 2020 erwarten.

Nachdem die Renditen für deutsche Staatsanleihen aufgrund sinkender Markterwartungen hinsichtlich des Umfangs des potenziellen monetären Stimulus durch die EZB zuletzt gestiegen seien, hätten diese gestern ein neues Monatshoch markiert. Hierzu hätten auch Spekulationen über mögliche fiskalpolitische Lockerungen in Deutschland beigetragen. (10.09.2019/alc/a/a)